Kapitel 1

Shannah lagerte am Westufer des Anduin. Ein paar Bäume und Büsche boten ihr Deckung vor neugierigen Augen. Dem Pferd hatte sie Zaumzeug und Sattel abgenommen und im Dickicht versteckt. Dort kaute es vergnügt ein paar Kräuter. Sie machte sich keine Sorgen, dass es weglaufen würde. Es war aus der Zucht der Dunedain, ein kräftiges, zähes Tier, mit struppigem Fell, das seinem Reiter überallhin folgen würde.
Sie überprüfte ihre Vorräte. Viel war nicht mehr übrig, zwei Äpfel, einer für das Pferd, etwas trockenes Brot und eine Handvoll Haselnüsse. Sie machte sich keine Gedanken darüber, was sie am nächsten Tag essen sollte. Es war Sommer und die Natur bot genug Leckereien um gut über die Runden zu kommen. Also nutzte sie die letzten Stunden vor Sonnenuntergang um Nahrung zu finden. Die Sterne leuchteten bereits, als sie zu ihrem Lager zurückkam. Freundlich begrüßte sie ihr Pferd. Bei ihrem Schlafplatz sortierte sie ihre Beute. Auf ihrer Suche entdeckte sie einen Bienenstock. Mehrere gut verschließbare Gefäße befanden sich immer in ihrer Ausrüstung. Eines davon war nun randvoll mit Honig. Ein anderes hatte sie mit Blaubeeren gefüllt. Ihren Hunger stillte sie mit wilden Erdbeeren. Ein Schrei ließ Shannah aufschrecken. Sie lauschte in die Dunkelheit. Da war es wieder, gefolgt vom einem Wimmern. Behutsam folgte sie dem Geräusch. Etwa einen Kilometer flussabwärts stieß sie auf eine kleine Bucht. Am Ufer standen fünf Orks und traten auf etwas ein. Das Etwas stöhnte auf. Ein Ork packte das Opfer an den Haaren und Shannah konnte erkennen, dass es sich um einen Elb handelte. Er sah sehr mitgenommen aus. Sie zog sich ins Gebüsch zurück. Dann trat sie auf einen dürren Ast. Der Knall hallte durch die Dunkelheit. Drei Orks liefen sofort hinterher. Dem ersten schnitt sie die Kehle durch, der zweite wollte sich auf sie stürzen. Sie ließ es zu und trieb ihm das Messer in die Brust. Der dritte fand die Leichen seiner Artgenossen. Shannah raschelte ein paar Meter entfernt. Er fiel darauf herein. Die beiden letzten wunderten sich wo die anderen blieben. Einer beschloss nachzusehen. Es war sein letzter Fehler. Shannah schoss auf dem Unterholz und tötete die Nummer Fünf. Dann kniete sie sich neben den Elb. Er lebte noch. Sie untersuchte ihn und stellte fest, dass sein Ellbogen ausgerenkt war. Schnitte und Blutergüsse verunstalteten seinen Bauch, Rücken und Beine. Auf seiner Stirn klaffte ein stark blutendes Loch. Seine Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht, seine Kleidung war zerrissen und verdreckt. Die größte Sorge machte ihr eine Stichwunde in seiner Schulter. Sie war vergiftet. Vorsichtig setzte sie ihn auf. "Halt still, ich werde deinen Arm richten." Mit einer schnellen Bewegung drehte sie seinen Arm wieder in die richtige Position. Er reagierte kaum. Das war kein gutes Zeichen. "Du musst mir helfen. Ich kann dich nicht tragen, nur stützen. Steh auf, bitte!" Verzweifelt zog sie ihn hoch. Er schwankte, hielt sich aber. Dann begann der mühsame Rückweg in ihr Lager. Es dämmerte bereits als sie das Lager erreichten. Shannah legte ihn hin und deckte ihn zu. Sie kramte in ihren Sachen und beförderte ein Fläschchen zu Tage. Sorgsam schob sie ihre Hand unter seinen Kopf und hob ihn an. Sie setzte die Flaschen an seinen Mund. Er nahm einen Schluck. Dann legte sie ihn wieder zurück. 

 

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