Kapitel 24

Wieder Unterwegs

Aiko hatte zu ihrem Kräutertee noch Kuchen besorgt, der bei ihrem Aufbruch gerade für den Nachmittag fertig gebacken worden war. Daher machten sie auf dem halben Wege halt und da das Mädchen es nicht sonderlich eilig zu haben schien, beschlossen sie, hier gleich die Nacht zu verbringen, wodurch sie dann am Mittag des nächsten Tages in Minas Tirith ankommen würden. Diese Berechnung schloß aber mit ein, daß sie am nächsten Morgen früh aufbrechen mußten und daher legten sie sich bei Sonnenuntergang schlafen. Auch Legolas wollte sich hinlegen, aber Aiko tippte ihn sanft an und machte ihm ein Zeichen. Als die Atemzüge der Anderen regelmäßiger wurden, stand er auf und schlich leise davon, Aiko war schon verschwunden. Er holte sie schnell ein und nahm ihre Hand: „Im melle.“*1 Schweigend wanderten sie einige Zeit durch die Nacht, bis sie auf eine schöne Lichtung stießen, an deren Rand sich ein weiches Bett aus Blättern und altem Farn gebildet hatte.
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Am nächsten Morgen lagen die beiden zwischen den Anderen, als wäre nichts passiert. Erstaunlicher Weise erhob Merry sich zuerst und entfachte ein kleines Feuer, worüber er ein Frühstück bereitete. Die Anderen wurden von dem Geruch nach gebratenem Speck, Tomaten und geröstetem Weißbrot geweckt. Bald saßen sie im Kreis und aßen, dazu gab es Wein, der ihnen von Faramir mitgegeben worden war. Das lockerte die bedrückte Stimmung wieder etwas, keiner mochte daran denken, daß sie sich bald von Aiko trennen mußten. Das Mädchen indes schien die beste Laune zu haben. Sie redete davon, daß sie sich Minas Tirith genau anschauen wollte.
„Ich möchte von euch herumgeführt werden. Ihr müßt mir alles zeigen.“
„Du bist ja auf einmal unheimlich unternehmungslustig“, brummte Gimli.
„Ich bin nun mal nicht mehr lange hier und möchte von eurer Welt noch so viel wie möglich kennenlernen.“
„In Minas Tirith gibt es viel sehenswertes. Es ist eine sehr alte Stadt“, mischte Merry sich ein.
„Ich würde die Stadt ebenfalls gern sehen“, rief Palan aufgeregt.
„Gimli, Merry und ich werden euch gerne durch die Stadt führen“, erklärte Legolas, erfreut bei dem Gedanken, daß Aiko noch etwas länger blieb.
„So, werden wir das?“ grummelte Gimli ärgerlich. Er mochte sich nicht vorstellen, wie diese Ausflüge mit dem Liebespaar aussehen würden. Aber vielleicht würde auch gar nichts passieren, da Legolas als Elb zwischen den Menschen so auffallen würde, daß die Zwei vorsichtig sein mußten. Ein Kuß reichte sicher aus, damit morgen die ganze Stadt darüber sprechen würde.
Sie ritten weiter. Bald konnten sie die weißen Mauern der Stadt weit vor sich sehen. Schnell kamen sie näher und erreichten schließlich den Eingang. Die Tore waren immer noch nicht wieder eingesetzt seit dem Ringkrieg, das sollten ja die Zwerge tun, die mit Gimli herkommen wollten. Dieser mußte nun an den Tag denken, als er auf Legolas wartete, damit sie die Reise hierher mit ihren Elben und Zwergen besprechen konnten. Es war schon ein etwas riskantes Experiment, aber die beiden wollten es trotzdem immer noch wagen. Sie würden es nachholen, sobald das hier vorbei war. Nur... wann würde das sein?
Aragorn erwartete sie am Eingang der Stadt. Das Volk drängte sich hinter ihm, um einen Blick auf die Freunde ihres Königs zu werfen. Nur eine kleine Gasse blieb für sie frei, in der sie langsam hinauf zur Veste stiegen, die Pferde am Zügel führend. Am Tor der Veste wartete Arwen. Aiko und Palan staunten über diese schöne Frau. Das war also Elronds Tochter! Das Mädchen betrachtete sie nachdenklich. Ob sie ihrem Vater wirklich so ähnlich war, wie in Tolkiens Buch beschrieben? Plötzlich ergriff sie eine große Sehnsucht, Bruchtal, das schöne Elbenhaus, zu sehen. Vielleicht sollte sie Legolas bitten, sie dorthin zu begleiten, um ihr den Weg zu zeigen?
Am nächsten Tag sprach sie ihn darauf an. Sie hatte ihn in ihr Zimmer gebeten, wo sie nun auf einem Diwan saßen. Der Elb war ziemlich erstaunt.
„Ich dachte, du wolltest so schnell wie möglich nach Hause?“
„Willst du mich loswerden?“
„Natürlich nicht, Gîlnya “, rief er höchst bestürzt, „im Gegenteil, doch du hast so oft von deiner Rückkehr gesprochen.“
„Ja sicher. Aber ich habe wohl kaum noch einmal Gelegenheit, dorthin zu kommen.“
„Vielleicht erobern wir den ‚Stern‘ zurück, dann kannst du so oft du willst nach Mittelerde kommen.“
„Vielleicht, vielleicht... woher soll ich wissen, ob es wirklich dazu kommt. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Gandalf hat mir gesagt, daß er mit meiner Mutter gesprochen und ihr alles erklärt hat. Sie macht sich also keine Sorgen... oder willst du nicht mit mir nach Bruchtal reisen? Hast du Angst, daß dein Ruf leiden könnte?“
„Unsinn! Meinen Ruf riskiere ich gern, wenn ich dafür eine ganze lange Reise mit dir allein sein kann.“ Legolas rückte näher, legte den Arm um sie und küßte sie zärtlich auf die Nase. „Ich liebe dich. Ich wünschte, wir könnten ewig zusammen bleiben.“
Das Mädchen lächelte und begann vorsichtig an der Spitze des Elbenohres zu knabbern in Erinnerung an ihr Kennenlernen, der Elb hielt geduldig still, zeigte jedoch keine sonderlich glückliche Miene. Als sie merkte, daß Legolas anscheinend eine Antwort von ihr erwartete, ließ sie von dem Ohr ab und rückte etwas von ihm weg. „Ich liebe dich auch, aber was nutzt das? Wir haben keine Zukunft.“ Als sie merkte, wie traurig der Elb aussah, schmiegte sie sich an ihn. „Ich hoffe, du bist zufrieden mit meinem Liebesgeständnis. Ich glaube nämlich, es ist besser, wenn ich es nicht noch einmal sage. Das Einzige, was wir tun können, ist, unsere restliche Zeit zu genießen.“
In diesem Moment klopfte es. Es war Gandalf: „Ich muß sofort ins Auenland abreisen. Aiko muß entweder sofort durchs Portal zurück in ihre Welt, oder warten, bis ich wiederkomme.“
„Ich würde gerne nach Bruchtal reisen.“
Zu beider Erstaunen schien Gandalf darüber erfreut. „Na prima, dann komme ich, wenn ich fertig bin, nach Bruchtal. Bis dann“, rief er noch, schon aus der Tür getreten und war weg. Die zwei Zurückgebliebenen sahen sich erstaunt an.
„Was hatte das wieder zu bedeuten?“ fragte Aiko verwirrt.
„Anscheinend hatte Gandalf es wirklich außerordentlich eilig.“
„Aber warum war er erfreut darüber, daß ich Herrn Elrond besuchen will?“
„Wer weiß, was ein Zauberer so denkt, Gîlnya.“
„Warum nennst du mich immer so? Ich mag es gar nicht, wenn man mir Namen gibt, die ich nicht verstehe!“
„Es heißt ‚mein Stern‘, meldnya*2 Aiko. Für mich bedeutet es, daß du mir wichtiger bist, als alle Juwelen dieser Welt. Auch wenn ich viel darum gäbe, daß wir den ‚Stern‘ wieder zurück gewinnen könnten.“
Gandalf reiste eine Stunde später ab. Legolas und Aiko gingen zu ihren Freunden, um auch ihnen ihren Entschluß mitzuteilen. Diese waren, milde gesagt, sehr überrascht.
„Ihr wollt ganz alleine reisen?“ fragte Arwen.
„Nun, wenn uns jemand begleiten möchte, kann er gerne mitkommen“, sagte Aiko, um die Situation zu entschärfen.
„Ich bezweifle, daß irgendjemand von uns es sich Antun möchte, euch zu begleiten“, meinte Gimli grinsend.
„Ich würde jedenfalls gern noch eine Weile in Minas Tirith bleiben“, sagte Palan.
„Ich auch“, stimmte Merry zu.
„Daß ihr alleine reisen wollt, kann ich schon verstehen und mache euch daraus sicher keinen Vorwurf. Aber warum wollt ihr eigentlich ausgerechnet nach Bruchtal?“ wollte Aragorn wissen.
„Warum nicht?“ erwiderte Aiko verständnislos.
„Ich hätte eher erwartet, daß du Aiko deine Heimat zeigst, Legolas.“
„Aiko wollte unbedingt nach Bruchtal und da habe ich zugestimmt, sie zu begleiten. Das läßt sich jetzt auch nicht mehr ändern, da wir mit Gandalf verabredet sind.“
„Würdet ihr einen Brief für meinen Vater mitnehmen?“ fragte die Königin.
„Natürlich, Herrin.“
„Ich danke euch.“ Arwen verließ sie, um den Brief zu schreiben. Wahrscheinlich würde sie viel Zeit damit verbringen.
Die Hobbits und Gimli verabschiedeten sich ebenfalls, um in die Stadt zu gehen. Auch Aiko erhob sich: „Ich sollte jetzt wohl lieber packen.“
„Ich werde gleich kommen und dir helfen. Du weißt sicher nicht, was du für eine solche Reise alles benötigst“, erklärte ihr Geliebter. Er selbst blieb sitzen und als Aiko fort war, begann er das Gespräch erneut: „Wieso mußtest du unbedingt Düsterwald erwähnen?“
„Warum nicht? Schämst du dich für deine Geliebte?“ erwiderte Aragorn, über die Frage sehr verwundert.
„Ganz bestimmt nicht. Doch wenn Aiko mich gebeten hätte, ihr meine Heimat zu zeigen, hätte ich abgelehnt. Nicht weil ich mich schäme, sondern weil ich Aiko das nicht antun möchte. Sie wäre mit Sicherheit nicht willkommen. Zwar würde ihr sicher niemand etwas tun, aber alle würden sie ignorieren, so als wäre sie gar nicht da. Und für eine selbstbewußte Frau wie Aiko muß das besonders niederschmetternd sein.“
„Wahrscheinlich hast du recht.“
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Es war Abend geworden. Legolas saß in seinem Zimmer auf dem Fensterbrett, die Beine lässig darauf ausgestreckt. Draußen im Dunkel leuchteten unzählige Lichter aus den Fenstern der Stadt und darüber stand ein sternklarer Himmel, doch Legolas sah davon nichts, denn er träumte. Er träumte von einer perfekten Zukunft, wie es sie, wie er glaubte, nie geben würde und sah sich mit Aiko bei der Hochzeit in Düsterwald. Plötzlich wurde er durch ein Klopfen zurück in die Wirklichkeit geholt. „Herein.“
Es war Gimli.
„Störe ich?“ fragte dieser, als er den Elben so am Fenster sitzen sah, offensichtlich in einer merkwürdigen Stimmung.
„Aber nein, Gimli. Komm nur her“, erwiderte sein Freund und wandte das Gesicht wieder ab, um nach draußen zu schauen.
Gimli trat ans Fenster und stellte sich auf eine niedrige Bank, die davor stand, um hinaus sehen zu können. Doch die Aussicht interessierte ihn nicht wirklich: „Ich bin gekommen, weil ich dich fragen wollte, was aus unserem Vorhaben werden soll? Ich meine, mit unseren Elben und Zwergen nach Gondor zu gehen?“
„Ja, das muß noch ein wenig warten. Ich hoffe, Aragorn kann so lange auf das Tor verzichten.“
„Ach, das wird wohl kein Problem sein. Ich dachte eigentlich an etwas anderes.“
Der Elb wendete den Blick von der Fensterscheibe ab und sah den Zwerg erstaunt an: „Was meinst du dann?“
„Ich meine, ob du in nächster Zeit überhaupt zurückkommst.“
„Wieso sollte ich nicht?“
Gimli verdrehte die Augen: „Also bitte, Legolas! Ich bin zwar kein Elb, aber deswegen bin ich noch lange nicht blöd! Jeder kann doch sehen, daß zwischen euch mehr ist als Freundschaft. Oder willst du das etwa leugnen?“
„Ich liebe Aiko.“
„Und weiter?“
„Was ‚und weiter‘?“
„Bist du schwer von Begriff! Bleibt Aiko hier oder begleitest du sie nach Hause, was bedeuten würde, daß wir unsere Pläne begraben können?“ Gimli war inzwischen ziemlich ungehalten darüber, daß Legolas so lange brauchte, um zu verstehen, was er von ihm wollte.
Der Elb sah ihn erstaunt an: „Aiko will unbedingt nach Hause zurück. Und ich hatte eigentlich nicht die Absicht, sie zu begleiten. Vielleicht kann ich sie auf der Reise nach Bruchtal überzeugen bei mir zu bleiben, aber das glaube ich nicht.“
„Dann mußt du sie eben doch begleiten!“
„Ich glaube, ich könnte dort nicht leben und ich denke mal, Aiko geht es mit unserer Welt genauso. Außerdem sind wir so unterschiedlich. Uns trennen eben Welten und so wird es auch bleiben.“
„Das redest du dir nur ein. Ihr seid ein reizendes Paar. Und Verliebte passen immer zusammen“, behauptete der Zwerg.
„Vielleicht. Aber dennoch ist es besser, wenn jeder in der Welt bleibt, in die er gehört.“
„Und da sagt man, Zwerge seien dickköpfig. Ihr Elben seid tausendmal schlimmer!“
„Aber Gimli...“
„Nein, jetzt bin ich mal dran! Anstatt für die Liebe zu alles zu tun, kommst du mir mit Vernunftanschauungen. Liebe ist nicht vernünftig! Wenn du nicht bereit bist, alles für sie aufzugeben, dann liebst du sie nicht wirklich.“
„Wie bitte?“
„Ich sage, du liebst sie nicht wirklich“, wiederholte der Zwerg hart. „Du glaubst sie zu lieben, doch sie fasziniert dich nur, weil sie so anders ist.“
Legolas sah so zornig aus, daß Gimli leicht mulmig zu Mute wurde. Dennoch funkelte er den Elben ebenfalls zornig an und machte damit klar, daß er von seiner Position nicht abweichen würde.
Mühsam beherrscht, brachte Legolas die folgenden Worte geradeso heraus: „Nimm das sofort zurück! Ich liebe Aiko! Ich liebe sie über alles!“
„Über alles? Dann vergiß alles andere und folge ihr, wohin sie auch gehen mag.“
Der Elb entspannte sich ganz plötzlich wieder: „Vielleicht hast du recht. Aber ich bin nun mal ein Prinz und kann nicht so einfach fort gehen. Ich habe Verantwortung zu tragen.“
Da mußte Gimli lachen: „Und was hast du in den letzten Monaten gemacht? Nicht mal geschrieben hast du deiner Familie, daß es dir gut geht und sie sich keine Sorgen zu machen brauchen. Die Waldläufer oder die Adler, die nach Aiko suchten, werden den Elben wohl mitgeteilt haben, daß du wieder aufgetaucht bist, doch es wäre sicher gut gewesen, ein Lebenszeichen von dir zu erhalten. Und ein verantwortungsvoller Prinz hätte nicht monatelang in müßig Ithilien herumgesessen, sondern wäre sofort aufgebrochen, nachdem wir Aiko befreit hatten, um zu Hause wieder seine Pflicht zu tun!“
„Vielleicht.“
„Vielleicht, vielleicht. Das sagst du jetzt mindestens schon zum dritten Mal. Warum bist du so unentschlossen? So kenne ich dich gar nicht!“
„Ja, ich bin unentschlossen und das zum ersten Mal in meinem Leben!“
Bei diesen Worten sah Legolas so verzweifelt aus, daß Gimli großes Mitleid überkam, was er jedoch nicht zeigen mochte. Daher brummte er nur: „Zum Kuckuck mit den Elben und ihrer Halsstarrigkeit!“ Mit diesen Worten verschwand er und ließ Legolas allein mit seinen Gedanken zurück. Und der hatte wahrlich vieles, worüber er nachdenken mußte...
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Am nächsten Tag machten sich Legolas und Aiko auf den Weg. Sie freuten sich besonders darauf, daß sie die nächste Zeit ganz allein verbringen würden, auch wenn viele sie skeptisch anblickten, während sie durch die Straßen aus der Stadt ritten. Der Morgen war schön, doch man sah die Zeichen des Herbstes, die einen darüber belehrten, daß das Wetter nicht mehr lange so sein würde. Die Blätter an den Bäumen waren schon alle bunt gefärbt und zur Hälfte abgefallen. Da Aiko an ein Leben in der Natur nicht gewöhnt war, nahm sie einen dicken Mantel und zwei Wolldecken mit, Legolas begnügte sich mit einer Decke. Dazu hatten sie beide ausreichend Lebensmittel eingepackt, in einer Menge, mit der sie fast die doppelte Strecke hätten bewältigen können, um für alle Fälle gesichert zu sein. Aiko hatte ebenfalls ein Pferd erhalten, so daß sie nun ein schnelleres Tempo anschlagen konnten, als auf dem Weg nach Gondor. Der Elb staunte darüber, daß seine Freundin so gut reiten konnte. Auf dem etwas zu kleinen Pony, das sie bisher geritten hatte, war ihm das gar nicht so aufgefallen.
„Wo hast du reiten gelernt?“
„Meine beste Freundin hatte bis vor einem Jahr ein Pferd. Ich habe ihr geholfen, es zu versorgen und durfte dafür reiten.“
„Was ist mit dem Tier geschehen?“
„ Sie hat’s verkauft. Feiern und Jungs sind wichtiger geworden für sie. Ich hätt’s trotzdem gern weiter versorgt, aber ich konnte es mir nicht leisten, ihr das Tier abzukaufen.“
„Ich würde dir gern ein Pferd schenken, aber das paßt wohl nicht durch das Portal.“
„Das arme Tier! Ich bin sicher, hier wird’s ihm sehr viel besser ergehen als in einem engen Stall bei uns.“
Damit trieben sie ihre Pferde an, so daß diese vom Trap in den Galopp fielen und geradezu davon flogen.
Diesmal wählten sie eine andere Rute als beim Hinweg. Sie gingen nicht zur Pforte von Rohan, sondern folgten dem Lauf des Anduins. So würden sie ins Elbenland Lothlorien gelangen und von dort sollte es über den Rothornpaß gehen, danach war es nicht mehr allzu weit nach Bruchtal. Die Pfade durch die wilde Gegend jenseits des Gebirges kannte Legolas noch von seiner Wanderung mit den Gefährten.
Der Weg bis nach Lorien verlief ohne Zwischenfälle. Sie kamen rasch voran, da sie Glück mit dem Wetter hatten. Bei der Abreise hatten sie befürchtet, daß die Wege sich bald in Schlammseen verwandeln würden, aber es schien anhaltend die Sonne. Das Wetter änderte sich erst, als der Rand des goldenen Waldes in Sicht war. Sie beeilten sich, die Grenze des Landes und damit den Wald zu erreichen, um nicht ganz naß zu werden. Als sie endlich unter den ersten Bäumen ankamen, trat ein alter Bekannter von Legolas hervor: Haldir.
„Willkommen, Prinz Legolas. Willkommen, Herrin.“
„Mae govannen*3, Haldir, es ist schön, dich zu sehen. Wie kommt es, daß wir dich hier treffen?“
„Wir haben euch bereits erwartet. Wollt ihr mir eure Begleitung nicht vorstellen?“
„Das ist Aiko. Ich soll sie sicher nach Bruchtal bringen. Leider haben wir es recht eilig. Es wäre daher sehr freundlich, wenn du uns den schnellsten Weg durch euer wunderschönes Land zeigst.“
„Das will ich gerne tun. Doch zuerst bitte ich euch, mir zu der Frau Galadriel zu folgen.“
Er führte sie nach Pinas Gelin, der Stadt der Elben von Lorien. Der Besuch bei den Herrschern viel nur recht kurz aus, da diese Verständnis für den Wunsch aufbrachten, so schnell wie möglich weiterzukommen, besonders wegen dem Wetter, das jetzt sicher schlecht bleiben würde und schnell noch schlechter werden konnte. Die Herrin Galadriel hatte ihnen jedoch geraten, nicht über den Rothornpaß zu gehen, da dieser derzeitig von Orks unsicher gemacht wurde. Daher wollten sie noch diesseits des Gebirges bleiben und stattdessen den Paß von Bruchtal zur Überquerung des Gebirges nutzen. Der restliche Ritt am Anduin verlief ohne Schwierigkeiten. Nach einiger Zeit erreichten sie den Aufstieg zum Paß und machten sich auf zum gefährlichen Ritt durch die Berge.


*1 Im melle. – Ich liebe dich.
*2 meldnya Aiko – meine geliebte Aiko
*3 mae govannen – >> gut dich zu treffen <<; höflicher Gruß der Elben; wörtlich übersetzt: gute Begegnung

 

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