Kapitel 25

Im Nebelgebirge

Aiko und Legolas hatten den höchsten Punkt des Passes überschritten. Vor ihnen lagen noch viele Berge, aber dennoch hatte man einen herrlichen Blick über die Länder dahinter. „Wir haben die gefährlichere Hälfte des Passes hinter uns. Nun ist es nicht mehr weit nach Bruchtal“, erklärte Legolas frohgemut. Er war bester Laune, denn während den letzten Tagen waren er und Aiko sich immer näher gekommen, zum Teil auch gezwungener Maßen, denn es war bitterkalt. Kaum machten sie Halt, da verzog sich Aiko unter ihre Decken. Legolas kam dann zu ihr, um sie zusätzlich mit seinem Körper zu wärmen und so lagen sie manchmal stundenlang da und redeten. Legolas freute sich besonders darüber, daß Aiko offensichtlich Gefallen an seinen Geschichten über Düsterwald fand, auch wenn er sie nicht mit in seine Heimat nehmen wollte, zeigte es doch, daß sie Interesse hatte, an dem, was ihm am Herzen lag. Aiko stellte er alle möglichen Fragen, was für Vorlieben und Leidenschaften sie hatte, wie ihre Kindheit gewesen war und was sie von diesem und jenem hielt. Diese antwortete gerne, nur bei Fragen, die sich auf die Zeit bei Modo bezogen, waren ihre Worte eher vorsichtig. Sie getraute sich einfach immer noch nicht, über ihre Ängste zu sprechen und der Gedanke an Modo quälte sie immerzu. Inzwischen dachte sie auch anders über ihre Reise nach Bruchtal. Es war eigentlich eine Torheit, hier nur zu zweit herum zu klettern! Sie mußten jederzeit mit einem Angriff rechnen. Diese Besorgnis wiederum konnte Legolas nicht verstehen. Modo und sein Gefolge versteckten sich. Er durfte kaum mitbekommen haben, daß sie unterwegs waren, und wenn doch, dann konnte er unmöglich jemanden schicken, ohne entdeckt zu werden, dachte er bei sich.
3 Tage später erreichten sie die ersten niedrigeren Berge. Bald würden sie die Vorberge erreichen, die auch Bruchtal bargen. Noch etwa zwei Tagesritte, dann waren sie da. Am nächsten Tag ritten sie daher mit nur kurzen Pausen, da es früh dunkel wurde. Als die Sonne unterging, waren sie gerade auf einem besonders steilen Hang, wo sie die Pferde führen mußten und Aiko stolperte ständig über Steine.
„Legolas, es ist bereits stockdunkel. Wir sollten halt machen. Du darfst nicht vergessen, daß ich nicht so gute Augen habe, wie du. Nachher falle ich noch irgendwo runter.“
„Wir machen gleich Halt. Nur noch ein paar Meter.“
„Warum nicht hier?“
„Wir kommen gleich an eine kleine Höhle. Dort wachsen auch ein paar Bäumchen und wir können ein Feuer machen. Du wirst es dann schön warm haben, wärmer als auf unserer ganzen Reise bisher.“
„Das klingt gut.“
Die Höhle war bald erreicht und zuerst durchsuchten sie sie sorgfältig. Das war wichtig, denn Höhlen im Gebirge konnten gefährlich sein. Zum Glück fanden sie nichts und so richteten sie sich Häuslich ein. Die Höhle bot gerade genug Platz für ihre hoch erfreuten Pferde, sie und ein Feuer am Höhleneingang. Sie tränkten die Tiere an einem nahen Bach und führten sie dann ans Höhlenende, wo sie sie mit Futter versorgten. Dann wollte Legolas sein Versprechen wahr machen, doch mit der Wärme war es nicht ganz so einfach, der Elb schaffte es einfach nicht, das nasse Holz zu entzünden. Schließlich half Aiko mit einem Zauber nach: „Ist eigentlich auch besser, denn sonst würde sich ein fürchterlicher Qualm entwickeln.“ An zwei kleinen Felsvorsprüngen nahe am Feuer hängten sie ihre Umhänge auf, da diese mittags bei einem Schauer naß geworden waren und setzten sich dann gleich an die Flammen, ohne erst etwas auszupacken, denn Aiko fror sehr und Legolas konnte nicht widerstehen, sie sofort in den Arm zu nehmen. Eine Weile schwiegen sie und genossen die Wärme.
„Wie wäre es, wenn wir morgen hier bleiben?“ fragte Legolas plötzlich. Es ist nur noch ein Tagesritt bis Bruchtal und dies also unsere letzte Nacht allein, wenn wir morgen früh weiter reiten.“
„Mich lockt der Gedanke an ein richtiges Bett sehr.“
„In Bruchtal müssen wir vorsichtig sein. Dort sind wir von Elben umgeben und Elben sehen mehr als Menschen.“
„Hmm.“
„Außerdem haben wir uns nicht mehr geliebt, seit wir in Lothlorien angekommen sind.“
„Es war einfach zu kalt für mich“, erwiderte Aiko schuldbewußt.
„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Es war völlig in Ordnung. Ich will ja auch nicht, daß du krank wirst, Gîlnya“, meinte der Elb so besorgt, daß Aiko lachen mußte.
Sie drückte ihn zu Boden und legte sich auf ihn: „Ganz so schnell werden Menschen auch nicht krank. Du tust ja so, als würde ich beim ersten Windzug tot umfallen. Im Übrigen akzeptiere ich das Argument, daß wir schon länger nicht mehr miteinander geschlafen haben, und wir können morgen gerne hier bleiben. Aber jetzt haben wir einiges nachzuholen. Hier ist meine Entschuldigung!“
Aiko begann ihren Geliebten stürmisch zu küssen. Dann öffnete sie seinen Gürtel, schob seine Jacke zurück und machte die Häkchen an seinem Hemd auf. Das alles gestaltete sich allerdings etwas schwierig, da sie dabei die ganze Zeit sein Kinn und seinen Hals liebkoste. Jetzt mußte sie von seinem Gesicht ablassen, um die Jacke und das Hemd endgültig von seinem Oberkörper zu schieben. Anschließend zog sie ihm die Stiefel aus, packte die Hosenbeine und riß die Hose geradezu herunter. Endlich war er ganz nackt, und sie zog sich ihre eigenen Kleider in fliegender Eile aus, dann warf sie sich auf ihn, um ihn leidenschaftlich zu küssen. Doch plötzlich hielt sie inne.
„Was ist?“ fragte Legolas.
„Ist der Höhlenboden nicht ein wenig hart, Liebster? Wir sollten unsere Decken unterlegen. Ich möchte dir nicht wehtun.“
Er drückte sie fest an sich: „So lange mag ich nicht warten. Ich will dich jetzt! Außerdem machen mir als Elb die Steine nicht viel aus und wenn du mich berührst, vergesse ich sowieso alles andere. Da spüre ich von der Härte gar nichts mehr.“
Aiko begann sich an ihm zu reiben, dann löste sie sich aus seiner Umarmung, um mit der Zunge über seinen Körper zu fahren. Ihr Geliebter lag unter ihr, die Arme leicht abgespreizt und vor Wonne leise stöhnend. Er wußte nicht recht, was Aiko mit ihm vorhatte, denn sie hatte mit ihren Worten eben angedeutet, daß er unten bleiben sollte und fragte sich, wie das funktionieren sollte. Doch eigentlich war es ihm egal. Seine Liebste würde schon wissen, was sie machte. Das Mädchen war jetzt wieder bei seinem Kopf angekommen und schob ihm die Zunge in den Mund. Reflexartig preßte er sie wieder an sich und fühlte ihr reiben, daß ihn noch mehr erregte. Seine Atmung wurde immer schneller und er fühlte, wie sein Glied steif wurde. Aiko rutschte an seinem Körper immer tiefer...
Ein wenig später lag das Mädchen völlig erschöpft auf ihrem Geliebten, der sanft ihren Rücken streichelte.
„Hat es dir gefallen?“ fragte sie ein wenig unsicher.
Legolas mußte lachen: „Ich dachte, diese Frage stellen nur Männer! Aber ja, es hat mir sehr gefallen. Warum haben wir das nicht schon früher ausprobiert?“
„Ich war mir nicht sicher, ob du es gut finden würdest. Hier in Mittelerde ist alles so steif und anständig. Und eigentlich haben wir uns erst in den letzten Tagen richtig kennengelernt, so daß ich mich endlich getraut habe.“
„Ich muß gestehen, daß ich so etwas noch nie erlebt habe. Anscheinend sind wir hier tatsächlich zu anständig. Auf so eine Idee wäre weder ich noch eine meiner wenigen Geliebten, die ich hatte, gekommen. Was für ein Glück, dich zu haben.“
„Na, hoffentlich ist das nicht mein einziger Vorzug.“
„Du hast sehr viele Vorzüge, aber das ist vielleicht der Angenehmste“, meinte der Elb lachend. Dann wurde er ernst: „Ich verstehe nicht, wieso du mir bisher nicht richtig getraut hast.“
„Das ist der falsche Ausdruck. Ich habe dir vertraut, doch es ist verdammt schwer, sich vorzustellen, wie ein Elb über solche Dinge denkt.“
„Ich habe auch manchmal Schwierigkeiten, die Gedankengänge von Menschen nachzuvollziehen, aber bei dir werde ich mir alle Mühe geben. Du kannst mit mir wirklich alles erzählen, Gîlnya, egal was es ist. Ich würde dir nie Vorwürfe machen, worum es auch immer gehen mag“, erklärte Legolas, dann bat er sie, von ihm runter zu gehen, damit er aufstehen konnte.
Er holte die Decken aus den Beuteln und legte sie nahe ans Feuer. Ohne erst aufgefordert werden zu müssen, legte Aiko sich hin. Legolas setzte sich neben sie und flüsterte ihr zärtlich ins Ohr: „Jetzt werde ich mich bei dir bedanken.“
Bisher hatte Aiko immer das Mondlicht beschienen, so daß er sie zum ersten Mal im Feuerschein genau betrachten konnte. Einen Moment verbrachte er auch damit: Sie war zwar nicht ganz schlank, aber auch längst nicht dick, hatte einen großen, doch nicht zu großen Busen und ihr kastanienbraunes, jetzt völlig verwuseltes Haar lag wirr auf ihren Schultern. Neugierig begann er jede Einzelheit ihres Körpers zu erkunden, denn wer wußte schon, wann sie nach der Nacht morgen das nächste Mal Gelegenheit hatten, bei Licht miteinander zu schlafen? Dann legte er sich auf sie, auf die Ellenbogen gestützt und gab ihr einen langen, langen und heftigen Kuß. Aiko begann in seinen Haaren zu wühlen und vergrub dann ihre Hände darin, um ihren Geliebten aus seiner Position nicht mehr fort zu lassen...
Erst gegen vier Uhr Morgens schliefen die beiden ein.
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Legolas erwachte bei Sonnenaufgang. Seine Geliebte schlief fest in seinen Armen, die Hände immer noch tief in sein Haar vergraben. Das Feuer war gerade am verlöschen und damit seine Geliebte nicht zu frieren begann, stand er auf, wobei er seine Haare ganz vorsichtig von Aikos Griff befreite, was gar nicht so einfach war, und legte Holz nach. Dann zog er sich an und versuchte seine Haare wieder in Ordnung zu bringen, die verwuselt und sogar verklettet waren, was er bei einem Elben bisher für völlig unmöglich gehalten hatte. Nach einigen vergeblichen Versuchen mit den Händen, klaute er sich Aikos Bürste und nach einer viertel Stunde zeigte sich wenigstens ein mäßiger Erfolg seiner Anstrengungen und so ließ er endlich von den widerspenstigen Strähnen ab und begann ein Frühstück zu bereiten. Aiko erwachte, als er über dem Feuer Speck briet.
„Wie, du bist schon angezogen?“ fragte sie enttäuscht.
Ein Lachen war die Antwort.
„Was ist daran so komisch?“ gab sie ärgerlich zurück.
Der Speck war fertig und Legolas kam mit der Pfanne, getrockneten Früchten und altbackenem Brot zu ihr herüber. „Es ist jedenfalls sehr schmeichelhaft, daß du mich so begehrst.“
Beleidigt stand Aiko auf und zog sich ebenfalls an, dann setzte sie sich zu ihm. Allerdings zeigte sie beim Frühstück mehr Interesse am Koch als an dem Essen. Als sie fertig waren, meinte sie: „Ich möchte deinen Rücken sehen.“
Legolas sah sie erstaunt an, tat ihr jedoch ohne Widerspruch den Gefallen. Er verstand erst bei Aikos nächsten Worten: „Du hast mindestens 20 blaue Flecken.“ Sie begann jeden blauen Fleck einzeln zu küssen. „Es sind 18“, behauptete sie dann.
Legolas drehte sich um und küßte sie: „Na also, weniger als 20.“
„Aber nur ganz knapp.“
„Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Bei Elben heilen blaue Flecken sehr schnell. Morgen ist nichts mehr zu sehen.“
Er zog sich wieder an und anschließend spülten sie das Geschirr in dem nahen Bach und setzten sich dann in der Höhle wieder ans Feuer. Plötzlich hob Legolas den Kopf und sah sich irritiert um, dann stand er auf und ging vor die Höhle. Das Mädchen sah, wie er aufmerksam die Luft einatmete.
„Was ist?“
„Ein Sturm zieht auf. Merkwürdig!“
„Wie gut, daß wir beschlossen haben, heute hier zu bleiben. In der Höhle... Was ist daran merkwürdig?“
„Der Sturm ist schon ganz nah. Es ist ein Glück, daß wir hier geblieben sind, denn sonst würden wir in einer Stunde ertrinken oder einfach weg geweht werden. Ich verstehe nicht, wieso ich das nicht früher bemerkt habe. Es ist, als wäre dieses Unwetter aus dem Nichts entstanden.“
„Modo!“
Legolas sah Aiko fragend an.
„Du erinnerst dich doch noch an den Sturm, der dich beinah vom Kirchturm gepustet hätte? Modo kann auch solche Stürme erschaffen, nur mit dem Unterschied, daß es bei Leandhra nur etwas Wind war. Sie ist nicht wirklich gut in Luftzauber. Ihr Meister dagegen kann richtige Naturgewalten entfesseln.“
„Du meinst, er ist hier?“
„Irgendwo in dieser Gegend. Ich glaube nicht, daß er persönlich auftaucht. Meiner Meinung nach ist er recht feige, auch wenn er alles versucht, es nicht merken zu lassen.“
„Wer wird kommen? Oder wird überhaupt jemand kommen? Ich meine, bei dem Sturm, der jetzt aufzieht, könnten sie auch den Plan haben, uns einfach zu ertränken.“
„Ich denke, daß Modo wahrscheinlich seine alten Pläne noch nicht aufgegeben hat. Daher braucht er mich lebend. Wer kommt, kann ich nicht genau sagen, bestimmt wieder Leandhra.“
Es blieb ihnen nichts anderes übrig als abzuwarten. Ganz untätig blieben sie jedoch nicht. Sie verlegten das Feuer ans Ende der Höhle. Glücklicherweise lag diese auf einem kleinen Bergkamm, so daß das Wasser, das bald vom Himmel kommen würde, ablaufen konnte. Nach etwa einer Stunde begann es zu regnen. Da es jedoch sehr kalt war, war es kein normaler Regen, die Tropfen gefroren sofort, wenn sie etwas berührten. Legolas hielt seinen Arm aus der Höhle und sofort war er mit einer dünnen Eiskruste überzogen. Er riß ihn schnell zurück und hielt ihn dicht ans Feuer, damit das Eis schneller schmolz. Die schneidende Kälte des Eises machte sogar einem Elben ordentlich zu schaffen und die Haut der Hand war ganz rot geworden.
„So etwas habe ich noch nie gesehen. Es muß wirklich Magie im Spiel sein.“
Nach einigen Stunden verwandelte sich der Regen in heftigen Schneefall, der starke Wind wurde zu einem Orkan. Legolas wurde zusehends unruhig. Die Schneeflocken waren so zahlreich, daß er draußen kaum eine Handbreit sehen konnte, von dem Hören eines Geräusches brauchte man gar nicht erst reden.
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Über der Höhle war ein kleines Felsband, auf dem ein Felsbrocken lag. Dieser verdeckte die Sicht auf eine zweite, kleinere Höhle in der Felswand. Sie war gerade so hoch, daß ein Mensch bequem darin sitzen konnte, reichte jedoch ein paar Meter in den Berg hinein. Ein kleines Stück vom Eingang entfernt, saßen zwei Frauen. Es waren Leandhra und Fea. Sie hatten sich gestern hier versteckt, bevor die beiden Reisenden angekommen waren. Modo wußte schon lange, daß Aiko unterwegs war und er kannte auch ihr Ziel. Er hatte mit Bedacht diesen Ort für seinen Angriff ausgewählt. Nicht nur, daß er über ein gutes Versteck verfügte und ein Sturm hier haltlos wüten konnte, nein, er war auch sicher gewesen, daß die Feinde hier Halt machen würden, da es der letzte verhältnismäßig sichere Ort vor Bruchtal war. Außerdem gab es in der oberen Höhle einen kleinen Stein und darunter einen faustbreiten, gebogenen Kanal, durch den man zwar nicht sehen, doch alles hören konnte, was unten vorging. So hatten die Frauen gehört, daß das Liebespaar am nächsten Tag hier bleiben wollte. Schnell schoben sie den Stein wieder vor, damit die Zwei unten nichts mitbekommen konnten und Leandhra holte dann ein Funkgerät heraus, über das sie sich mit Modo in Verbindung setzte. Dieser bestimmte, daß sie erst am nächsten Tag angreifen sollten. Das war den Frauen nur recht, auch wenn sie in der kleinen Höhle nicht gut schliefen. Jetzt warteten die beiden, bis sich der Eisregen in den Schneesturm verwandelte, dann krochen sie aus der Höhle und stiegen einen schmalen Pfad hinab, was bei dem Sturm sehr lange dauerte und wobei sie viele kleine Steine lostraten, die den Abhang hinuntersprangen, was jedoch durch das Heulen des Windes nicht zu hören war. Anschließend begannen sie ihre Vorbereitungen, von denen ihre Feinde durch den Sturm nichts mitbekommen konnten, doch der starke Wind machte auch ihnen zu schaffen. Für solche Dinge begabte Zauberer konnten zwar Naturgewalten entfesseln, doch sie und auch andere Magier hatten keine Kontrolle über diese und waren ihnen genauso ausgeliefert, wie jeder andere Mensch. Aber der Sturm war nötig, denn sonst wären sie nie den Abstieg voll kleiner Steine von der oberen Höhle herabgekommen, ohne von Legolas gehört zu werden. Und auf einen offenen Kampf wollten sie es nicht ankommen lassen, denn sie wußten wohl, daß Aiko eine sehr mächtige Hexe war und nicht zu unterschätzen. Sie war durchaus im Stande, sie beide zusammen zu besiegen, da machte sich keiner von den zwei Illusionen, ebensowenig Modo. Nach einer Weile mühsamen Ankämpfens gegen den Wind hatten sie es endlich geschafft.

Leandhra bekam zwar von ihrem Meister oft den Vorzug, doch diesmal hatte Modo ihr Fea als Verstärkung mitgegeben. Das hatte einen guten Grund: Fea beherrschte einen ganz besonderen Zauber...
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Der orkanartige Wind dauerte nur ein paar Minuten an, wurde dann wieder schwächer und verebbte nach und nach immer mehr, bis man ihn kaum noch einen Sturm nennen konnte. Legolas schüttelte irritiert den Kopf: „Anscheinend haben wir uns geirrt. Wenn jemand uns angreifen wollte, dann hätte er es sicher schon getan. Der Wind ist jetzt so weit abgeflaut, daß man Schritte längst wieder hören kann.“
„Ich weiß nicht“, murmelte Aiko unsicher. „Wer weiß, was Modo sich mal wieder ausgedacht hat. Er ist wirklich nicht dumm.“
„Ich werde rausgehen und nachschauen, wenn es dich beruhigt.“
„Eher das Gegenteil.“
„Wenn ich irgendetwas bemerke, eile ich sofort zurück.“
Aiko konnte nicht sagen warum, aber die Sache machte ihn nervös. Sie hatte ständig das Gefühl von Gefahr, doch Legolas ließ sich von ihr nicht umstimmen und so blieb sie am Feuer sitzen. Im vorderen Teil der Höhle hatten sich große Wasserlachen durch den Schnee gebildet, der herein geweht war. Daher plitschte es leicht, als Legolas fortging und das Geräusch wurde durch Echos verstärkt. Es klang richtig unheimlich, fand Aiko.
Legolas lugte zuerst vorsichtig aus der Höhle. Der Wind hatte sich fast gelegt, doch der Schneefall war immer noch recht heftig, so daß er nur die nähere Umgebung der Höhle erkennen konnte. Als er nichts verdächtiges entdecken konnte, trat er hinaus. Er schritt langsam bis zum Pfad, der unter einer dicken Schneedecke verschwunden war. doch kaum hatte er ihn betreten, spürte er, daß er beobachtet wurde. Der Elb sprang schnell zurück, aber es war zu spät. Seile schossen hervor und er fiel gefesselt zu Boden, wobei er mit dem Kopf gegen einen Stein stieß, so daß er das Bewusstsein verlor. Leandhra und Fea kamen hinter einem Felsbrocken hervor. Sie wirkten alles andere als erfreut.
„Wieso zum Teufel geht dieser Elbenprinz auf Kundschaft? Meint der, er kann’s mit Hexen auf nehmen? Die sind ganz schön bescheuert“, schimpfte Leandhra.
„Immerhin hat er uns unseren schönen Plan vermasselt. Nun ja, dafür wird er jetzt als Köder herhalten müssen“, entgegnete Fea.
„Gott sei Dank konnte er wenigstens nicht mehr rufen, da er sich den Kopf angeschlagen hat und bewußtlos ist. So haben wir ein wenig Zeit, bis Aiko mißtrauisch wird.“
Sie gingen zu Legolas, hoben ihn auf, schleiften ihn zu einem großen Stein unweit des Pfades und fesselten ihn an diesen.
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Aiko wartete etwa 10 Minuten, dann war sie sicher, daß etwas passiert war. Sie schlich aus der Höhle. Schon vom Eingang her, konnte sie Legolas sehen. Daneben stand Leandhra. Also doch! Aiko ging energisch auf die andere Hexe zu. Diese hielt ein Messer in der Hand und hielt es an den Hals des Elben, der inzwischen wieder wach war. „Ergib dich oder ich töte deinen geliebten Prinzen.“
Modo wollte sie also noch immer unversehrt. Aber anscheinend unterschätzte er ihre Fähigkeiten. Schnell schickte Aiko einen Eiszauber, der sich um die Messerschneide legte.
„Versuch es.“
„Ich brauche das Messer nicht.“
Aiko nahm all ihre Kräfte zusammen und beschwor den mächtigsten Eiszauber, den sie je erschaffen hatte. Leandhra blieb nur die Flucht. Aiko verschwendete kaum einen Gedanken an die merkwürdige Einfachheit ihres Sieges, sondern lief sofort zu Legolas. Mit einem kleinen Feuerball taute sie das Messer auf und zerschnitt die Fesseln. Der Elb umarmte sie: „Vielen Dank. Es war eine Dummheit allein zu gehen.“
„Ja, es war wirklich blöd. Aber hier herum zu stehen ist noch blöder. Wir müssen sofort verschwinden.“
„Du hast recht“, stimmte ihr Geliebter zu und entließ sie aus der Umarmung. Aiko drehte sich um, um voran zur Höhle zu gehen. Genau in diesem Moment schlug Legolas zu. Er traf voll Aikos Hinterkopf und diese brach augenblicklich zusammen.

 

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