Kapitel 8

Shannah und Gandalf saßen in der Bibliothek von Minas Tirith und stöberten in alten Schriftrollen.
"Ich hab ein Rezept für Lembas gefunden."
Gandalf runzelte die Stirn. Solche Rezepte wurden überliefert, aber nicht aufgeschrieben.
"Oh, doch nicht."
Shannah schob das Papier wieder zurück. Dadurch störte sie das empfindliche Gleichgewicht eines Stapels mit Schriftrollen. Er kippte um. Staub wirbelte auf. Hustend hielt sie ein paar Seiten in der Hand. Ihr Blick wurde traurig. Einen Augenblick später hatte sie sich wieder gefaßt und überreichte Gandalf ein altes Buch. In diesen Moment klopfte der Bibliothekar an den Türrahmen.
"Da ist jemand, der möchte Euch sprechen."
Dann führte er einen großen Mann in einem Umhang herein. Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Gandalf bedankte sich und schickte den Bibliothekar wieder weg. Shannah umarmte den Fremden, eine Staubwolke folgte ihr.
"Legolas!"
Der Elb schob seine Kapuze nach hinten. Lächelnd zerzauste er Shannahs Haare. Sie klopfte auf seinen Hintern. Bevor die Rangelei ausartete schritt Gandalf ein.
"Schluß! Shannah, bring den Elb in unser Quartier und sorg dafür, daß ihn niemand erkennt. Ich komme gleich nach."
Sie nickte und schob Legolas nach draußen.
Trotz der Straßenbeleuchtung waren die Gassen voll Schatten und Zwielicht. Ein Vorteil um den Elb unerkannt auf das Quartier zu bringen. Elben besuchten Minas Tirith eher selten, deshalb wollte Gandalf nicht, daß Legolas Aufmerksamkeit erregte. Sie liefen durch die Straßen zu den obersten Ringen. Dort gab es ein kleines Gasthaus, indem die beiden Istari übernachteten. Shannah meldete Legolas als ihren Bruder an und führte ihn auf sein Zimmer. Kaum waren die beiden alleine, umarmte Legolas Shannah und küßte sie leidenschaftlich. Er drückte sie auf das Bett, seine Hände strichen über ihren Körper. Shannah schubste ihn von sich.
"Las das!"
Legolas runzelte die Stirn.
"Was ist …Hab' ich …Ist alles in Ordnung?" stotterte er.
Shannah zog eine Schriftrolle aus ihrer Tasche und hielt sie ihrem Freund hin. Legolas entrollte sie. Es war die Heiratsurkunde von Shannah und Aranarth, sie mußte sie in der Bibliothek gefunden haben. Der Elb holte tief Luft, doch dann besann er sich und sagte nur: "Verstehe."
"Nein, tust du nicht. Und zu recht. Ich bin ein Idiot. Aranarth ist tot und du lebst."
Sie nahm ihm das Papier aus der Hand und wollte es zerreißen. Legolas stoppte sie.
"Nein! Heb' es auf."
Behutsam rollte er die Urkunde wieder ein.
"Du hast ihn geliebt."
Shannah zögerte. Die Unsterblichkeit hatte ihre Nachteile und Aranarths Tod war eine schmerzhafte Lektion gewesen.
"Ja."
Legolas streichelte ihre Haare. Sie waren so weich und er vergrub sein Gesicht darin. Sein Geist und sein Körper sehnten sich nach ihr. Ihre Finger strichen über seine Ohren. Der Elb seufzte genüßlich.
"Hab' ich euch erwischt!"
Die beiden stoben auseinander. Gandalf stand lachend im Türrahmen.
"Ihr solltet endlich heiraten. Ich weiß schon nicht mehr wie ich euch auseinanderhalten soll."

Gandalf und Legolas saßen in der Gaststube und tranken Wein. Shannah hatte sich schon zurückgezogen. Der Zauberer merkte, daß Legolas etwas quälte. Trotzdem wartete er bis der Elb von selbst anfing zu sprechen.
"Ich habe das Gefühl, ich müßte gegen einen Geist antreten."
"Aranarth ist ein Teil ihres Lebens, sie wird ihn nie vergessen. Das mußt du akzeptieren. Aber sie lebt nicht in der Vergangenheit. Manchmal wird sie an ihn denken."
"Wird sie mich je heiraten?"
"Frag' sie doch."
"Was glaubst du, was ich die letzten fünf Jahre gemacht habe? Aber sie sagt mir jedesmal, daß es noch zu früh ist. Was soll ich tun?"
"Frag' sie nochmal."
Legolas setzte eine zweifelnde Miene auf. Dann stand er auf.
"Gute Nacht, Mithrandir."

Zaghaft klopfte Legolas an Shannahs Tür.
"Komm rein, Legolas."
Er betrat den Raum. Shannah saß auf ihrem Bett und lächelte ihn an.
"Woher weißt du das ich es bin?"
"Setz dich zu mir."
Er ließ sich neben ihr nieder.
"Du weißt, was ich bin. Kannst du damit leben?"
"Ich bin nicht der erste Elb, der sich in eine Maia verliebt."
"Das ist drei Zeitalter her. Die Zeiten ändern sich."
Legolas schwieg. Schließlich stellte er die Frage, die er ihr schon unzählige Male gestellt hatte.
"Willst du die Ewigkeit mit mir verbringen?"
"Ja."
Überrascht schaute er sie an. Legolas war sich nicht sicher, ob er sie richtig verstanden hatte.
"Was?"
"Ich hab ja gesagt."
Überglücklich küßte er Shannah. Von Leidenschaft überwältigt sanken sie auf das Bett.

Nach ihrer Rückkehr richtete Thranduil ein rauschendes Fest aus. Ein wenig Wehmut mischte sich in seine Freude. Er dachte an seine Frau, die vor Jahrzehnten starb. Es klopfte an seiner Tür.
"Ja."
Legolas stürmte herein, doch dann hielt er inne, als er die Traurigkeit in Thranduils Augen sah. Er wußte sofort, was seinen Vater quälte.
"Nana?"
Er nickte. Legolas umarmte seinen Vater, auch er litt immer noch unter dem Verlust seiner Mutter. Thranduil faßte sich wieder und sah seinen Sohn an.
"Was ist los mit dir?"
"Tu ich das Richtige?"
Thranduil lachte herzhaft. Er strich seinem Sohn über die Wange.
"Heirate diese Frau und zeuge Nachwuchs!"
Beim Hinausgehen warf Legolas seinem Vater einen vielsagenden Blick zu.


ENDE

 

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