Kapitel 16

Gefecht

Es war alles so gut verlaufen. Zu gut. Sie hatten diesem Mädchen, das die Hobbits geschnappt hatte, ohne jegliche Probleme folgen können. Doch nun kamen sie in die Nähe der grossen Mauer. Noch im Wald machten sie Halt. Auch die junge Frau ging nicht durch den Haupteingang, sondern lief im Wald etwas der Stadtmauer entlang, bis sie von den Wachen nicht mehr gesehen werden konnte. Dann huschte sie lautlos über den Grasstreifen und wollte in einem Loch in der Mauer verschwinden. Die Hobbits hielt sie an den Händen wie kleine Kinder. Sie liefen ihr treu nach. Es war ihre einzige Chance, sicher und unerkannt in die Stadt zu gelangen. Doch sie kamen nicht weit. Die Wachen hatten das Loch entdeckt. Sie hatten gelauert, und kamen nun genau aus jener Öffnung. Es waren zunächst drei, jeder mit einem Degen und einer Waffe, die aussah wie eine zierliche Armbrust, bestückt. Die Hobbits machten sich entsetzt los und zogen ihre kleinen Schwerter. Das Mädchen zog einen schlanken Degen. Sie stellte sich vor die Wachen hin, und schrie ihnen lästerliche Dinge zu. In Quenya.
Legolas und Elrohir tauschten einen Blick. Sie hatten wie alle andern ihre Waffen gezogen. Sie waren verwirrt. Dieses Mädchen war unverkennbar eine Schwarze. Doch warum sprach sie Quenya? Warum kämpfte sie gegen die Wachen? Diese wurden immer mehr, und zeigten nun auch Interesse an Merry und Pippin, die mit tapferer, jedoch nicht allzu starker Hand, ihre Schwerter schwangen. Es gab keinen andern Ausweg. Sie mussten sich ebenfalls ins Gefecht stürzen. Legolas schoss einen Pfeil ab. Er traf einen der Dienstmänner zwischen die Augen. Die anderen Wachen scharten sich sofort um den Toten. Elrohir und Legolas stürmten vor. Gimli indessen zögerte nicht lange und stürzte ihnen mit einem zwergischen Schlachtruf nach. Legolas schoss zwei weiteren Wachen Pfeile zwischen die Augen, während Elrohir sein langes, gebogenes Schwert schwang. Er erwischte viele, doch sie schienen immer mehr zu werden. Elrohir vernahm dieses Schnalzen, dass dumpf und doch laut klang und das er schon bei Magroníon bemerkt hatte. Wachen rannten herbei. Immer mehr und mehr, und sie waren gut ausgebildet. Sie beherrschten ihre Degen meisterhaft. Nun waren auch noch Haldir und Galadhion herbeigekommen. Die zwei Krieger hielten indessen Magroníon und Silma in Schach. Magroníon wehrte sich heftig. Nun war seine Gelegenheit. Jetzt oder nie musste er weg. Silma machte keine Anstalten wegzugehen. Er trug keine Waffen. und er wusste sowieso nicht, was er tun sollte. Wäre er weggelaufen, die Krieger hätten ihn erschossen. Wenn nicht die Elben, dann die Aramos. Er gehörte zu keinen der Beiden. Vinvierwen wollte sich auch gleich Legolas und Elrohir nachstürzen, doch Frodo hielt sie zurück.
"Das Pferd ist schnell, nicht?", fragte er. Vinvierwen nickte nur. Frodo begann, das Gepäck abzuladen, und Vinvierwen verstand. Sie half ihm rasch.
"Wenn du schnell reitest, bist du wahrscheinlich gegen Abend dort. Reite rasch und ohne Umschweife. Das Pferd führt dich auf schnellstem Wege. Er wird dich nicht abwerfen. Bitte Elrond um eine Eskorte. Ich weiss nicht, was läuft, bis ihr zurück seid. Wir werden ein Zeichen setzen."
Sie hob Frodo auf den grossen Grauschimmel und knotete hastig aus Gepäckriemen eine Art Steigbügel. Frodo war nicht wohl. Er bemerkte, wie Vinvierwens schlanke Hände zitterten. Vinvierwen legte ihm die Hand auf die Schulter.
"Geh. Wir werden es schaffen."
Sie versuchte ihren Mund zu einem Lächeln zu verziehen, doch als es nicht gelang wandte sie sich ab, und griff zum Bogen. Frodo rief dem grossen Pferd elbische Worte zu. Es preschte los.
Vinvierwen hatte sich rechtzeitig umgedreht. Magroníon war dabei einem der Wächter die Waffe abzunehmen. Er hatte sich frei gemacht. Vinvierwen verwünschte ihn zum x-ten Mal. Er hatte die Krieger bewusstlos geschlagen und war nun auf dem Weg zu dem Grasstreifen, wo das Gefecht immer noch tobte. Er würde die Elben von hinten überfallen. Vinvierwen lief leisen Schrittes nach vorn. Er hatte sie nicht gehört. In seiner Raserei vergass er alles um ihn herum. Er peilte Elrohir an. Vinvierwen beschleunigte ihren Schritt. Sie war nun wenige Meter neben dem Aramos. Schnell stiess sie nun nach vorn. Mit einer raschen Bewegung hatte sie das lange Messer aus Magroníons Hand geschleudert. Er starrte sie ungläubig an. Dann lief er davon, in die Richtung des Stadttores. Vinvierwen wollte ihm nach. Doch es hatte keinen Sinn. Er war zu schnell. Sie liess ihn ziehen.
Der Kampf war in vollem Gange. Die Wachen kämpften bitter vor der Stadtmauer, doch Elrohir hatte sich schon weit vorgearbeitet. Die Öffnung war nicht weit und die Wachen strömten nun nicht mehr aus allen Richtungen. Elrohir parierte jeden Degenschlag elegant ab. Er kannte langsam die Kampftechniken der Aramos und seine jahrhundertealte Erfahrung zahlte sich nun gegen die sterblichen Wachen aus. Elrohir hatte sich eine Schneise geschlagen. Hinter ihm verringerten Gimli und Legolas die Zahl der Wachen. Die Heranströmenden fielen dem elbischen Bogen zum Opfer, die nahe liegenden der scharfen Axt. Auch Vinvierwen kämpfte nun bitter wie ein Mann. Als sie einen kurzen Blick nach vorne riskierte, sah sie Elrohir vor der Öffnung. Nur ein Mann war dazwischen, und das musste der Hauptmann sein. Ein grosser, stämmiger Mann, mit einer sicherlich sehr starken Hand. Elrohir war erschöpft, doch er kämpfte weiter. Aber gegen diesen Bären von einem Mann kam er nicht an. Dieser schlug ihm das Schwert aus der Hand. Legolas hatte sofort ein Langmesser in der Hand und wagte sich nun an den Hauptmann. Der jedoch war an Elrohir interessiert. Mit seinem scharfen Degen schnitt er das elbische Hemd auf. Das Amulett funkelte in der Sonne. Die Degenspitze fuhr unter die Mithrilkette. Er hob an etwas zu sagen, doch kam nicht weit. Der Degen fiel ihm aus der Hand. Blut wurde an seinem Mundwinkel sichtbar. Seine Augen wurden glasig, er taumelte ein bisschen, bevor er vornüberstürzte. In seinem Rücken stak ein kleines, spitziges Messer. Die andern Aramos hielten inne. Aus der Öffnung stürzten schwarze, zerlumpte Gestalten. Sie schlugen umstehende Wachen nieder und befahlen Elrohir in Quenya, durch die Öffnung zu gehen. Er zögerte. Die Bettler oder was auch immer sie waren, stiessen ihn vorwärts. Er stolperte und hörte die Stimmen von Merry und Pippin aus dem Loch. Gleich nachdem keine Wachen mehr daraus strömten, hatten sie sich dort verkrochen. Elrohir raffte sich auf und stieg hindurch. Dort warteten auch tatsächlich Merry und Pippin. Neben ihnen lag das Mädchen von der Lichtung. Sie war tot. Pippin versuchte hastig zu erklären.
"Sie sind Freunde. Sie kämpfen gegen die Wachen…Sie sagen sie haben jemanden, den wir kennen…Folge ihnen!"Elrohir nickte schwach.
"Aber ihr geht zurück. Ich will nicht, dass auch ihr euch möglicherweise in Gefahr begebt."
Pippin blickte ihn verständnislos an, doch Merry verstand. Rasch zerrte er Merry mit sich. sie verschwanden.
Elrohir folgte indessen einem jungen Bettler. Dieser hatte ein paar Pflastersteine aufgehoben und stieg nun durch das entstandene Loch. Elrohir folgte ihm vorsichtig. Sie gingen durch einen schmalen Tunnel, und kamen in die gleiche Höhle, die auch Elladan vor wenigen Stunden erblickt hatte. Nun jedoch sass keine Runde um das leicht flackernde Feuer. Nur ein paar Alte und Kinder hatten sich in die Nischen der Höhle verkrochen. Beim Feuer sass eine Gestalt, in eine schäbige Decke gehüllt. Der Junge neben Elrohir schaute die Gestalt unverständlich an. Diese drehte den Kopf. Es war ein Elb. Elrohir musste an sich halten, nicht auf ihn zuzustürmen. Es war Elladan. der Junge war nun vollständig verwirrt. Zwei? Es gab zwei von ihnen? Elladan erhob sich lächelnd und ging auf die zwei zu. Er umarmte seinen Bruder und hielt ihn danach an den Schultern etwas weiter von sich.
"Lange nicht gesehen…schön, dass du den Weg hierhin auch gefunden hast."Danach wandte er sich an den Jungen:
"Kanro, darf ich vorstellen, mein Bruder."
Kanro brachte ein unverständliches Lächeln zustande.
"Ah…und wer ist nun wer?"Elrohir lächelte nun ebenfalls. Es war keine Falle, das spürte er. Er antwortete freundlich auf die Frage des Jungen:
"Ich bin Elrohir, und das hier ist Elladan."
Kanro wirkte nun beinahe heiter.
"Das wird mir wahrscheinlich nicht viel nützen…Ich kann euch sowieso nicht unterscheiden."Sein Lächeln wurde hintergründig und leise fügte er an:
"Aber eure Ähnlichkeit wird sonst von Nutzen sein…"Er wurde unterbrochen. Die Männer kehrten zurück. Allen voran der grosse, ältere Mann, der der Anführer der Truppe zu sein schien. Elladan neigte sich zu seinem Bruder:
"Andrassos, ihr Anführer."
Dieser setzte auch gleich zu sprechen an, doch seine tiefe, laute Stimme erschallte doch nicht. Sein Mund blieb offen stehen, als er die beiden Zwillinge erblickte. Elladan grinste:
"Darf ich vorstellen: Mein Bruder Elrohir. Ich bin Elladan."
Andrassos klappte seinen Mund zu, begann zu grinsen und sagte nur:
"Gut…sehr gut!"

 

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