Maiar

Die Ainur, "Die Heiligen", kamen als die Welt erschaffen wurde aus den Zeitlosen Hallen und betraten das Land. Sie waren in den Zeitlosen Hallen form- und gestaltlos gewesen, aber in den Sphären der Welt nahmen sie vielerlei Gestalt an. Dies waren die Mächte von Arda, und die mächtigsten unter ihnen waren die Valar, von denen es fünfzehn gab. Daneben gab es zahlreiche rangniedere Ainur, die Maiar genannt wurden. In der Geschichte der Menschen werden nur wenige von ihnen erwähnt, denn die meisten kümmerten sich nur um die Belange der Unsterblichen Lande.
Der mächtigste Maia war Eonwe, der Herold Manwes, des Herrn der Winde. Eonwes Stärke in der Schlacht war mit der der Valar vergleichbar, und der Schall seiner Trompete klang all seinen Feinden schrecklich in den Ohren, da ihm gewöhnlich die Schar der Valar folgte. Ilmare, die ihre Lichtspeere vom nächtlichen Himmel schleuderte, führte die Mädchenschar der Maiar an und war die Zofe Vardas, der Sternenkönigin.
Arien, die Lenkerin des Sonnenschiffs, wurde von den Menschen am tiefsten verehrt. Wie Arien den Tag beherrschte, so war Tilion der Steuermann des Mondschiffes, das den letzten Glanz Telperions, des Silberbaums von Valinor, trug.
Die Maiar Osse und Uinen, Diener Ulmos, des Herrn der Meere, waren allen bekannt, die zur See fuhren. Osse war der Herrscher der Wogen Belegaers, des Westlichen Meeres, und obgleich er der erste war, der die Bewohner der Welt lehrte, Schiffe zu bauen, wurde er von allen Seefahrern gefürchtet. Sie liebten jedoch Uinen, die Herrin der Ruhigen See. Sie war die Gemahlin Osses, und nur sie konnte seinen wilden Geist und die Ausbrüche seines Zorns besänftigen.
Von all den Geschichten, die über die Maiar berichtet werden, ist die seltsamste vielleicht die von Melian, die sowohl Vána als auch Este in Valinor diente, doch in den Zeitaltern der Sterne nach Mittelerde kam. Dort begegnete ihr in den Wäldern von Beleriand der Eldar-König Elwe Singollo und heiratete sie; dies ist die einzige Verbindung zwischen einem Elben und einer Maiar, die es jemals gab. Drei lange Zeitalter der Sterne und ein Zeitalter der Sonne hindurch war sie Königin der Grau-Elben und die Gattin Elwes, der jetzt Thingol oder König Graumantel genannt wurde. Doch er wurde erschlagen, und Melian kehrte voller Gram nach Valinor zurück.
Viele andere gute und mächtige Geister kamen nach Mittelerde, um dort zu wohnen. Vielleicht waren es Maiar wie Melian, doch in den Geschichten wird nichts genaues darüber berichtet. Einer unter ihnen wurde von den Grau-Elben Iarwin Ben-adar, von den Zwergen Forn, von den Menschen Orald und von den Hobbits Tom Bombadil genannt. Er war ein kleiner, untersetzter Mann mit blauen Augen, einem roten Gesicht und einem braunen Bart. Er sprach und sang stets in Reimen und schien ein Wesen zu sein, das zu Exzentrizitäten neigte und den Unsinn liebte, doch war er der unbestrittene Herr des Alten Waldes.
Auch andere Geister, die möglicherweise Diener des Vala Ulmo waren, lebten im Alten Wald. Eine von ihnen war die Flussfrau der Weidenwinde, und eine andere ihre Tochter Goldbeere, die Frau Bombadils. Goldbeere hatte goldenes Haar und war so schön wie eine Elbenkönigin. Ihre Gewänder waren silbern und grün, ihre Schuhe wie Fischschuppen und sie sang, wie Vögel singen.
Gegen Ende des ersten Jahrtausends des Dritten Zeitalters der Sonne kamen fünf Maiar in menschlicher Gestalt nach Mittelerde. Jeder von ihnen war weißbärtig, trug einen weiten Reisemantel, einen spitzen Hut und einen langen Stab. Dies waren die Istari, welche die Menschen Zauberer nannten. Radagast der Braune war der Herr der Vögel und Tiere des Waldes. Saruman der Weiße galt als Bedeutendster unter ihnen und zeigte sich in der Tat zunächst weise und in manchen Künsten erfahren, verfiel dann jedoch dem Bösen und brachte vielen Bewohnern Mittelerdes Verderben und Untergang. Am berühmtesten von den fünf Istari war Gandalf der Graue, welcher anfangs Olórin genannt wurde. Die letzten beiden Istari waren die Blauen Zauberer Alatar und Pallando, Diener des Jägers Orome, von deren Taten und Schicksal auf Mittelerde wenig berichtet wird.
Doch nicht alle Maiar waren freundliche und gute Geister, viele waren von dem aufrührerischen Geist des Vala Melkor verdorben worden. Vor allem zählten die Balrogs zu ihnen, die einst leuchtende Feuergeister waren, aber durch Hass und Zorn in dämonische Gestalten verwandelt wurden. Ihr Herr war Gothmog, und die Geschichte seiner Untaten ist lang.
Ein Geist nahm die Gestalt einer riesigen und schrecklichen Spinne an, welche Ungolianth genannt wurde. Sie verschlang das Licht, erbrach die Finsternis und spann ein schwarzes Netz, das von keinem Auge durchdrungen werden konnte.
Die Fledermäuse und Werwölfe von Angband mochten einst ebenfalls Maiar gewesen sein. Es wird behauptet, dass sie böse Geister gewesen seien, die sich in furchteinflößende Gestalten verwandelt hätten. Von den Fledermäusen wird nur Thuringwethil, die "Frau des Geheimen Schattens", namentlich erwähnt, und von der Schar der Werwölfe ist Draugluin als ihr Herr und Meister bekannt.
Ein Maia ist wegen seiner bösen Taten vor allem den Menschen im Gedächtnis geblieben, Sauron, "Der Abscheuliche", der einst Aule dem Schmied und dann Melkor diente, dessen Nachfolge er antrat.
Nach den Schrecken, die er im Ersten Zeitalter der Sonne verbreitet hatte, erschien Sauron im Zweiten Zeitalter in schöner Gestalt wieder und nannte sich Annatar, "Herr der Geschenke", und erst als er sich zum Herrn der Ringe machte, offenbarte er seinen bösen Geist.
Mit dem Untergang Númenors wurde Saurons Körper vernichtet. Er nahm danach die Gestalt des Dunklen Herrschers, eines gewaltigen Kriegers in schwarzer Rüstung, an. Doch auch diese Form wurde Ende des Zweiten Zeitalters zerstört, und seine Macht manifestierte sich nur noch in einem großen lidlosen Auge. Saurons Geist wurde nach dem Ringkrieg in die Dunkelheit verstoßen, um sich nie wieder auf Mittelerde zu erheben.

 

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