Kapitel 7

Finstere Gestalten

Es war Mitternacht. An einen Baum gelehnt, stand eine Frau. Sie hatte blondes Haar, graue Augen und trug ausschließlich schwarze Kleidung, über ihr helles Haar hatte sie ein ebenfalls schwarzes Tuch geschlungen, als wolle sie in der Dunkelheit möglichst unsichtbar sein.
Die Frau stand unbeweglich, bis sich in der Ferne leise Schritte ausmachen ließen.
„Wer da?“ rief sie kaum hörbar.
„Isengart“, ertönte die Losung, „Leandhra seid ihr’s?“
„Ja. Ihr kommt zu spät!“
„Ihr wolltet, daß uns niemand sieht. Daher mußten wir uns zweimal verstecken, was mit 11 Leuten gar nicht so leicht ist.“
„Hören wir auf zu reden und beeilen uns lieber. Kommt!“
Leandhra hatte in einem befehlendem Ton gesprochen. Sie ging nun voran zu dem Gebäude gegenüber, wo sie ein kleines Gerät aus der Tasche nahm und auf einen Knopf drückte. „Die Alarmanlage ist ausgeschaltet. Brecht die Tür auf.“
Ihre Helfer schienen große kraft zu besitzen, denn einer von ihnen drückte die schwere Tür einfach mit der Schulter auf. Schnell schlüpften alle hinein und zogen die Tür hinter sich zu.
„Habt ihr die Tücher zum Verhängen der Fenster mitgebracht?“
„Ja.“ Schnell war alles verhängt.
„Nun können wir etwas Licht machen.“
Eine mitgebrachte Laterne wurde angezündet. In diesem Schein konnte man die Gestalten der Helfer erkennen. Es schienen Wesen wie die Uruk-hai Sarumans zu sein: Halb Mensch, halb Ork. Nun konnte man auch den Raum erkennen, es war anscheinend ein Waffengeschäft. Leandhra seufzte. Hier im Laden wurden leider nur kleine Handfeuerwaffen aufbewahrt, doch ins Lager konnten sie nicht eindringen, es lag auf der anderen Seite des Hofes von dem Laden und direkt daneben lag eine kleine Polizeistation. Dort Einzudringen war ein zu großes Risiko und man mußte eben mit dem Vorlieb nehmen, was hier greifbar war. Der Safe war schnell geknackt, doch zum großen Erstaunen aller war der Safe fast leer, nur ein einziger Revolver lag dort. „Das kann doch nicht wahr sein!“ stammelte die Frau, „nach meinen Informationen liegen hier normalerweise um die dreißig Waffen. Sie haben das doch wohl nicht geändert und bringen die Sachen jetzt auch ins Lager?“ Die Antwort fand sie in den Papieren die im obersten Faches des Safes lagen. Die Waffen waren fast alle verkauft und die neue Lieferung, die schon vor zwei Wochen hatte kommen sollen, war noch nicht eingetroffen. „Was für ein Pech. Wir müssen uns also mit dem einen Revolver zufriedengeben.“ Sie steckte ihn ein, ebenso die dazugehörige Munition, danach verschwanden sie alle so schnell und lautlos, wie sie gekommen waren. Draußen waren die Straßen immer noch menschenleer, so daß sie ihren Weg unbehindert zurücklegen konnten.
Leandhra hoffte, daß ihr Plan diesmal gelingen würde. Ihr Meister wurde langsam ungeduldig. Aber sie mußte hier auch mit verdammt wenig Leuten arbeiten! Ihr Meister konnte nie mehr als 3 Leute durch das Portal schicken und brauchte dazwischen große Pausen, um sich zu erholen. Das lag daran, daß Saruman das Portal erschaffen hatte und ihr Meister war einfach nicht so kräftig war wie dieser. Dafür war er realistischer: Er kannte seine Grenzen und hing nicht an irgendwelchen verrückten Hoffnungen. Die Frau mußte lächeln, als sie daran dachte, wie sie in Isengart eingezogen waren. Der König hatte den Turm Orthanc verschlossen und sich dann nicht mehr darum gekümmert. Als ob die Tür sie hätte aufhalten können! Wenn der König sein Augenmerk wieder auf den Turm richtete, würde er eine ziemliche Überraschung erleben.
Aber nun mußte sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Hoffentlich ging es diesmal gut. Wenn dieser Elb endlich aus dem Weg war...
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Leandhra kam mit ihren Begleitern gut voran. Gegen 2 Uhr erreichten sie den Stadtpark und schlichen zu dem Haus, wo Aiko wohnte, knackten die Haus- und kurz darauf die Wohnungstür. Danach versuchten sie sich möglichst leise in der Wohnung zu verteilen, jedoch zu laut für Elbenohren. Legolas war sofort aufgewacht, griff seinen Bogen, huschte ins Wohnzimmer und schaltete das Licht ein. Sofort knallte ein Schuß und mit einem Schmerzensschrei ließ Legolas den Bogen fallen. Er war in die rechte Schulter getroffen.
„Was wollt ihr von mir?“ keuchte er.
Die Frau sah ihn hämisch an: „Von dir? Gar nichts! Wir wollen nur das Mädchen.“
In diesem Moment kamen zwei Uruks aus dem anderen Schlafzimmer. Sie trugen die bewusstlose und gefesselte Aiko, einer hatte außerdem das Armband. Legolas zog ein Messer und warf sich auf die Orks, welche den Angriff des Verletzten jedoch eher lustig fanden. Einer packte ihn von hinten und als er immer noch um sich trat, begann ein weiterer Ork auf die blutende Wunde zu drücken. Diese schmerzte sowieso schon sehr stark, aber bei dem Druck schoß der Schmerz wie ein Blitz durch seinen ganzen Körper. Für einen Moment sackten ihm die Beine weg und schnell war er gefesselt und zu Boden geworfen. Wie verrückt wehrte der Elb sich gegen seine Fesseln, die Schmerzen nicht beachtend. Er spürte eine panische Angst um Aiko in sich.
„Was wollt ihr von ihr?“
„Mit dem Armband kann man einen Korridor zwischen den Welten herstellen. Über diesen kann man so viele Leute schicken, wie man möchte, während unser Portal nur wenige durchläßt. Unser Meister kann das Armband benutzen und den Korridor öffnen, aber er hat nicht die Fähigkeit uns zu führen. Du hast es vielleicht nicht gemerkt, aber wenn du dort ohne Führer unterwegs bist, verhält sich die Zeit anders. Du hast 8 Wochen gebraucht, um hierher zu kommen, mit Führer dauert es nur ein paar Stunden. Du siehst also, daß wir deiner Freundin nichts tun werden.“
Bei diesen Worten sah sie Legolas spöttisch an.
„Aber nun sollten wir noch einen unerwünschten Zeugen beseitigen.“
Sie richtete die Mündung der Waffe auf Legolas Stirn...
Aiko kam in dem Moment wieder zu sich, als sich der Elb mutig auf die Orks warf. Sie war jedoch noch zu benommen, um die Augen aufzumachen, daher merkte niemand, daß sie wieder wach war. So langsam begriff das Mädchen, was los war und ängstlich lauschte sie der Rede Leandhras. Bei deren letzten Worten steigerte sich die Angst des Mädchens ins Unendliche. Sie riß die Augen auf und sah die auf Legolas gerichtete Waffe. Entsetzt schrie sie auf. Der Stern im Armband reagierte. Ein grelles Licht schoß aus dem Stein und Aiko war mit ihren Entführern, die um sie herumstanden, verschwunden. Legolas lag allein und gefesselt in der Wohnung.


Falls mal jemand, der Lübeck kennt, das hier lesen sollte: Das Waffengeschäft und die Polizeistation sind erfunden, alle anderen Schauplätze gibt es wirklich. Auch das Wohnhaus, in dem Aiko in dieser Geschichte lebt, existiert wirklich, ich kenne es jedoch nur von außen. Für jemanden der sich wirklich gut auskennt: Der mickrige kleine Park ein Stück hinter dem Burgtor nennt sich tatsächlich Stadtpark!

 

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