Kapitel 2

17 Jahre später ergriff Dóraviel eine eigenartige Unruhe. Sie erinnerte sich der Worte Ernías. Sie packte ihre Sachen in ein Bündel und zäumte Fanya. Sie ritt nach Norden, um ihre Eltern zu suchen.
Dóraviel beschloss, zuerst nach Bruchtal, zu Elrond zu reiten. Sie ritt mehrere Monate nach Norden. Unterwegs begegnete sie niemandem; das Land war wie ausgestorben. Endlich, völlig erschöpft, durchschritten sie die Bruinen- Furt. Bei Elronds Haus angekommen, gab man ihr auch sofort ein Bett, wo sie tief und sehr lange schlief.
Fanya wurde in einen hellen Stall gebracht wo sie sich ausruhen konnte.
Als Dóraviel erwachte, fand sie sich in einem hellen, luftigen Zimmer wieder. Neben dem grossen, weichen Bett sass ein Elb mit prächtigem Gewand. Er sah erfahren und alt, aber doch jugendlich frisch aus. Es war Elrond. Er lächelte und sagte mit seiner wohlklingenden Stimme: „Du bist Dóraviel, nicht wahr?“ Dóraviel nickte und sagte: „Ich bin auf der Suche nach meinen Eltern. Ich dachte, dass Ihr mir vielleicht helfen könnt.“ „Das kann ich sehr wohl. Doch ich muss dir leider mitteilen, dass deine Mutter mit ihrer Sippe nach Westernis gezogen ist. Legolas lebt im Düsterwald, östlich der Nebelberge. Doch bevor du aufbrichst, ruh dich hier noch etwas aus. Wenn du gedenkst zu gehen, werde ich die einen Führer zur Seite stellen.“ Elrond stand von seinem Stuhl auf und wandte sich schon zur Tür, als er sich noch einmal umdrehte und sie fragte: „Dóraviel, wie alt bist du?“ Dóraviel antwortete etwas erstaunt: „37, wieso?“ „Das ist falsch. du bist 479 Jahre alt. Wir gaben dich deinen Ziehurgrosseltern, als du etwa auf der Stufe eines Menschenkindes warst. Es hat drei Menschengenerationen gedauert, bis du so weit warst.“ Elrond verliess das Zimmer. Dóraviel blieb grübelnd zurück.Sie blieb nicht lange in Bruchtal, obwohl es ihr sehr gut gefiel. Bereits nach drei Tagen brach sie auf, mit einem Führer an ihrer Seite. Es war Elronds Sohn Elrohir. Er glich seinem Vater sehr, doch er war um einiges hübscher. Ausserdem waren seine Haare heller als jene von Elrond. Er war sehr schweigsam und trieb Dóraviel nicht zur Eile an. Es war eher umgekehrt. Sie ritten sehr schnell auf ihren ausgeruhten Pferden. Sie hatten den Weg um die Nebelberge herum gewählt, da sie nicht in unnötige Gefahren kommen wollten. Ausserdem hätte die Überquerung den Pferden nicht sehr gut bekommen. Nach einer erstaunlich kurzen Zeit waren sie wieder in Rohan. Dóraviel bestand darauf, dass sie noch ihre Eltern besuchten. Vor dem kleinen, minzgrün gestrichenen Haus machten die beiden Elben halt. Die Leute gafften sie geradezu an, denn Elben waren schon selten geworden in Rohan. Als sie das Haus betraten, fiel Ernía Dóraviel geradezu um den Hals und bestürmte sie mit Fragen. Dóraviel lachte und stellte den Eltern Elrohir vor. Sie schlug vor, sich erst mal an den Tisch zu setzen. Als sie das gemütliche Wohnzimmer betraten, bemerkten sie Deremir. Er war Dóraviels Spielgefährte aus der Jugend. Eigentlich stammte seine Familie aus Gondor, seine Mutter war die Tante Faramirs, doch da sein Vater sein Glück als Hufschmied in Gondor nicht fand, zogen sie nach Rohan, wo es massenweise Pferde gab.
Deremir sass auf einem Stuhl und sah Dóraviel und Elrohir neugierig an. Ernía erklärte: „Deremir wollte sich dir als Begleiter anerbieten, als wir dich erspähten, haben wir ihn sofort gerufen. Aber wir sehen, du hast schon jemanden…“ Elrohir sagte schnell: „Ich kann wieder nach Hause reiten, wenn es Euch beliebt.“ „Aber nein, wir reiten doch einfach zu dritt! Deremir will nämlich schon lange mal weg. Nicht wahr?“ ,sagte Dóraviel. Deremir nickte: „Und ob ich das will! Ich bin nun 27 Jahre alt, und noch nie weggekommen!“So ward es beschlossen, und nach einer erholsamen Nacht ritten sie am Westufer des Anduin entlang nach Norden.

 

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