Kapitel 4

Sie ritten lange und ohne Unterbruch, bis sie die Furt und den Düsterwaldweg erreichten. Deremir konnte kaum aufrecht sitzen, und so kamen sie nur langsam voran. Nach einigen Tagen erspähten sie den Elbenweg. Selbst Deremir konnte nun schneller reiten, da das Ziel so nah war. So ritten sie lange, bis sie die Waldelbensiedlung erreichten. Die beiden Elben hoben Deremir vom Pferd und trugen ihn mit Hilfe anderer Elben in ein Zimmer, wo er behandelt wurde. Da kam Legolas in das Zimmer um sie im Namen Thranduils zu begrüssen. Dóraviel, die sich zuvor über Deremir gebeugt hatte, schaute ihren Vater an. Doch er erkannte sie anscheinend nicht. Legolas hielt eine kleine Rede und wollte sich schon zum Gehen wenden, als Dóraviel plötzlich sagte: „Vater.“ Sie sagte einfach nur „Vater.“ und doch wussten alle, wer gemeint war. Besonders Legolas selbst. Er drehte sich zu seiner Tochter um und lächelte. „Dóraviel“, wisperte er leise und dann lauter: „Komm, wir haben noch viel zu besprechen.“ Dabei streckte er ihr seine schöne Hand hin. Sie zögerte ein bisschen, doch dann ergriff sie die Hand und ging mit ihm.Die Pfleger kümmerten sich wieder um Deremir, doch Elrohir stand noch lange still und hing seinen Gedanken nach.
Legolas und Dóraviel standen auf dem Flett des höchsten Baumes und liessen ihre Blicke über den Wald schweifen. Sie schwiegen lange. Doch irgendwann brach Legolas das Schweigen: „Ich bin froh, das du hier bist. Ich wusste, dass du irgendwann kommen würdest. Und du kamst gerade rechtzeitig. Ich hatte nämlich schon lange vor, mit meinem Freund Gimli nach Westernis zu segeln. Aber was reden wir hier nur von mir? Wie erging es dir, mein Töchterchen? Wir haben vieles nachzuholen…“ „Es erging mir sehr gut. Ich hatte nette Zieheltern, die mich liebten wie ein eigenes Kind. Und ich hatte tapfere Beschützer auf meiner Reise: Elrohir, Sohn des Elrond und Deremir, Cousin des Faramir.“ Legolas lächelte: „Ich sehe, es geht dir gut. Wenn du willst könntest du mit nach Westernis kommen. Ich möchte dich nie mehr so im Stich lassen. Das tut mir ehrlich leid. Ich wollte dir nicht wehtun. Und deine Mutter bestimmt auch nicht. Sie lebt jetzt in Westernis. Mehr weiss ich auch nicht über sie.“ Dóraviel lächelte und sagte: „ Ich verzeihe dir. Du kannst nichts dafür, niemand kann etwas dafür. Ich werde mit dir nach Westernis kommen.“ Sie schwiegen wieder etwas, denn sie verstanden sich auch ohne Worte. Schliesslich war es wieder Legolas, der das Schweigen brach: „Lass mich dich umarmen. Du bist meine…Tochter.“ Sie umarmten sich und blieben so stehen, bis Thranduil zum Essen rief.Deremir war schon nach ein paar Tagen wohlauf. Er war sehr zäh. Da Dóraviel verständlicherweise nicht mehr so viel Zeit für ihre Begleiter hatte, unterhielten diese sich viel. Sie wurden richtig gute Freunde, so verschieden die auch waren: Deremir, der draufgängerische, lebenslustige Mensch und Elrohir, der nachdenkliche, ruhige Elb. Doch eines stand immer zwischen ihnen: Dóraviel.

 

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