Kapitel 3

Sie machten kaum einen Halt, bis sie nach Lórien kamen. Ihre Vorräte waren nämlich nahezu erschöpft und sie wollten Galadriel um ihren Segen bitten. Sie ritten vorsichtig in den Wald und nach kurzer Zeit wurden sie auch schon bemerkt. Der Hauptmann Haldir und sein Trupp führten sie nach einer kurzen Befragung nach Caras Galadhon, wo Galadriel weilte. Diese wartete auch schon. Sie sprach zu Dóraviel: „Du wirst deinen Vater finden. Verliere den Mut nicht und richte dich stets nach deinem Ziel.“ Als Galadriel ihren Blick auf Deremir heftete, senkte er die Augen. Er konnte ihrem Blick nicht standhalten, wie die meisten Menschen. Zu Ihm also sprach die hohe Frau: „Du bist mutig und tapfer. Du sollst Dóraviel immer beistehen.“ Danach wandte sie sich an Elrohir: „ Du, Sohn des Elrond sollst mit mir kommen und mir von deinem Vater berichten“ So gingen sie davon, während Deremir und Dóraviel noch einen Abendspaziergang machten. Deremir war etwas beschämt: „Du musst mich jetzt für sehr schwach halten, dass ich nicht mal dem Blick der hohen Frau widerstehen kann…“ Dóraviel fiel ihm ins Wort: „Aber nein, das kann kein Mensch. Du bist nicht schwach. Du bist sogar sehr stark und wirst dich im Notfall gut zu verteidigen wissen. Jetzt kommen wir nämlich in die Schwertelfelder, da müssen wir aufpassen.“Und so geschah es. Nachdem sie in Lórien aufgebrochen waren, mussten sie durch dieses öde Land, um nicht durch den Düsterwald zu gehen und somit an Dol Guldur vorbei, in dem noch mancher Ork hauste. An den ersten zwei Tagen hatten sie Glück, doch in der dritten Nacht schlichen sich dunkle Gestalten an sie heran. Elrohir hielt Wache. Er weckte sofort die andern drei. Dóraviel zückte sofort ihren Bogen, Deremir hielt sein Schwert und sein Schild bereit. Auch Elrohir zückte seinen Bogen. Plötzlich waren sie von hunderten von Augenpaaren umringt. Und dann schwirrten die ersten Pfeile. Es waren zweifellos Orks. Elrohir und Dóraviel schossen einen Pfeil nach dem andern ab und Deremir kämpfte unerschütterlich mit seinem Schwert. Der Kampf war in vollem Gange, als Elrohir bemerkte, dass Dóraviel verschwunden war. Er setze schon zum rufen an, doch dann kam Dóraviel aus dem Schatten gerannt. In der Hand hielt sie brennende Äste. Sie schwenkte diese herum und hatte bald einigen Orks das Fell versengt. Die, die noch nicht tot waren flohen, denn Orks fürchten sich vor Licht wie vor Feuer. Unsere drei Helden sprangen auf die Pferde und galoppierten gen Norden.Doch nach einer Weile hörten sie Deremir stöhnen. Sie hielten nun an, denn sie waren in sicherem Abstand von den Schwertelfeldern. Elrohir bettete Deremir auf eine alte Decke und verband seine Schulter, an dem ihn ein orkscher Pfeil gestreift hatte. Danach schlief Deremir ein. Dóraviel und Elrohir setzten sich indessen ins Gras und schauten der aufgehenden Sonne zu. Elrohir brach das Schweigen: „ Wir müssen so bald wie möglich zu den Waldelben kommen. Deremir braucht Ruhe.“ Dóraviel fragte ängstlich: „Ist es schlimm?“ „Es könnte sein, dass es ein vergifteter Pfeil war. Aber er wird durchkommen. Du magst ihn, nicht?“ Dóraviel schaute etwas verlegen weg, dann sagte sie fest: „Nicht mehr als dich. Vielleicht sogar weniger. Er ist ein Mensch. Menschen sind schwach. Ich weiss es.“ Damit stand sie auf und entfernte sich etwas. Dann kam sie zurück und drückte ihm wortlos einen Kuss auf die Stirn. Sie legte sich neben Deremir zum Schlafen nieder. Elrohir blieb nachdenklich sitzen und übernahm die Wache.

 

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