Shannah und Gandalf saßen in der
Bibliothek von Minas Tirith und stöberten in alten
Schriftrollen.
"Ich hab ein Rezept für Lembas gefunden."
Gandalf runzelte die Stirn. Solche Rezepte wurden überliefert,
aber nicht aufgeschrieben.
"Oh, doch nicht."
Shannah schob das Papier wieder zurück. Dadurch störte
sie das empfindliche Gleichgewicht eines Stapels mit Schriftrollen.
Er kippte um. Staub wirbelte auf. Hustend hielt sie ein
paar Seiten in der Hand. Ihr Blick wurde traurig. Einen
Augenblick später hatte sie sich wieder gefaßt
und überreichte Gandalf ein altes Buch. In diesen
Moment klopfte der Bibliothekar an den Türrahmen.
"Da ist jemand, der möchte Euch sprechen."
Dann führte er einen großen Mann in einem Umhang
herein. Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen.
Gandalf bedankte sich und schickte den Bibliothekar wieder
weg. Shannah umarmte den Fremden, eine Staubwolke folgte
ihr.
"Legolas!"
Der Elb schob seine Kapuze nach hinten. Lächelnd
zerzauste er Shannahs Haare. Sie klopfte auf seinen Hintern.
Bevor die Rangelei ausartete schritt Gandalf ein.
"Schluß! Shannah, bring den Elb in unser Quartier
und sorg dafür, daß ihn niemand erkennt. Ich
komme gleich nach."
Sie nickte und schob Legolas nach draußen.
Trotz der Straßenbeleuchtung waren die Gassen voll
Schatten und Zwielicht. Ein Vorteil um den Elb unerkannt
auf das Quartier zu bringen. Elben besuchten Minas Tirith
eher selten, deshalb wollte Gandalf nicht, daß Legolas
Aufmerksamkeit erregte. Sie liefen durch die Straßen
zu den obersten Ringen. Dort gab es ein kleines Gasthaus,
indem die beiden Istari übernachteten. Shannah meldete
Legolas als ihren Bruder an und führte ihn auf sein
Zimmer. Kaum waren die beiden alleine, umarmte Legolas
Shannah und küßte sie leidenschaftlich. Er
drückte sie auf das Bett, seine Hände strichen
über ihren Körper. Shannah schubste ihn von
sich.
"Las das!"
Legolas runzelte die Stirn.
"Was ist …Hab' ich …Ist alles in Ordnung?"
stotterte er.
Shannah zog eine Schriftrolle aus ihrer Tasche und hielt
sie ihrem Freund hin. Legolas entrollte sie. Es war die
Heiratsurkunde von Shannah und Aranarth, sie mußte
sie in der Bibliothek gefunden haben. Der Elb holte tief
Luft, doch dann besann er sich und sagte nur: "Verstehe."
"Nein, tust du nicht. Und zu recht. Ich bin ein Idiot.
Aranarth ist tot und du lebst."
Sie nahm ihm das Papier aus der Hand und wollte es zerreißen.
Legolas stoppte sie.
"Nein! Heb' es auf."
Behutsam rollte er die Urkunde wieder ein.
"Du hast ihn geliebt."
Shannah zögerte. Die Unsterblichkeit hatte ihre Nachteile
und Aranarths Tod war eine schmerzhafte Lektion gewesen.
"Ja."
Legolas streichelte ihre Haare. Sie waren so weich und
er vergrub sein Gesicht darin. Sein Geist und sein Körper
sehnten sich nach ihr. Ihre Finger strichen über
seine Ohren. Der Elb seufzte genüßlich.
"Hab' ich euch erwischt!"
Die beiden stoben auseinander. Gandalf stand lachend im
Türrahmen.
"Ihr solltet endlich heiraten. Ich weiß schon
nicht mehr wie ich euch auseinanderhalten soll."
Gandalf und Legolas saßen in der Gaststube und tranken
Wein. Shannah hatte sich schon zurückgezogen. Der
Zauberer merkte, daß Legolas etwas quälte.
Trotzdem wartete er bis der Elb von selbst anfing zu sprechen.
"Ich habe das Gefühl, ich müßte gegen
einen Geist antreten."
"Aranarth ist ein Teil ihres Lebens, sie wird ihn
nie vergessen. Das mußt du akzeptieren. Aber sie
lebt nicht in der Vergangenheit. Manchmal wird sie an
ihn denken."
"Wird sie mich je heiraten?"
"Frag' sie doch."
"Was glaubst du, was ich die letzten fünf Jahre
gemacht habe? Aber sie sagt mir jedesmal, daß es
noch zu früh ist. Was soll ich tun?"
"Frag' sie nochmal."
Legolas setzte eine zweifelnde Miene auf. Dann stand er
auf.
"Gute Nacht, Mithrandir."
Zaghaft klopfte Legolas an Shannahs Tür.
"Komm rein, Legolas."
Er betrat den Raum. Shannah saß auf ihrem Bett und
lächelte ihn an.
"Woher weißt du das ich es bin?"
"Setz dich zu mir."
Er ließ sich neben ihr nieder.
"Du weißt, was ich bin. Kannst du damit leben?"
"Ich bin nicht der erste Elb, der sich in eine Maia
verliebt."
"Das ist drei Zeitalter her. Die Zeiten ändern
sich."
Legolas schwieg. Schließlich stellte er die Frage,
die er ihr schon unzählige Male gestellt hatte.
"Willst du die Ewigkeit mit mir verbringen?"
"Ja."
Überrascht schaute er sie an. Legolas war sich nicht
sicher, ob er sie richtig verstanden hatte.
"Was?"
"Ich hab ja gesagt."
Überglücklich küßte er Shannah. Von
Leidenschaft überwältigt sanken sie auf das
Bett.
Nach ihrer Rückkehr richtete Thranduil ein rauschendes
Fest aus. Ein wenig Wehmut mischte sich in seine Freude.
Er dachte an seine Frau, die vor Jahrzehnten starb. Es
klopfte an seiner Tür.
"Ja."
Legolas stürmte herein, doch dann hielt er inne,
als er die Traurigkeit in Thranduils Augen sah. Er wußte
sofort, was seinen Vater quälte.
"Nana?"
Er nickte. Legolas umarmte seinen Vater, auch er litt
immer noch unter dem Verlust seiner Mutter. Thranduil
faßte sich wieder und sah seinen Sohn an.
"Was ist los mit dir?"
"Tu ich das Richtige?"
Thranduil lachte herzhaft. Er strich seinem Sohn über
die Wange.
"Heirate diese Frau und zeuge Nachwuchs!"
Beim Hinausgehen warf Legolas seinem Vater einen vielsagenden
Blick zu.
ENDE
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