Kapitel 3

Tapfer trug das Pferd Shannah und Legolas Richtung Norden. Vor ein paar Stunden hatten sie den Anduin überquert. Sie wollten zum Waldtor, wo der Elbenpfad begann. In einem vorgelagerten Wäldchen schlugen sie das Lager auf. Legolas fühlte sich schlecht. Shannah machte sich Sorgen um ihn. Er brauchte einen Tag Ruhe. Nachdem sie Pferd und Elb versorgt hatte legte sie sich schlafen. Einige Stunden vor Sonnenaufgang wurde sie wachgerüttelt. "Shannah!" "Was?" "Hast du keine Angst überfallen zu werden?" "Was meinst du?" "Ich meine, du schläfst tief und fest, ein ganzes Orkheer könnte hier durchmarschieren und du würdest es nicht merken." "Mach dir keine Sorgen, ich werde sie schon hören." "Ich hab' dich gerade angeschrien." "Bist du ein Ork?" Verblüfft sah er das Mädchen an. Shannah stand auf. "Ich werde Frühstück suchen. Du passt auf mein Pferd auf." Bevor er antworten konnte war sie verschwunden. Legolas dachte über sie nach. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Sie sprach Sindarin. Nicht viele Menschen beherrschten die Sprache der Elben. Außerdem war ihm ihre Waffe aufgefallen. Es handelte sich um ein Schwert der Galadhrim. Soweit er wusste waren diese Baumwanzen sehr heikel, wenn es um ihre Waffen ging. Sie verschenkten sie nicht einfach an den erst besten Menschen der vorbeikam. Hinzu kam Shannahs umfangreiches Wissen in der Heilkunst, und obwohl sie klein und zerbrechlich wirkte, strahlte sie eine unbezwingbare Kraft aus. In ihren Augen lag keine Naivität, sondern Lebenserfahrung. Außerdem besaß sie eine außergewöhnliche Schönheit. Legolas hatte schon sterbliche Frauen gesehen, die schön waren, aber trotz ihrer jungen Jahre Zeichen des kommenden Alters aufwiesen. Bei Shannah war das nicht der Fall. Trotzdem würde sie ihre Jugend verlieren. Schade, dachte er, als ihn ein Geräusch aus seinen Gedanken riss. Er lauschte. Orks. Und er konnte nicht fliehen. Verzweifelt versuchte er Shannahs Bogen und Pfeile zu erreichen. Plötzlich legte sich eine Hand auf seinen Mund. Shannah kniete hinter ihm. "Bleib ruhig." Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und schloss die Augen. Legolas wurde unruhig, die Orks näherten sich. Er hörte sie reden. Ihre Sprache tat seinen Ohren weh. Die Stimmen schwollen an und klangen wieder ab. Diese widerlichen Kreaturen hatten ihr Lager passiert ohne sie zu bemerken. "Wie hast du das gemacht?" "Ich hab' gar nichts gemacht. Wir hatten Glück." "Du hättest dich in Sicherheit bringen können." Shannah schüttelte den Kopf. Was dachte dieser Elb von ihr? Frechheit. Sie legte ihm einen Beutel mit frischen Erdbeeren in den Schoß. Dann holte sie den Honig und die restlichen Nüsse. Nach dem Frühstück versorgte sie seine Verletzungen. Die Wunde an der Schulter begann zu heilen. Er hatte es überstanden. "Hinter diesen Büschen ist ein Teich, dort kannst du dich waschen. Danach verbinde ich dich wieder." Erst jetzt merkte Legolas, das er zum Himmel stank. "Hilfst du mir?" fragte er schüchtern. Am Ufer zog er sich mit Shannahs Hilfe aus. Nackt wandte er ihr den Rücken zu. Sie begutachtete seinen Körper. Die aufgeplatzten Striemen begannen zu heilen, trotzdem würde es ein paar Jahre dauern, bis alle Narben verschwunden waren. Sie drehte ihn zu sich. Von vorne sah er auch nicht besser aus. Ein Wunder, dass er keine gebrochenen Rippen hatte. Sie wusste, dass ihn heftige Schmerzen quälten und dass die Prellungen seine Bewegungsfreiheit stark einschränkten. "Ruf mich, wenn du was brauchst. Und weich dich nicht zu sehr ein." Dann ließ sie ihn allein. Einige Zeit später hörte sie ihn rufen. "Shannah!" Legolas lehnte an einem Baum. "Ich kann meine Stiefel nicht anziehen." Sie wusste, das es ihm unangenehm war. Elben hassten es, wenn sie nicht in der Lage waren, sich um sich selbst zu kümmern. Er brauchte eine Aufgabe. "Kannst du fischen?" "Ja." "Gut. Wir brauchen Proviant, wenn wir den Elbenpfad gehen wollen."   Sorgfältig verpackten sie die Fische. Shannah hatte alle Flaschen mit Wasser gefüllt und noch ein paar Beeren und Nüsse gefunden. Legolas legte sich auf die Decke. "Danke." Shannah drehte sich zu ihm. "Was?" "Ich möchte mich bedanken. Dank dir muss ich mich jetzt nicht in Mandos Hallen langweilen." Das Mädchen verschloss den Rucksack und kroch auf allen vieren zu dem Elb. Neben ihm breitete sie ihre Decke aus und legte sich neben ihn. "Hab ich gern gemacht und jetzt schlaf."

 

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