Númenórer

Als das Erste Zeitalter der Sonne endete und die Macht Saurons zerbrach, hatten nur wenige der Edain, welche mit den Elben verbündet waren. die schrecklichen Kriege von Beleriand überlebt.
Nach der Großen Schlacht erbarmten die Valar sich dieser Menschen und schufen für sie eine Insel im Westlichen Meer zwischen Mittelerde und den Unsterblichen Landen. Zugleich verliehen sie ihnen ein langes Leben und größere Kräfte des Körpers und Geistes, als sie die übrigen Menschen besaßen. Sie hießen fortan nach dem Land, das sie seitdem bewohnten, die Númenórer. Freilich trug ihre Insel nicht nur den Namen Númenor, sie wurde auch als Westernis bezeichnet, als Andor, das "Land der Gabe", als Elenna, das "Land des Sterns", und als Mer-nu-Falmar von Atalante.
Der erste König der Númenórer war der Halb-Elb Elros, der Bruder Elronds, welcher später über Bruchtal herrschte. Elros entschied sich dafür, wie sein Volk sterblich zu sein; und doch dauerte seine Herrschaft immerhin 400 Jahre. Er wurde auf Númenor Tar-Minyatur genannt. Die Númenórer segelten mit ihren Schiffen durch alle Meere der Welt, sie gelangten sogar bis zu den Pforten des Morgens weit im Osten von Arda. Doch war es ihnen verboten, nach Westen zu fahren, denn die Valar hatten einen Bann ausgesprochen, dass kein Sterblicher jemals die Unsterblichen Lande von Valinor und Eldamar betreten dürfe.
Macht und Wohlstand der Menschen auf Númenor wuchsen, während sich die Dunkelheit auf Mittelerde verdichtete. Denn als Morgoth die Welt verlassen hatte, war sein Diener, der Dunkle Herrscher Sauron, zurückgekehrt und hatte die Menschen der östlichen und südlichen Länder von Mittelerde zu seinen Vasallen gemacht.
Zu dieser Zeit schuf Sauron einen Herrscherring, mit dem er alle Länder der Sterblichen zu unterwerfen hoffte, und führte einen erbitterten Krieg gegen die Elben. Doch die Númenórer kamen den Elben zur Hilfe und vertrieben Sauron aus den westlichen Landen. Eine Zeit lang herrschte Frieden auf Mittelerde, die Númenórer wurden mächtiger als je zuvor und errichteten die Häfen Umbar im Süden und Pelargir im Norden der Außenlande. Aber stolz waren sie geworden und wollten ganz Mittelerde unter ihre Herrschaft bringen. So fielen sie im Jahre 3262 mit einem gewaltigen Heer in Mordor ein. Sauron konnte ihnen keinen Widerstand entgegensetzen, und zu Verwunderung der ganzen Welt verließ er seinen Dunklen Turm Barad-dûr, um sich den Númenórern zu ergeben. Sie legten ihn in Ketten und er wurde im Turm des Königs auf Númenor gefangen gehalten.
Aber Sauron hatte sich nur ergeben, um durch List das zu erreichen, was er durch Waffengewalt nicht erreichen konnte. Wohl wissen, wie ehrgeizig und machtgierig die Númenórer geworden waren, gelang es ihm, Ar-Pharazn, ihren König, zu korrumpieren. Tempel wurden dem Herrn der Dunkelheit auf Númenor errichtet und auf seinen Altären Menschenopfer dargebracht.
Dann überredete Sauron die Númenórer, Krieg gegen die Valar und die Eldar in den Unsterblichen Landen zu führen. Sie stellten eine Flotte auf, die größer als alles war, was die Welt je gesehen hatte, und segelten an den Verwunschenen Inseln vorbei nach Westen, bis sie die Unsterblichen Lande erreichten. Das "Akallabêth" berichtet, was dann geschah. Kaum hatte der König der Númenórer die Küste betreten, als die Pelorí-Berge zusammenbrachen und ihn samt seiner gewaltigen Flotte unter sich begruben. Die Wasser erhoben sich im Zorn, und Meneltarma - der Vulkan in der Mitte von Númenor - brach aus; riesige Flammen züngelten hoch, und ganz Númenor versank im Meer von Belegaer.
Damit trat ein, was als die Umwandlung der Welt in die Chronik der Menschen einging. In jenem Jahre 3319 des Zweiten Zeitalters der Sonne wurden die Unsterblichen Lande den Sphären der Welt entrückt und waren fortan nur den wenigen Auserwählten zugänglich, die den Geraden Weg kannten, der nun beide Welten miteinander verband.
Einige Númenórer jedoch hatten sich auf Schiffe geflüchtet und so den Untergang ihrer Insel überlebt. Dies waren die Elendili, die "Getreuen", die nicht von Sauron verdorben worden waren und sich geweigert hatten, den alten Bund mit den Valar und den Eldar zu brechen. Mit neun Schiffen erreichten sie die Küsten Mittelerdes und errichteten die beiden Königreiche Arnor und Gondor. Einige andere hatten die Insel ebenfalls vor der Katasrophe verlassen und ließen sich in Umbar nieder; sie gingen später als die Schwarzen Númenórer in die Geschichte ein.

 

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