Kapitel 5

Seit drei Wochen lebte Shannah bei den Tawarwaith. Legolas kümmerte sich rührend um sie. Inzwischen hatte sie Dale und Esgaroth kennengelernt, war im langen See schwimmen, jagte mit Legolas Kaninchen und Orks. Doch sie fühlte sich von ihm ein wenig bedrängt. Also lief sie ihm weg und versteckte sich im Wald. Auf einer Lichtung legte sie sich in die Sonne und dachte nach. Sie mochte Legolas und hatte nichts dagegen, wenn er um sie warb, aber er schien es irgendwie sehr eilig damit zu haben. Sie wußte, daß sich Elben Zeit ließen und sich sehr gut übelegten, mit wem sie die Ewigkeit verbrachten. Sie döste ein. Plötzlich fuhr sie hoch, blitzschnell schnappte sie sich ihren Bogen und legte einen Pfeil ein. Sie hörte ein Rascheln und zielte darauf. Aus dem Gebüsch sprang Legolas. Er erstarrte, als er sah das Shannah auf ihn zielte. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzten. Der Pfeil flog so dicht an Legolas Ohr vorbei, daß er den Wind spürte. Etwas Schweres fiel hinter ihm auf den Boden. Er drehte sich um und sah die Spinne im Todeskampf zucken. Shannah ging zu ihm. Angewidert betrachtete sie die Kreatur.
"Iihh!"
Legolas packte sie an den Schultern.
"Du kannst mir doch nicht einfach weglaufen. Du wirst dich im Wald verirren. Zum Glück habe ich dich gefunden."
Verständnislos sah sie ihn an.
"Willst du mir weismachen, daß ich den Rückweg nicht finde?"
"Ja, weil der Wald verwünscht ist. Nur Elben finden hier wieder heraus. Außerdem ist es gefährlich."
Shannah sah ihn an, dann deutete sie auf die Spinne.
"Bring mir meinen Pfeil!"
Legolas näherte sich dem Kadaver und zog den Pfeil mit spitzen Fingern heraus. Er hielt ihn Shannah hin. Stinkendes Blut tropfte von der Spitze. Shannah verschränkte ihre Arme und zog eine Augenbraue hoch. Legolas säuberte den Pfeil im Gras. Er wurde nicht schlau aus ihr. Je mehr er auf sie einging, umso distanzierter wurde sie. Jetzt war sie sauer, weil er sie im Wald gefunden hatte. Dabei wollte er sie nur beschützen. Menschen waren so zerbrechlich. Und jetzt wollte sie auch noch, daß er hinter ihr ging. Das würde ein langer Heimweg werden. Fünfzehn Minuten später erreichten sie die Elbenhallen.
Im Palast kam ihnen ein alter Mann mit spitzen Hut entgegen. Shannah umarmte ihn.
"Gandalf!"
Legolas begrüßte den Zauberer. Gandalf begutachtete ihn.
"Ich sehe, Shannah hat gute Arbeit geleistet."
Der Elb und das Mädchen schauten sich an. Gandalf spürte eine leichte Spannung zwischen ihnen.
"Wir müssen morgen aufbrechen, Shannah."
Sie nickte und ging ihre Sachen packen. Legolas blieb traurig zurück. Gandalf legte ihm den Arm um die Schultern.
"Was ist los?"
"Sie ist beleidigt, weil ich sie beschützen will."
Gandalf lächelte.
"Vielleicht solltest du sie nicht wie ein kleines Kind behandeln."
"Wie alt ist sie denn? 15? 16? Menschen sind so verwundbar."
Gandalf lachte schallend.
"Sie hat vergessen es dir zu sagen. Hör zu. Ich werde dir Shannahs Geschichte erzählen."

 

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