Kapitel 2

Bekanntschaft

Am nächsten Morgen trafen sich alle im grossen Speisesaal zum Frühstück. Gimli und Legolas saßen an den Enden des Tisches und plauderten schon munter als Dóraviel und Elrohir eintraten. Sie setzten sich an eine Breitseite. „ Na habt ihr gut geschlafen?“, fragte Legolas mit einem Augenzwinkern. Dóraviel nickte und lächelte noch etwas müde. Legolas war sichtlich guter Laune, doch Gimli war etwas blass. „Die Meerluft und das Schaukeln des Schiffes sind herrlich, nicht?“, fuhr Legolas fort. Gimli war anderer Meinung und zeterte los: „Von wegen! Dieses verdammte Schaukeln verursacht Übelkeit! Ich konnte heute kaum ruhig schlafen, und…“ Er kam nicht mehr dazu, auszureden, denn in dem Moment kamen Pippin und Merry zur Türe herein. Sie sahen noch reichlich verschlafen aus, und wurden wohl gerade erst geweckt. Aber für ein gutes Frühstück tut ein Hobbit bekanntlich alles. Und das Angebot war wirklich gross: Von frischen Früchten über noch warmes Brot bis hin zu vielen verschiedenen Käsesorten war alles da. Die Hobbits stürzten sich nach einem ausgiebigen Hallo natürlich sofort auf das Festmahl. Einem Außenstehenden muss sich ein seltsames Bild geboten haben: Ein Zwerg, der beinahe grün vor Übelkeit war und nur Kamillentee trank, zwei Hobbits, die so viel in sich hineinstopften, als ob sie monatelang nichts zwischen die Zähne gekriegt hätten, ein väterlich lächelnder Elb, der jedoch so schön und jung aussah wie seine Tochter, welche verliebt zu einem ungewöhnlich dunkelhaarigen Elben aufsah.Nachdem Sie das Frühstück beendet hatten, hielten sie noch ein Schwätzchen. Pippin legte sogleich los: „Legolas, warum erfahren wir erst jetzt, dass du eine Tochter, eine so hübsche noch dazu, hast? Nicht einmal Aragorn oder Gandalf haben davon gewusst!“ Der anklagende Ton in Pippins Stimme liess Legolas aufseufzen. Seine gute Laune war mit einem Male verflogen. Er stützte seine Stirn auf seine Hand und begann: „Ich habe noch nicht oft darüber gesprochen, und wenn ich ehrlich bin, tu ich es auch nicht gerne. Es ist nicht sehr ruhmreich für mich, und diese Angelegenheit machte mich wohl zu jenem beherrschten Elben, der ich im Ringkrieg war. Es war so, dass ich…nun ja…als ich vor vielen Jahren mit meinem Vater Elrond aufsuchte, weilte auch Gildors Sippe dort. Und Gildor hat eine Tochter, sie heißt Vinvierwen, und…also, wir verstanden uns auf Anhieb…und…“ Gimli bemerkte, dass sein Freund nicht mehr weiterreden konnte, und deshalb sagte er beruhigend: „Den Rest können wir uns denken“ Er warf einen scharfen Blick auf Pippin, der beschämend den Blick zu Boden warf. Legolas seufzte erleichtert auf: „Danke.“ Dóraviel, die schweigend zugehört hatte, sagte, um dem Thema eine andere Richtung zu geben: „So, nun möchte ich gerne euch drei kennen lernen“, sie wies auf den Zwerg und die zwei Hobbits, „Erzählt mir etwas vom Ringkrieg. Ich habe es ja nur von Edoras aus verfolgen können, und über euch habe ich nicht viel gehört.“ Legolas horchte auf. Seine Tochter war in Edoras gewesen während des Krieges? Und er, der dort war, bei allen Flüchtlingen, hatte sie nicht erkannt? Wahrscheinlich war sie bei den Kindern und jüngeren Frauen ganz in den hintersten Höhlen von Edoras gewesen. Dort hatte er sie unmöglich finden können, da er mit Aragorn vorn gekämpft hatte.Pippin legte auf die Frage hin natürlich sofort los: „ Ich habe einen Troll erschlagen! Und der hatte schwarzes Blut! Er war etwa drei Meter hoch und ich habe ihn nur mit meinem Schwert getötet!“ „Dafür bist du nachher ohnmächtig geworden und ich musste dich aus einem Haufen Leichen herausziehen!“ erinnerte sich Gimli lachend. Merry konnte es sich natürlich auch nicht nehmen lassen, von seinen Heldentaten zu erzählen: „Ich habe den Fürst der Nazgûl umgelegt! Na gut, Éowyn war auch da, aber sie hatte ihn nur geschwächt, ich hab ihn dann vollständig getötet!“ Gimli lachte, trotz der Übelkeit, die ihm immer noch anzusehen war, wieder: „Und nachher lagst du so lange in den Häusern der Heilung, dass du nicht am letzten Kriegszug mitmachen konntest!“ Merry wollte es nicht auf sich sitzen lassen: „Aber das ging Éowyn auch so! und ausserdem hat Aragorn gesagt, das ich meine Heldentat schon vollbracht hätte, und nicht mitzukommen brauche!“ Alle lachten. Sie plauderten noch etwa eine halbe Stunde, bis Legolas plötzlich aufhorchte. „Das Brausen! Das Meer ist unruhig! Und warum ist es plötzlich so dunkel?“ Legolas hatte Recht. Es war merkwürdig düster, obwohl es erst später Vormittag war. Ausserdem schwoll der Lärm immer mehr an. Sie rannten an Deck. Es regnete in Strömen und nun begann das Schiff auch noch gefährlich zu schwanken. Gimli wurde noch grüner als er es vorher schon war. Er schwankte unter Deck und die beiden Hobbits taten es ihm auf Geheiss von Legolas nach. Am Horizont erleuchteten grelle Blitze den nun schon beinahe schwarz gewordenen Himmel. Das Pfeifen des Windes wurde unerträglich laut. Elrohir, der mit Legolas an der Reling stand, schrie Dóraviel zu: „Geh runter! Lauf unter Deck!“ Doch sie blieb und rief zurück: „Nein! Ich werde bei euch bleiben!“ Da kam der Kapitän des Schiffes über das schaukelnde Deck. Jede Kommunikation war nun unmöglich. Das Tosen des Meeres schmerzte in den Ohren. Der Kapitän, ein wackerer Mensch, bedeutete ihnen unter Deck zu laufen. Legolas löste sich aus seiner Position und begann, den Matrosen zu helfen, die Segel einzunehmen. Elrohir und nach kurzem zögern auch Dóraviel taten es ihm nach. Das Gewitter war nun unmittelbar über ihnen. Das Deck war glitschig und um ein Haar wäre Dóraviel gestürzt. Eine hohe Welle erfasste das Schiff und schleuderte es in die Höhe. Legolas schwankte. Elrohir rutschte auf dem nassen Holz aus und schlitterte zur Reling. Dóraviel schrie auf und wollte ihm zu Hilfe eilen, doch es war zu spät. Elrohir wurde über Bord geschleudert.Dóraviel stürzte. Sie konnte an nichts mehr denken. Sie kauerte auf dem Boden und schrie sich die Seele aus dem Leib.

 

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