Kapitel 4

Sie standen vor dem Waldtor. Shannah fühlte die Dunkelheit und das Böse, das zwischen den Bäumen lauerte. Sie trieb ihr Pferd an. Legolas klammerte sich an sie. Schon nach einigen Metern umgab sie absolute Dunkelheit. Nur eine kleine Laterne zeigte dem Pferd den Weg. Legolas drehte sich um und sah das Waldtor als immer kleiner werdenden Fleck hinter sich. Rasch ritt Shannah den Pfad entlang. Nach einigen Stunden machten sie eine Rast. Diesmal band sie ihr Pferd fest. Sie löschte das Licht um Öl zu sparen. "Versuch ein bisschen zu schlafen." "Hier ist es unheimlich." Legolas zitterte. "Komm her!" Er legte den Kopf auf ihre Schulter und schlief ein. Shannah streichelte ihm zärtlich durchs Haar. Es war sehr fein und gleichzeitig kräftig. Von den verdreckten, verfilzten Strähnen war nichts mehr zu sehen. Shannah faszinierte die Tatsache, dass Elben ohne großen Aufwand wieder sauber wurden. Er atmete regelmäßig und wurde ein wenig schwerer. Daran merkte sie, dass er in den Tiefschlaf gesunken war. Shannah versuchte sich umzusehen, aber die Dunkelheit war undurchdringlich. Sie konnte weder den Elb noch ihr Pferd erkennen. Allein anhand der Geräusche wusste sie wo sich ihr Reittier aufhielt. Sie schloss die Augen und fühlte, wie die Finsternis nach ihrem Geist griff. Shannah konzentrierte sich und baute einen mentalen Schutzschild auf, der sie, Legolas und das Pferd schützte. Nach einiger Zeit weckte sie Legolas. Er wirkte ausgeruht. "Hast du geschlafen?" Shannah schüttelte den Kopf, dann fiel ihr ein, dass er sie nicht sehen konnte. "Nein."   Der Rest ihrer Reise war ereignislos. Sie überquerten den verzauberten Fluss mit dem Floß und erreichten schließlich Aradhrynd. Thranduil war überglücklich seinen Sohn wieder in die Arme schließen zu können. Er sagte Shannah, er würde ihr jeden Wunsch erfüllen, sie müsste es nur sagen. "Einen trockenen Stall und Heu für mein Pferd." "Und für dich?" "Ein heißes Bad, etwas zu essen und ein Bett." Zwei Stunden später lag sie sauber und vollgegessen im Bett und schlief friedlich.

Der Elbenkönig lief vor dem Bett auf und ab. Legolas schaute ihn bittend an.
"Ich will das sie hier bleibt." "Wie stellst du dir das vor? Soll ich sie fesseln?" Thranduil schüttelte den Kopf über die Sturheit seines Sohnes. Shannah hatte ihm von Legolas Rettung erzählt. Er wusste, dass er bis ans Ende der Welt in ihrer Schuld stehen würde. "Sag ihr, dass es mir schlecht geht." "Sehr witzig. Sie weiß genau über deinen Zustand Bescheid. Außerdem wird sie in Lothlorien erwartet. Und die werden sich Sorgen machen, wenn sie nicht kommt." "Schick eine Nachricht, dass es ihr gut geht, dass sie später kommt, weil sie sich um mich kümmern muss." "Ich habe das Gefühl, dass mein Sohn verliebt ist. Vielleicht sollte ich mit dir ein Männergespräch führen." "Bitte nicht, ich weiß schon Bescheid." Thranduil lächelte. Natürlich wusste sein Sohn Bescheid. Dieses Gespräch hatten sie schon vor Jahrhunderten geführt und der junge Elb war längst nicht mehr unberührt. Dann wurde Thranduil wieder ernst. "Du kannst sie nicht heiraten. Sie ist ein Mensch. Du wirst verwitwet zurückbleiben." "Ich weiß." "Sei nicht so egoistisch. Überleg' doch mal, was es für sie bedeutet. Sie wird neben dir altern, während dir die Jahre nichts anhaben können. Das ist sehr demütigend für eine Frau. Denk darüber nach." Thranduil suchte Shannah. Er fand sie auf der Terrasse. Sie trug ein blaues Kleid, das über ihren anmutigen Körper floss. Ihre roten Locken flatterten im Wind. Kein Wunder, dass sich sein Sohn verliebt hatte. Dieses sterbliche Wesen war wunderschön, und würde vergehen. "Shannah, ich möchte dich bitten noch eine Weile bei uns zu bleiben. Legolas braucht deine Fürsorge." "Ich werde erwartet." "Mein Sohn will nicht, dass du ihn verdreckt und verprügelt in Erinnerung behältst." Shannah dachte kurz nach. Thranduil hatte das Gefühl, dass sie ein wenig abwesend wurde. Einen Augenblick später hatte sie ihre Fassung wieder. "In Ordnung, ich bleibe, bis er wieder ganz gesund ist." Shannah saß auf Legolas Bett und flocht ihm Zöpfe ins Haar. Als sie damit fertig war, betrachtete sie ihr Werk. Sie strich eine letzte Strähne hinter sein Ohr. Er genoss ihre Berührungen. "Wie lange kannst du bleiben?" fragte Legolas. "Da sich meine Pläne geändert haben, bleibe ich erst mal hier. Du darfst aufstehen, wenn du willst. Deine Verletzungen sind verheilt." Legolas setzte eine leidende Mine auf. "Nein, mir ist nicht danach." Sie massierte seine Schultern. "Ich weiß, dass du gesund bist. Elbenwunden heilen sehr schnell. Du bist ein faules Stück." Der Elb schlug die Decke zur Seite. "Du hast recht."  

 

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