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Kapitel 2
Eine 'wunderbare' Welt
Das erste, was Legolas bemerkte,
waren der Lärm und der Gestank. Es nahm ihm fast
die Sinne. Nach kurzer Zeit wurde er sich klar, daß
sie von den rollenden Wesen ausgingen: Das waren ja
eher Monster!
Inzwischen hatte sich eine Menschenmenge um ihn herum
gebildet, der er sich nun so langsam bewusst wurde.
Zuerst irritierte es ihn, bis ihn plötzlich die
Erkenntnis wie ein Schlag traf: Er mußte für
die Menschen noch seltsamer aussehen, als die Menschen
für ihn. Schließlich trug er nicht nur
die bei den Waldelben übliche Kleidung, sondern
auch seine Waffen, den Bogen und die zwei Messer.
Weit und breit konnte er keinen Menschen mit irgendeiner
Waffe entdecken. „Die müssen es hier aber
sehr friedlich haben“, sagte er sich.
Endlich raffte er sich auf, kämpfte sich durch
die Masse und ging schnell um die nächste Ecke.
Zu seiner Erleichterung waren die Bäume hier
nicht eingesperrt. Warum die das dahinten wohl machten?
Bäume konnten einen doch nicht anspringen!
Plötzlich trat ein Mann an den Elben heran und
sprach ihn an: „Machen sie Werbung für
den Kinofilm ‚Der Herr der Ringe‘? Legolas
hatte natürlich keine Ahnung, was der Mann meinte,
antwortete aber vorsichtshalber: „Ja.“
„Find ich Klasse, das Kostüm sieht wirklich
aus wie im Kino“, sagte der Mann und ging weiter.
„Was soll das bedeuten, ich sehe aus wie im
... Kino? Und was kann denn nur ein Film sein?“
Ratlos ging Legolas weiter. Zu seiner Beruhigung hatte
er inzwischen festgestellt, daß die rollenden
Dinger keine Lebewesen waren, sondern von Menschen
gefahren wurden. Wie konnte er allerdings nicht feststellen:
Die Fahrer drehten immer nur so an einem Rad und schon
fuhr das Ding, wohin sie wollten. Funktionierte wohl
mit Magie! Der Elb dachte an die Menschen in Mittelerde,
die alles, was mit Magie zu tun hatte, nicht mochten.
Und diese schienen alles mögliche mit Magie zu
machen. In einem großen Fenster sah er Kisten,
die sich bewegende Bilder von Menschen zeigten. Wozu
das wohl gut war?
Endlich schnappte er auch den Namen der Fahrzeuge
auf: Autos. „Und was nützt mir das?“
fragte er sich sofort. Inzwischen hatte er ein anderes
Problem entdeckt: das Geld! Die Leute bezahlten hier
mit Papierscheinen und wertlos aussehenden Münzen.
Seine Goldmünzen würden wahrscheinlich nicht
genommen werden. Dabei hätte er dringend Kleidung
gebraucht, die der Hiesigen entsprach und einen Rucksack,
in dem er seine Waffen verstauen konnte. So irrte
er einige Zeit durch die Straßen. Die merkwürdigsten
Gebäude fand er, waren die, die nur aus einem
großen Raum und einem langen Turm bestanden.
Wozu die Decke wohl so hoch war? Da konnten ja zwei
Riesen übereinander stehen ohne ans Dach zu stoßen!
Nachdenklich verließ Legolas das Gebäude
und marschierte weiter. Nach einem langen Weg traf
er zufällig auf den kleinen Stadtpark, der in
einer ruhigeren Gegend ein wenig außerhalb der
Innenstadt lag. Schnell ging er hinein und suchte
sich eine einsame Ecke, wo er mutlos und traurig auf
eine Bank sank. Wie sollte er nur jemals wieder nach
Hause kommen? Wie sollte er sich in dieser Welt zurechtfinden?
Nachdenklich musterte der Elb seine Umgebung. Die
Bäume sahen gesünder aus, als in den Straßen.
Immerhin! Manche Baumarten kannte er nicht. Am Ende
des Parks konnte er die anschließende Straße
und die Häuser erkennen, es war eine Seitenstraße
mit schönen Bäumen auf beiden Seiten. Auf
einem Fenster des Hauses direkt gegenüber erschien
plötzlich ein Lichtreflex. Legolas stutzte: Der
Reflex sah aus, wie ein roter Stern. Da fiel ihm auf
einmal wieder ein, wie hierher gekommen war: Die Frau,
die ihn mit dem Armband bewusstlos gemacht hatte.
Aber was war während seiner Bewusstlosigkeit
passiert? Er mußte es herausfinden!
Entschlossen ging er auf das Haus zu. Gerade als er
die Straße erreichte, trat eine junge Frau aus
der Tür des Hauses. Legolas erstarrte. Das war
doch die Frau, die ihn hierher gebracht hatte. Zumindest
sah sie genauso aus.
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Seit Aikos Geburtstag waren inzwischen 2 Monate vergangen.
Aus dem Essen war ein Abend mit ihren Freunden in
der Disko geworden. Trotzdem wurde Aiko immer noch
ärgerlich, wenn sie daran dachte. Mit ihren Freunden
ging sie sowieso jedes Wochenende zum Tanzen, es hatte
Spaß gemacht, war aber nichts besonderes gewesen,
nur das sie diesmal in der Woche losgezogen waren,
genaugenommen an einem Dienstag, dem Tag nach Aikos
Geburtstag. „Na ja, was soll’s, mache
ich eben aus meinem 20. Geburtstag einen Besonderen“,
sagte sich Aiko, obwohl ihr klar war, daß der
20. nicht so besonders werden konnte wie der 18. Geburtstag.
Immerhin war sie jetzt volljährig!
„Eigentlich ist es doch ziemlich blöd 18
zu werden. Alle meinen, man müsse sich dann anders
fühlen und fragen ständig danach. Aber bei
mir jedenfalls Fehlanzeige!“ Aikos größtes
Problem war, daß sie nächstes Jahr Abitur
machen würde, aber noch nicht wußte, was
für eine Ausbildung sie danach machen sollte.
Sie hatte geglaubt, daß sich mit 18 schnell
eine Anwort finden würde, da sie ja nun ‚Erwachsen‘
war, aber auch hier Fehlanzeige! Überhaupt: Bei
der jetzigen Lage auf dem Lehrstellenmarkt durfte
sie wohl kaum wählerisch sein. Aber der Gedanke
ihr Leben in einem Büro zu verbringen, war ihr
unerträglich. Als Naturfreundin und Tierschützerin
hätte sie gerne in diesem Bereich gearbeitet,
aber das Meiste waren ehrenamtliche Stellen und eine
spezielle Ausbildung für so etwas gab es erst
recht nicht. „Und Mama will außerdem,
daß ich in der Firma anfange, wo sie arbeitet.
Sie meint, daß sie ihren Eifluss geltend machen
kann und ich genommen werde, zumal ich ja auch recht
gute Noten habe. Darauf wird’s wohl hinauslaufen.“
Energisch schob Aiko das lästige Thema aus ihren
Gedanken und beschloß ein wenig in den Park
zu gehen, anstatt Hausaufgaben zu machen, da ausnahmsweise
einmal die Sonne schien. „In diesem Sommer kann
man das wirklich als Besonderheit rot im Kalender
ankreuzen. Warum wohnen wir nicht in Süddeutschland?“
Schnell verließ Aiko die Wohnung und begab sich
die Treppe hinunter auf die Straße. Gerade als
sie aus der Tür auf die Straße trat, fiel
ihr Blick auf jemanden, der auf der anderen Straßenseite
stand. Sie erstarrte: Der sah ja aus, wie der Legolas
aus dem Film! Erst nach einiger Zeit bemerkte sie
verwirrt, daß ihr Gegenüber sie genauso
verwundert anstarrte, wie sie ihn. Entschlossen ging
sie über die Straße um den geheimnisvollen
Fremden anzusprechen.
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Legolas starrte die Fremde eine ganze Zeit lang an,
bis er merkte, daß auch diese ihn ansah. Schließlich
faßte sie sich zuerst und kam zu ihm hinüber.
„Gibt es einen Grund, daß du mich so anstarrst?“
fragte Aiko nicht gerade freundlich.
„Du hast mich ja auch angestarrt!“
„Und darüber wunderst du dich? Sag mal,
was bist du eigentlich, ein verrückter HdR- Fan
oder ‘ne wandelnde Reklame?“
Jetzt wurde Legolas doch wütend: „Tu doch
nicht so. Du hast mich schließlich hierher gebracht.
Jetzt würde ich gerne wieder zurück. Wieviel
zeit ist eigentlich vergangen, seit ich vom Pferd
fiel?“
„Woher soll ich denn das wissen?“ antwortete
Aiko, zu verblüfft, um auf den Rest der Rede
einzugehen.
„Spiel bitte nicht die Unwissende“, brachte
der Elb nur mühsam beherrscht hervor.
„Aber ich weiß wirklich nicht, was du
meinst.“
„Natürlich!“
„Was bildest du dir eigentlich ein? Wir sehen
uns zum ersten mal und du fängst sofort an mich
zu beschimpfen! Nicht einmal vorgestellt hast du dich!“
„Du doch auch nicht.“
„Na schön. Ich bin Aiko Schmidt und du?“
„Ich heiße Legolas.“
„Sehr witzig!“
„Warum?“
„Ich wollte nicht wissen, als was du dich verkleidet
hast, sondern deinen Namen!“
„Das ist mein Name.“
„Na klar, und ich bin Arwen Undomiel“,
antwortete Aiko sarkastisch. Entweder machte der Kerl
sich über sie lustig oder er war komplett verrückt!
Vielleicht war er sogar gefährlich, man wußte
nie, was Geisteskranke sich alles einfallen lassen
konnten. Sie sollte lieber schnell in die Wohnung
verschwinden.
„Also ich muß jetzt gehen“, sagte
sie und lief schnell über die Straße und
verschwand in der Haustür. Legolas wartete, bis
diese sich fast geschlossen hatte, dann sprintete
er los. Leise huschte er durch die Tür und die
Treppe hinauf. Bevor Aiko die Tür schließen
konnte, hatte er den Fuß dazwischen. Das Mädchen
bekam einen riesigen Schreck, beherrschte sich aber
und rief: „Wenn du nicht sofort verschwindest,
kannst du was erleben. Ich muß dich ernsthaft
warnen: Ich habe den schwarzen Gürtel in Karate.
Außerdem wohnt über mir ein Polizist, der
wird mir bestimmt helfen, wenn ich schreie.“
Damit machte sie auf Legolas natürlich überhaupt
keinen Eindruck, trotzdem lenkte er ein: „Ich
will dir ja nichts tun. Ich will nur mit dir reden,
ich brauche nämlich Hilfe. und ich weiß
nicht an wen ich mich sonst wenden soll.“
„Warum gerade ich?“
„Weil du genauso aussiehst, wie diejenige, der
ich meinen Aufenthalt hier verdanke.“
Aiko musterte ihn scharf. Er sah ziemlich verloren
aus, fand sie. Aber da war noch etwas anderes, etwas
das man schwer beschreiben konnte, eine seltsame Ausstrahlung,
die ihr noch bei keinem Menschen bisher begegnet war.
Eigentlich, wenn sie es recht bedachte, wirkte er
gar nicht menschlich. Sofort rief Aiko sich zur Ordnung.
„Ich lasse mich von diesem Verrückten schon
anstecken. Ich sollte mich gar nicht mit ihm einlassen“,
dachte Aiko. dennoch lächelte sie ihn an, warum
wußte sie selbst nicht, und trat zur Seite:
„Na gut, komm rein. Bin mal gespannt auf deine
Geschichte. Legolas ging hinein und die Tür schloß
sich hinter den Beiden.
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