Kapitel 21

Roter Schimmer

Das Pferd war ausgeruht, und kannte den Weg. Frodo war kein grosses Gewicht, und so schaffte er den Weg, für den sie einige wenige Tage gebraucht hatten, in einer knappen Nacht und einem halben Tag. Im Morgengrauen, nach der Nacht, als Dóraviel befreit wurde, kam er in die Stadt. Elrond wartete am Stadttor auf ihn. Sie hatten ihn schon lange gesichtet. Elrond war aufgeregt. Frodo war noch nicht vom Pferd gestiegen, als er schon mit Fragen bestürmt wurde.
"Was ist mit den andern? Wo sind sie? Wir sind sehr in Sorge!"
Elrond deutete in den Südwesten. Ein schwacher roter Schimmer hatte sich über den Wald gelegt. Das war kein Morgenrot. Der Schimmer war an der Stelle, wo die Stadt der Aramos war.
Frodo atmete ein paar Mal ein und aus, bevor er antworten konnte. Elrond verbiss sich seine Ungeduld. Der Hobbit war müde. Er würde ihm gleich ein Bett besorgen, doch zuerst wollte er einen vollständigen Bericht von dem, was vorgefallen war. Er hatte schliesslich keine Ahnung von allem. Endlich sprach Frodo.
"Wir sind unterwegs auf Elrohir gestossen, er hatte das Amulett, das die Aramos suchten. Er wurde von einem Schiff der Haradrim aufgefischt, darauf war ein Aramos, der ihn zusammen mit einem Haradrimjungen entführte.
Dann stiessen wir auf eine Aramos. Irgendjemand machte ein Geräusch, und sie wurde auf uns aufmerksam. Pippin und Merry haben ihren Trick ausgeführt. Wir kamen durch die Frau an die Stadtmauer, aber da waren Wachen, und es gab ein Gefecht. Da bin ich hierher geritten. Das war am Mittag des vorigen Tages."
Frodo hielt inne. Elrond war etwas verwirrt, doch allmählich begriff er, was los war. Er war froh, dass er wenigstens von einem seiner Söhne Gewissheit hatte, dass er wohlauf war. Doch dann deutete er auf den Schimmer am Horizont.
"Weißt du was dies bedeutet? Es kann nur eins sein. Die Königin hat ihr Amulett wieder. Ich sah den Schimmer schon einmal, als ich noch jung war. Damals erreichte ihr Vater die Macht. Das ist schon Jahrtausende her.
Ich hoffe nun, dass unsere Truppe wohlauf ist. Ich werde sofort Verstärkung schicken."
Und so geschah es.
Galadhion hatte die Wache, als Elrohir und Dóraviel auf das Lager trafen. Er spannte sofort seinen Bogen, senkte ihn jedoch wieder, als er die beiden Elben sah. Seine Mine hellte sich auf, und er weckte die andern. Sie waren sofort auf. Vinvierwen sprang regelrecht auf und stürzte auf Dóraviel zu. Doch als sie ihren Gesichtsaudruck sah, hielt sie inne. Dóraviels Mine war finster, Elrohir aber übertraf sie nicht. Legolas merkte sofort, dass etwas nicht stimmte.
"Was ist los?"
Elrohir räusperte sich. Sein Mund war trocken. Schliesslich brachte er heraus:
"Ich habe versagt. Ich habe Dóraviel vor der Folter zwar retten können, doch das Amulett ist fort. Entschuldigt."
Legolas sah bestürzt ins Feuer. Natürlich freute er sich, dass seine Tochter in Sicherheit war. Doch die Sicherheit nützte nicht mehr viel, wenn die Königin das Amulett finden würde. Das nämlich bedeutete nichts anderes als Krieg. Er hatte genug von Krieg. Von diesem ewigen Gemetzel und Morden. Er war hierher gekommen, um seinen Frieden zu finden. Wäre er doch in Mittelerde geblieben! Er hätte dieses ganze Durcheinander, diese Sticheleien mit Galadhion, das Fürchten um seine Tochter nicht mitmachen müssen.
Seine Gedanken wanderten zu Gandalf. Was hatte er Frodo gesagt, als dieser sich über seine Bürde beschwert hatte? "Das tun alle, die solche Zeiten erleben, aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die uns gegeben ist. In dieser Welt sind auch andere Kräfte am Werk, nicht nur die des Bösen." Fürwahr, weise Worte. Legolas hob seinen Blick. Frodo war bestimmt schon in der Stadt, und Verstärkung war unterwegs. Sie würden das Amulett finden. Es konnte doch nicht der Wille der grossen Mächte sein, dass das Reich der Elben untergeht.
Elrohir sah die Zuversicht in Legolas´ Augen. Doch er war nicht so optimistisch. Er hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend, das ihn selten täuschte. Er hatte auch diesmal Recht. Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, dröhnten durch Mark und Bein dringende Rufe durch die Stadt. In allen Sprachen, die der westen und Mittelerde je gekannt hatte. Die Rufe bestätigten genau das, was sie insgeheim immer gefürchtet hatten. Die Königin hatte das Amulett.
"Bürger der Stadt! Zu den Waffen! Der Stein der Aramos leuchtet wieder! Nun ziehen wir in die Schlacht. Kein Feind soll unbestraft werden!"
Elrohir sank zu Boden.
"Es ist meine Schuld. Bei Varda, warum konnte ich nur nicht aufpassen? Sie hätten jemand anders schicken sollen."
Legolas blickte besorgt in Richtung der Stadt. Es schien, als umgebe sie ein feiner, roter Nebel.
"Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zurückzugehen. Allein können wir sie nicht bewältigen. Wo ist Elladan?"
"Bei den Bettlern. Sie wollen die Königen stürzen. Sie wissen um ihre Grausamkeit. Sie werden uns helfen. Elladan wird mit ihnen kämpfen."
Legolas nickte. Ihnen blieb nichts als die Flucht.
Es schien, als würde die ganze Stadt erwachen. Bürger traten aus ihren Häusern, mit einer plötzlichen Kampfeslust in den Augen. Die alten Gemäuer schienen zu erwachen. Es schien, als würde durch alle noch so verwinkelten Gassen der Stadt dieser rote Schimmer wabern. Nicht wie Nebel. Er umfloss für kurze Zeit jeden Gegenstand, jedes Lebewesen. Dann wurde er schwächer, legte sich oder verschwand in die Lüfte.
Die Bürger sammelten sich auf dem Dorfplatz. In ihren Augen leuchteten rote Funken. Sie hatten alte Waffen ausgegraben. Es war eine riesige Streitmacht.
Andrassos, Elladan und die anderen Rebellen waren einen Moment lang perplex. Sie schauten ums ich, konnten nicht glauben, was eben geschah. Dann richteten sie sich wieder auf. Hoben ihre Waffen. Jetzt erst Recht! Doch trotz allem Optimismus, tief im Innern wussten sie, dass die Streitmacht der Bürger stärker sein würde. Es waren unheimlich viele. Die Stadt war gross. Die Bettler waren vielleicht zweihundert, doch die Bürger sammelten sich zu tausenden.
Sie hofften auf Verstärkung von Seiten der Elben. Zarzamora hatte nun die Macht, das ganze reich einzunehmen. Wenn sie nicht sofort gestoppt wurde.

 

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