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Kapitel 22
Ein fruchtloser Sieg
Aiko saß mit Eowyn und
Mara in einem für sie aufgebauten Zelt. Von
Ferne konnten sie den Schlachtlärm hören.
Jeder der 3 hing seinen eigenen Gedanken nach:
Mara fürchtete sich, während Eowyn sich
ärgerte, daß es sich für eine
gondorische Fürstin nicht schickte zu kämpfen
und Aiko sich Sorgen machte um ihre Freunde. Sie
hoffte, daß sie alle überleben würden.
Jetzt warf Palan einen kurzen Blick zu ihnen hinein.
Zu seiner Beschämung hatte er nicht mit in
die Schlacht ziehen dürfen. Zwar hatten die
Anderen gesagt, er müsse auf die Frauen aufpassen,
aber er wußte, daß sie in Wirklichkeit
seine kämpferischen Fähigkeiten anzweifelten.
Dabei war er ein ausgezeichneter Bogenschütze,
wie die meisten Mitglieder der Familie Tuk. Auch
Pippin konnte inzwischen bestens mit Pfeil und
Bogen umgehen und Palan selbst hatte schon vor
10 Jahren mit dem Bogenschießen begonnen,
sein Bruder dagegen war lieber mit Merry im Auenland
herumgestreift, dabei hätte dieser die Kunst
des Bogenschießens viel mehr benötigt
im Ringkrieg. Nachdenklich betrachtete er die
Wachen, die zurückgeblieben waren, um das
Lager und ihre Fürstin zu beschützen.
Es waren über 100, aber bis jetzt war noch
nichts passiert. Der Hobbit nahm das als gutes
Zeichen, da es bedeutete, daß noch kein
Feind ihre Linien hatte durchbrechen können.
Da näherte sich einer der Wächter und
trat an Palan vorbei ins Zelt.
„Frau Aiko, da ist jemand, der euch sprechen
möchte.“
„Wo?“ fragte Aiko.
„Im Zelt nebenan.“
„Ich komme“, sagte Aiko und stand
auf. Sie ging zu dem Zelt, auf das der Ritter
deutete und schlug vorsichtig die Plane zurück.
„Ich dachte mir schon, daß du es bist“,
sagte sie, als sie Leandhra erblickte. Diese war
recht erstaunt, daß Aiko gar nicht überrascht
war.
„Woher wußtest du, daß ich es
bin?“
„Ich glaube, ich kenne dich inzwischen ganz
gut.“
„Dann weißt du auch, daß ich
gekommen bin, um mit dir zu reden und du für
jetzt keine Feindseligkeiten zu befürchten
hast.“
Anstatt eine Antwort zu geben, setzte Aiko sich
ihr gegenüber. „Also?“
„Warum bist du gegangen?“
„Du schleichst dich unter Lebensgefahr ins
Lager, um mir eine derartige Frage zu stellen?“
„Natürlich nicht! Ich bin gekommen,
um dich zu bitten, freiwillig zurückzukommen.
Unser Meister würde von jeder Bestrafung
absehen.“
„Ich bin gegangen, weil mich Modos Bosheit
anwiderte. Ich kämpfe lieber auf der anderen
Seite und werde nicht zurückkommen.“
„Ich würde nur sehr ungern gegen dich
kämpfen, Aiko.“
„Das ist dein Problem. Du kannst ja hier
bleiben.“
Leandhra starrte sie fassungslos an. So lange
sie sich erinnern konnte, hatte sie niemals das
Bedürfnis verspürt, ihren Meister zu
verlassen. „Das geht nicht. Du verstehst
das sicher nicht, aber für mich ist das ganz
anders als für dich. Ich bin schon bei Modo
geboren worden. Ich kenne es nicht anders und
will es auch nicht anders.“
„Dann kann ich dir nicht helfen.“
„Ich verstehe dich nicht. Unser Meister
hat dir das Angebot gemacht, dir alles zu geben,
was du begehrst. Was hast du hier? Früher
oder später wirst du in deine kleine Wohnung
zurückkehren und irgendwann einen langweiligen
Beruf erlernen. Warum willst du nicht lieber bei
uns leben, wo du es viel besser hast. Wenn es
wegen dieses Elben ist, da läßt sich
bestimmt was machen. Bei uns kannst du mit ihm
zusammen sein. Bleibst du hier, kehrst du in deine
Welt zurück und wirst ihn niemals wiedersehen.“
„Was wäre das für ein Zusammenleben?
Er als mein Sklave! Du mußt verrückt
geworden sein, mir so etwas anzubieten.“
„Es ist besser als gar nichts, oder etwa
nicht?“
So langsam hatte Aiko genug. „Es reicht
Leandhra. Verschwinde oder ich werde die Wachen
rufen.“
„Ist das dein letztes Wort?“
„Ja.“
„Dann werde ich dir sagen müssen, daß
du ab jetzt vorsichtig sein solltest.“
„Wie überaus freundlich, daß
du mich vorwarnst.“
„An deiner Stelle würde ich nicht spotten.“
Mit diesen Worten erhob sich die Hexe und verschwand
lautlos zwischen den Zelten.
Aiko saß noch eine Weile da und fragte sich,
ob es klug gewesen war, Leandhra so einfach gehen
lassen. Wäre es dieses hinterhältige
Biest Fea gewesen, hätte sie um jeden Preis
versucht, diese gefangen zu nehmen, aber Leandhra
mochte sie. Das hatte Modo wahrscheinlich mit
eingerechnet. Und was auch passieren würde,
die Hexe würde zu ihrem Meister halten und
nicht zu ihr. Aiko hoffte, daß ihr Verhalten
von eben sich nicht eines Tages rechen würde.
Plötzlich wurde ihr bewußt, daß
der Wächter, der sie geholt hatte, einer
der Spione sein mußte, von denen Gandalf
gesprochen hatte. Ärgerlich schlug sie sich
an die Stirn. Warum hatte sie nicht gleich daran
gedacht und festgestellt, wer dieser Mann war?
Dadurch, daß er einen Helm mit Nasenschutz
getragen hatte, war sein Gesicht nicht zu erkennen
gewesen. Wütend auf sich selbst stand Aiko
auf und begab sich zurück zu den anderen
Frauen.
„Wer war das?“ fragte Mara, als sie
zurück ins Zelt trat, aber das Mädchen
winkte nur ab. Eowyn und ihre Jungfrau sahen sich
erstaunt an. Irgendetwas mußte passiert
sein! Vorsichtig versuchten sie weiter zu fragen,
um herauszubekommen, was ihre Freundin bedrückte,
aber diese wiegelte immer ab. Schließlich
gaben sie es auf. Das Gespräch wurde belangloser
und Aiko taute wieder etwas auf.
Auf einmal hörten sie, daß es draußen
laut wurde. Neugierig blickten sie hinaus und
sahen, daß ein Bote gekommen war. Anscheinend
brachte er gute Nachrichten, denn die Männer,
die um ihn herumstanden, sahen erfreut aus. Der
Reiter erblickte seine Herrin und ritt sofort
auf sie zu, stieg ab und verneigte sich: „Ich
bringe eine Botschaft von eurem Mann, dem Fürsten
Faramir. Er läßt ausrichten, daß
die Schlacht gewonnen ist und das Heer bald zurückkehrt.“
Tatsächlich waren bald große Reiterscharen
am Horizont zu entdecken, die strahlenden Sieger
kamen zurück. Aber die Freude über den
Sieg war doch recht verhalten, da ihre eigentliche
Aufgabe noch bevorstand: Isengart.
Am nächsten Morgen wurde das Lager wieder
abgebaut und das Heer zog weiter in Richtung des
Zauberertales. Sie überschritten die Furten
des Isen, wo sie kurz am Grab auf der mittleren
Insel der Furt hielten, um den Soldaten zu gedenken,
die in der vorletzten Schlacht gegen Saruman gefallen
waren, dann folgten sie dem Flußlauf hinauf
ins Tal. Um so weiter sie kamen, desto nervöser
wurden die Führer: Sie erwarteten jeden Augenblick
einen Angriff, aber es erfolgte keiner. Ohne Schwierigkeiten
kamen sie bis in die Sichtweite des Orthanc.
Dort blieben plötzlich die vordersten Pferde
stehen und weigerten sich, weiter zu gehen. Ihre
Reiter stiegen ab und schritten an ihren Tieren
vorbei. Plötzlich blieben sie wie angewurzelt
stehen. So sehr sie sich nach vorn stemmten, es
gab kein vorwärtskommen. Vor ihnen ragte
eine unsichtbare, doch undurchdringliche Wand
auf.
„Das ist doch zum Haare ausraufen“,
brummte Gimli.
Aragorn wandte sich an Aiko, aber die konnte ihm
keine Auskunft geben. Sie war nur zweimal im Tal
gewesen, ohne etwas von diesem Zauber zu entdecken.
Sie konnte auch nicht sagen, wie er funktionierte.
Gandalf versuchte es mit verschiedenen Gegenzaubern,
doch nach einer Weile gab er es auf, er war nicht
in der Lage, den Schutzwall zu durchbrechen. Nach
kurzem Beratschlagen beschloß man, den Turm
zu belagern. Bäume wurden für Verteidigungsanlagen
gefällt. Aiko schüttelte den Kopf.
Aragorn sah es: „Wir wissen, wie leicht
diese Leute aus dem Turm entkommen können,
aber was sollen wir anderes tun?“
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In Isengart herrschte keine sonderliche Aufregung.
Alle waren sich darüber klar, daß sie
umziehen mußten, aber es war ja für
sie nicht sonderlich schwer, spurlos zu verschwinden.
Alle packten ihre persönlichen Sachen und
das Zauberzubehör zusammen. Eigentlich warteten
sie nur auf Leandhra, um zu verschwinden. Diese
kam eine Woche nach Beginn der Belagerung. Sie
hatte eine günstige Gelegenheit erwartet,
um sich unbemerkt durch die Feinde zu schleichen.
Modo rief sie gleich zu sich, um mit ihr zu reden:
„Leandhra endlich kommst du. Du weißt
doch, daß wir ohne dich nicht gehen können.“
„Weil ich die Einzige bin, die den Feuerzauber
beherrscht.“
„Ganz richtig“, sagte Modo lachend.
Sie bereiteten alles für den Zauber vor und
bald waren alle menschlichen Bewohner Isengarts
um einen Kamin versammelt. Den kläglichen
Rest Orks, der noch hier war, überließen
sie ihrem Schicksal. Sie würden schon neue
finden, schließlich gab es in den Weiten
des Nebelgebirges mehr Orks als genug.
Nach und nach stiegen alle in den Kamin, zum Schluß
Leandhra und Modo. In dem Moment, in dem der Schwarzmagier
verschwand, erlosch sein Schutzzauber.
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Gimli und Legolas wanderten nachdenklich an der
unsichtbaren Wand entlang. Von Zeit zu Zeit fühlte
der Zwerg nach, als ob er prüfen wolle, ob
die Wand noch da sei.
„Eigentlich recht gefährlich, was wir
hier machen. Ich meine, einfach so vor den Verteidigungsanlagen
herum zu marschieren“, brummte er.
„Es ist dunkel, niemand kann uns sehen.
Die Uruk Hai Isengarts sehen nicht so gut, wie
die kleineren Orks des Nebelgebirges“, sagte
Legolas beruhigend und lehnte sich lässig
an die unsichtbare Wand. In diesem Moment verschwand
der Zauber und der Elb verlor das Gleichgewicht.
Er konnte den Sturz gerade noch mit der linken
Hand abfedern.
Erstaunt sah er Gimli an.
„Was hat das wieder zu bedeuten?“
murmelte der verdutze Zwerg.
Sie eilten zu Aragorn und erstatteten Bericht.
Gandalf, der ebenfalls zuhörte, richtete
seine Gedanken auf Isengart und stand eine Weile
bewegungslos. Endlich rührte er sich und
sagte: „Ich kann keine Menschen mehr in
Isengart spüren, nur ein paar Orks.“
„Ob das eine Falle ist?“
„Ich glaube eher, daß unsere Feinde
das Weite gesucht haben. Dieser Modo geht etwaigen
Schwierigkeiten gewöhnlich aus dem Weg. Arbeitet
lieber in Ruhe und so lange er eines Sieges nicht
völlig gewiß ist, sieht er von jeglicher
Konfrontation ab.“
Sie warteten auf den Morgen und zogen dann in
Isengart ein. Die restlichen Orks waren schnell
erschlagen. Dann untersuchten sie den Turm. Wie
erwartet, war er verlassen. Auch war nicht ein
einziges Zauberzubehör zurückgelassen
worden, ebensowenig etwas persönliches. Und
schon gar nicht war ein Hinweiß darauf zu
finden, der angedeutet hätte, wohin die Feinde
verschwunden waren. Nur die glühende Asche
im Kamin war noch da, so daß ihnen wenigstens
klar war, auf welche Weise die Feinde entkommen
waren. Gandalf runzelte die Stirn, sagte aber
nichts. Er war der Einzige, dem Aiko von Leandhras
Besuch während der Schlacht erzählt
hatte und er wußte, daß der Feuerzauber
einer der wenigen Zauber war, die Modo nicht beherrschte.
Von seinen Leuten war nur Leandhra dazu befähigt.
Doch wie war sie nach Isengart gekommen? Sie besaß
mit Sicherheit kein Pferd und zu Fuß hatte
sie unmöglich vor ihnen hier sein können,
dann wären der Magier und seine Leute außerdem
schon vor Tagen verschwunden, anstatt eine Woche
zu warten und auch die nächste Ortschaft
lag eine ganze Strecke entfernt, so daß
Leandhra keinen Kamin benutzt haben konnte. Sie
mußte sich also letzte Nacht heimlich durch
ihr Lager geschlichen haben. Kein besonders ermutigender
Gedanke!
Schließlich sammelten sie sich wieder und
Gandalf sagte zu seinen Freunden: „Nun haben
wir wieder Frieden. Fragt sich nur, wie lange!“
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