Kapitel 11

Der Bote

Amarylon, der jüngste Sohn des Fürsten Dameros von Süd- Gondor, ritt durch das Tor von Minas Tirith. Auf dem halben Weg zur Veste kam ihm seine Schwester entgegen. Er stieg ab und die junge Frau fiel ihm lachend um den Hals. Der Mann dagegen blickte ein wenig ärgerlich drein: „Ich dachte, du wärst in Ithilien.“
„Ist es so schlimm, daß ich stattdessen hier bin?“
„Es streifen immer noch Orks durchs Land. Es war gefährlich, hierher zu gehen und...“
„Ach was! Wir sind gut bewacht durch den Fürsten Faramir und seine Soldaten hierher gekommen“, unterbrach Rina ihn.
„Trotzdem. Ihr... Ah, da kommt ja Sheena.“
Die Prinzessin trat zu ihnen, doch ihr Lächeln wirkte lediglich höflich, nicht wirklich herzlich. „Seid gegrüßt, Herr Amarylon.“
Der Mann wurde leicht rot und verneigte sich: „Es freut mich, euch zu sehen, Prinzessin.“
Rina schüttelte ärgerlich den Kopf und schimpfte: „Nun seid doch nicht so förmlich. Wir sind doch alle Freunde. Zuerst sag uns mal, was du hier willst, Amarylon.“
„Vater vermißt dich, das sollte dir doch klar sein. Er wünscht, daß du möglichst schnell zurück kommst.“
Bei den vielen Orks, die dort ihr Unwesen treiben?“ fragte die Fürstin mit einem koketten Augenaufschlag.
„Ja, du wirst noch ein wenig warten müssen. Das habe ich Vater auch gesagt, aber du kennst ihn ja. Er meinte, mit einer guten Eskorte wäre das kein Problem. Doch nichts kann einen vor Pfeilen aus dem Hinterhalt schützen.“
„Da hast du recht. Dein Weg war also umsonst.“
„Freust du dich denn nicht, mich zu sehen?“
„Natürlich freue ich mich. Was für eine Frage!“ Die Geschwister hatten schon immer eine sehr innige Beziehung gehabt.
„Im übrigen habe ich noch einen zweiten Auftrag. Ich soll König Legolas von den Waldelben einen Brief überbringen. Leider war er nicht anwesend.“
„Da hast du aber Glück. Er ist vor etwa einer Stunde hier eingetroffen. Er war einen Freund besuchen irgendwo in Rohan. Auch die Hilfe für die Königin ist endlich da.“
Jetzt mischte sich Sheena ein: „Warum schreibt euer Vater einen Brief an König Legolas? Ich dachte, er mag Elben nicht besonders?!“
„Ich weiß es nicht“, erklärte Amarylon. „Aber was das mit den Elben angeht, da glaube ich, daß das in letzter Zeit anders geworden ist. Er hat sich im Krieg und Süd- Gondor mit dem König befreundet und so nach und nach merkt man seinen Einfluß. Ihr konntet das gar nicht mit bekommen, weil ihr schon seit fast einem halben Jahr durch Gondor reist.“
„War der König denn in den letzten Monaten in Süd- Gondor?“ fragte die Prinzessin neugierig.
„Nein, aber es herrscht ein reger Briefwechsel.“
Plötzlich wurden sie abgelenkt, weil ein Pferd im schnellsten Galopp an ihnen vorbei sprengte.
„Das war doch Aiko, die Frau von besagtem Legolas!“ rief Rina erstaunt aus. „Die hat es vielleicht eilig. Das gehört sich aber gar nicht für eine Königin“, setzte sie empört hinzu.
„Das dürfte sie wohl kaum stören“, sagte Rina schmunzelnd. Doch dann wurde ihr Gesicht ernst und sie meinte unbehaglich: „Ich hoffe nur, daß nicht schon wieder etwas passiert ist.“
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Aiko sprang vor dem Tor der Veste vom Pferd und eilte an den Wachen vorbei auf den Hof mit dem weißen Baum auf das Gebäude zu. Dabei rannte sie in Aragorn hinein, der selbst nicht richtig auf den Weg achtete.
„Oh Aiko, hallo“, begrüßte er sie glücklich. „Ich komme gerade aus den Häusern der Heilung und habe gute Nachrichten: Meine Frau kann völlig geheilt werden!“
„Das freut mich sehr für dich“, meinte Aiko und ein Strahlen ging über ihr Gesicht. Eine Weile unterhielten sie sich über dieses freudige Ereignis, doch dann zwang die junge Frau, sich an ernstere Dinge zu denken: „Kannst du vielleicht einen Moment entbehren? Ich muß dringend mit dir etwas besprechen. Ist Legolas eigentlich hier?“
„Er ist kurz vor dir hier eingetroffen. Gimli und Gandalf sind auch da und Frodo, Merry und Pippin. Komm, wir gehen zu ihnen. Ich hoffe, du hast nicht zu schlechte Nachrichten.“
„Ich bin mir nicht so ganz im Klaren, ob sie gut oder schlecht sind. Wohl eher beides.“
Als sie zu den anderen traten, waren diese in ein heiteres Gespräch vertieft, das jedoch jäh verstummte, als sie die ernsten Mienen der beiden sahen.
„Ist etwas mit Arwen?“
Aragorn begann wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen und erklärte: „Arwen wird wieder völlig gesund werden!“
„Aber warum erschreckt ihr uns dann so, indem ihr hier mit todernsten Gesichtern hier herein kommt?“ empörte sich Merry.
„Aiko hat etwas zu berichten.“
„Ja“, sagte diese, „aber zuerst würde ich gern wissen, wie es Jojo geht.“
„Soweit ganz gut“, erklärte der König. „Ihr Gedächtnis macht auch Fortschritte, allerdings kann sie sich immer noch nicht an ihre Eltern und ihre Heimat erinnern. Sie liegt natürlich noch in den Häusern der Heilung und wird gut bewacht. Leider hat sie dennoch hier einiges Unheil angerichtet. Trotzdem lassen wir sie täglich im Garten spazieren gehen, damit sie schneller gesund wird.“
„Wer ist denn diese Jojo?“ fragte Frodo.
Aragorn klärte diejenigen über die Person des Mädchens auf, die sie noch nicht kannten, dann erzählte er von den Sabotagen. Zum Schluß fragte er gespannt: „Hast du etwas über sie herausgefunden?“
„Meine Mutter kennt ihre Eltern. Sie wohnen im Süden meines Heimatlandes und ich habe sie nie kennen gelernt, doch es besteht Briefkontakt zwischen ihr und Jojos Eltern.“ Sie wandte sich an Legolas: „Früher haben sie in Paris gelebt.“
Der Elb verstand sofort, da er ja mit seiner Frau dort in Flitterwochen gewesen war. „Paris? Dann ist sie ja Französin! Wie kommt es, daß sie so gut Deutsch spricht?“
„Sie sind schon vor 10 Jahren umgezogen, warum weiß ich nicht. Jedenfalls haben ihre Eltern sich riesige Sorgen gemacht. Sie ist von einem Mittelerde- Besuch nicht zurück gekommen.“
Gandalf schüttelte den Kopf: „Aber wie ist sie hierher gekommen?“
„Mit einem Stern. Sie ist auch eine Hüterin.“
„Aber ich dachte, es würden nur noch eure Sterne existieren“, meinte der Zauberer.
„Nein. Ein dritter Stern hat die Zeit unbeschadet überstanden. Und diesen hat Modo dem Mädchen abgenommen.“
„Das ist wahrlich eine Neuigkeit“, murmelte Gandalf.
„Aber jetzt dürfte wenigstens klar sein, daß Jojo unter Modos Einfluß steht“, behauptete Legolas.
„Ja, das ist wohl sicher“, sagte Aiko.
„Können wir etwas dagegen tun?“
„Ich wüßte nicht was“, gab die Hexe zu. „Wir können sie nur weiter bewachen.“
„Wie dem auch sei“, wechselte Gandalf jetzt das Thema, „Modo wird seine Pläne, Mittelerde mit Waffen aus der anderen Welt zu erobern, nicht aufgegeben haben. Wir müssen Vorkehrungen dagegen treffen.“
„Das ist glücklicherweise nicht nötig. Wir haben Modo diesen Plan zur genüge verleidet“, meinte Aiko lächelnd. „Deshalb war ich auch so lange fort. Mit Hilfe meiner Mutter konnte ich beinahe alle Hexen und Hexer, die es in Europa gibt, zusammen getrommelt. Wir waren immerhin 31 und Modos Haufen hatte keine Chancen gegen uns und die Waffen haben ihnen auch nichts genützt. Sie hatten Maschinengewehre, Sprengstoff, Panzer und Flugzeuge, doch wir haben es geschafft, die Waffen zu vernichten. Er hatte eine ganze Armee im Osten aufgestellt. Nun weiß er, daß er, jetzt wo wir gewarnt sind, auf diese Weise nichts mehr gewinnen kann.“
„31 Leute gegen ein ganzes Heer!“ rief Merry aus.
„Nun ja, wir sind schließlich Magier. Allerdings haben wir die Panzer und Flugzeuge ganz einfach dadurch vernichtet, daß wir sie mit Modos Sprengstoff in die Luft gejagt haben.“
„Aber das sind doch gute Neuigkeiten“, meinte Aragorn. „Du sagtest, du habest auch schlechtes zu berichten.“
„Zum einen ist es uns nicht gelungen, Modo den Stern abzunehmen. Er kann doch immer Unheil damit anrichten.“
„Und ansonsten?“ fragte Gandalf ungeduldig.
„Ihr werdet es kaum glauben. Also, ich fange besser von vorne an: Das Heer Modos bestand mit Ausnahme der Panzerführer, den Magiern und Modos bisherigen nicht- magischen Dienern nur aus Orks. Übrigens hat Modo 2 neue Hexen. Wir haben von ihnen reden hören, als wir Modos Diener belauschten und ihnen eine Falle gestellt, doch leider sind sie entkommen.“
„Und was ist nun so wichtig?“
Aiko erzählte, was sie über Modos Orkzucht heraus bekommen hatten.
Als sie endlich geendet hatte, erwiderte Aragorn: „Das haben wir bereits vermutet. Wir sind von einer Armee Uruk- hai angegriffen worden, die uns immer noch zu schaffen macht.“
„Dann sind meine Neuigkeiten gar nicht so neu. Leider konnten wir Modo nicht von seinem jetzigen Standort vertreiben, was jedoch wichtig gewesen wäre, da er dort alles für die Orkzucht eingerichtet hat und ständig neue Orks züchtet. Muß er fort, so wird er Zeit brauchen, um alles neu aufzubauen. Aber dazu bräuchten wir doch mehr Leute. Ich habe den Auftrag, dich um Hilfe zu bitten, Aragorn.“
„Wir haben in der Stadt momentan 2000 Soldaten, die hier bereit stehen, falls neue Orks kommen. Morgen früh können sie zum Aufbruch bereit sein. Es sind auch genügend Pferde vorhanden, da wir für Verfolgungen jederzeit bereit sein wollten. Morgen früh können sie zum Aufbruch bereit sein.“
„2000 Soldaten dürften für unsere Zwecke genügen“, behauptete Aiko.
Aragorn ging, um die nötigen Befehle zu erteilen. Gandalf wollte von Aiko noch genaueres über den dritten Stern erfahren, ebenso über die Familie, in deren Besitz er war und Aiko erzählte, was sie wußte, dann verabschiedete sie sich. Sie wollte sich endlich umziehen, sie trug nämlich noch europäische Kleidung und fiel daher sehr auf. Sie und ihr Mann hatten hier im Palast ein eigenes Zimmer, damit immer sofort alles bereit war, wenn sie zu Besuch kamen, denn das geschah meist spontan also unangekündigt. Legolas folgte ihr nur wenige Augenblicke später. Seine Frau hatte das erwartet, daher ging sie ganz langsam, so daß er sie schon nach wenigen Schritten eingeholt hatte. Arm in Arm gingen sie nun weiter zu dem Zimmer, wobei der Elb seiner Frau von der Belagerung erzählte.
Zärtlich fuhr sie ihm durchs Haar. „Mein armer...“
Weiter kam sie nicht, denn ihr Mann legte seine Hand auf ihren Mund. „Das mag ich nicht hören“, sagte er mit einer Mischung aus Ärger und Beschämung. Aiko seufzte. Manchmal nervte sie sein Stolz und das sagte sie ihm auch unverblümt. Dabei schob sie ihn ein wenig von sich weg.
Das tat Legolas denn doch leid und ein verschmitztes Lächeln erschien auf seinem Gesicht: „Also gut. Wenn wir in unseren Gemächern sind, darfst du mich soviel trösten, wie du willst.“
„Sieht aber nicht so aus, als ob du’s nötig hättest“, maulte Aiko, was sie allerdings nicht so ganz ernst meinte.
Nun war es an der Reihe des Elben zu seufzen, der nicht bemerkt hatte, daß seine Frau ihn nur necken wollte: „Dir kann man es aber auch nie recht machen!“
„Du könntest ja wenigstens versuchen so zu gucken, als ob du Trost nötig hättest.“
Ein Lachen war die Antwort, dann versuchte Legolas möglichst traurig dreinzuschauen, was ihm aber nicht gelang. Daher probierte er es mit einem wahren Hundeblick, um seine Frau milde zu stimmen, er wußte, daß er damit immer Erfolg hatte und so auch diesmal. Aiko gab ihm einen langen Kuß und nahm ihn fest in den Arm. Von den Lippen wanderte ihr Mund dann tiefer an seinem Kinn hinunter zu seinem Hals, den sie nun ausgiebig zu liebkosen begann.
Auf Legolas Gesicht erschien ein genüßliches Lächeln, dann besann er sich jedoch und erklärte streng: „Aiko, wir sind König und Königin. Wir dürfen uns nicht so in der Öffentlichkeit zeigen.“
„Das ist mir egal“, murmelte Aiko zwischen zwei Küssen und ihre Umarmung wurde noch fester.
„Egal? Das ist aber gar nicht nett von dir. Nimm doch mal ein wenig Rücksicht auf deinen armen Ehemann.“
Aiko ließ seinen Hals in Ruhe und erklärte: „Du Dummkopf bist doch selbst schuld. Was heiratest du eine Frau wie mich?“
„Ach, Gîlnya, für mich bist du die wundervollste Frau der Welt und richtig so, wie du bist. Mir ist es gleich, daß du die Anstandsregeln nicht so ernst nimmst. Aber übertreiben sollten wir nicht. Das fällt alles auf mich zurück und Tugendhaftigkeit ist hier sehr wichtig.“
Aiko sah sich um: „Ist im Moment doch gar keiner hier.“
„Wir stehen mitten in einem Gang. Es kann jederzeit jemand vorbei kommen.“
Doch ihm selbst war es nicht wirklich wichtig, ob sie gesehen wurden oder nicht. Er hatte seine liebe Frau nach Elbenmaßen nur sehr kurz nicht gesehen, doch ihm hatte es wie eine Ewigkeit geschienen. Er begann ihr Gesicht zu streicheln. Plötzlich entließ die Frau ihn aus ihrer Umarmung, griff nach Legolas Hand und begann zu laufen, ohne darauf zu achten, wie erstaunt diejenigen blickten, an denen sie vorüber kamen. Legolas ließ sich das gerne gefallen, erst jetzt wurde ihm klar, welche Spuren die seelischen Qualen der Belagerung in ihm hinterlassen hatten. Unwillkürlich tauchte ein Bild in seinem Geist auf, das er seiner Frau verschwiegen und überhaupt zu verdrängen versucht hatte, nämlich wie er den Regen vor Durst von den Steinen leckte. Angewidert drängte er das Bild weg. Er hatte beim Erzählen versucht, alles möglichst zu verharmlosen, doch er wurde das Gefühl nicht los, daß sie den Rest so mehr oder weniger erriet. Seine geliebte Frau kannte ihn einfach viel zu gut. Er sollte ihr heute Abend noch einmal die ganze Geschichte ungeschönt erzählen.
Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken aufgeschreckt, weil Aiko ihn auf einmal zur Seite riß, um einem Diener auszuweichen. Der Mann sah ihnen entsetzt nach, doch der Elb tadelte sie nicht, denn in ihm war im Moment nur ein Gedanke, nämlich Aiko so schnell wie’s nur irgend ging, möglichst nahe zu sein. Endlich erreichten sie ihre Gemächer und schlossen die Tür hinter sich.
Legolas ließ sich in Aikos Arme sinken und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. „Verführ mich“, murmelte er leise.
Die Frau schob ihn in Richtung Bett und... dann klopfte es an der Tür.
„Darauf habe ich schon gewartet“, murrte Aiko ärgerlich.
Legolas kniff sie strafend in die Wange, dann rief er: „Herein.“
Ein junger Mann von etwa 25 Jahren trat ins Zimmer.
„Seid gegrüßt, König Legolas. Verzeiht bitte die Störung. Mein Name ist Amarylon und ich bin ein Sohn von Fürst Dameros von Süd- Gondor. Ich habe einen Brief von meinem Vater für euch.“
„Fürst Dameros schickt mir eine Botschaft?“
„Ja. Ich kann euch leider nicht sagen, warum, denn er hat es selbst mir nicht verraten. Kennt ihr meinen Vater eigentlich?“
„Ich habe ihn noch nie getroffen, doch schon viel von ihm gehört.“
Er nahm das versiegelte Kuvert, das Amarylon ihm mit einer Verbeugung überreichte. Dann verabschiedete sich der junge Mann ehrerbietig und ging.
„Was kann der Fürst von dir wollen?“ fragte Aiko verdattert.
Ihr Mann schüttelte ratlos den Kopf und meinte dann: „Laß uns nachsehen.“
Damit entfaltete er den Bogen Papier, den er aus dem Umschlag zog und las laut vor:

‚An Legolas Thranduilion, König von den Waldelben Ithiliens

Ich hatte noch nicht die Ehre eure Bekanntschaft zu machen, doch ich habe viel von euch gehört. Ihr seid als großer Kämpfer bekannt, der König hat euch in den höchsten Tönen gelobt und hat anscheinend größtes Vertrauen zu euch. Daher habe ich eine Bitte an euch, die mir sehr am Herzen liegt. Ich möchte euch bitten, meine Tochter Rina zu mir zu bringen. Sie ist mein größter Schatz und ich möchte sie wieder bei mir wissen, doch der Gedanke, daß sie in Gefahr geraten könnte, ist mir unerträglich. Mit Ausnahme des Königs seid ihr der Einzige, dem ich sie anvertrauen mag. Außerdem würde mir so auch endlich die Ehre zuteil, euch einmal zu treffen. Ich bitte euch noch einmal inständig darum, den Wunsch eines besorgten Vaters zu erfüllen.
Ergebenst,

Dameros, Fürst von Süd- Gondor‘

„Hä?“, machte Aiko.
Auch Legolas schüttelte verständnislos den Kopf: „Damit habe ich nicht gerechnet.“
„Der Brief trieft nur so von Einschmeicheleien oder besser von Einschleimereien, wenn ich das mal so sagen darf.“
„Du hast recht. Warum will er, daß ausgerechnet ich seine Tochter begleite?“
„Vielleicht hält er wirklich viel von dir.“
„Er kennt mich doch gar nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Aragorn ihm allzu viel von mir berichtet hat. Warum sollte er das tun, da der Fürst mich nicht kennt? Und wenn dieser Dameros wirklich so besorgt um seine Tochter ist, dann würde er sie doch selbst holen. Schließlich ist auch er ein verdienter Kämpfer.“
Seine Frau überlegte kurz: „Wir haben es schon erlebt, daß Leute, denen ihr vertraut habt, von Modo verzaubert worden waren und falsche Nachrichten überbracht haben, um uns fort zu locken. Bei Aragorn hat es geklappt, ebenso bei uns, als wir durch diesen Waldläufer nach Anuminas gelockt worden sind. Warum sollten sie es nicht noch mal versuchen?!“
„Möglich. Wir sollten diesen Amarylon noch mal genauer ansehen.“
„Wir sollten aber auch in Betracht ziehen, daß er den Inhalt des Briefes nach seinen eigenen Worten nicht kannte. Vielleicht gab es tatsächlich einen Brief von seinem Vater, nur daß der vertauscht worden ist. Es gibt in diesen Burgen so viele Diener, da dürfte es nicht schwer sein, jemanden zu finden, der bestechlich ist.“
„Damit hast du wohl recht, dennoch werde ich diesen jungen Mann von jetzt ab im Auge behalten.“
Aiko nickte ernst, dann erschien ein verführerisches Lächeln: „Aber du brauchst nicht auf der Stelle damit anfangen. Ich finde, wir sollten mit dem weitermachen, wobei wir eben gestört worden sind.“
„Mit dem größten Vergnügen, Geliebte.“ erwiderte ihr Mann und zog sie fest in seine Arme.
„Danach erzählst du mir noch mal ein wenig ausführlicher, wie sich das mit der Belagerung zugetragen hat.“
„Du bist fürchterlich, Aiko. Eigentlich sollte es so sein, daß der Elb weiß, was der Mensch denkt und nicht umgekehrt.“
„Dein Problem ist, daß du als Elb einfach nicht gelernt hast zu lügen. Man sieht es dir sofort an“, meinte seine Frau grinsend. „Außerdem weißt du doch auch meistens, was ich denke oder nicht?“
„Darüber können wir später weiterreden und auch über die Belagerung. Du wolltest mich trösten, erinnerst du dich.“
„Ja, und ich erinnere mich auch daran, daß du es anscheinend nicht unbedingt nötig hattest.“
„Du hast ja gar keine Ahnung!“
„Ach, auf einmal? Eben hast du dich noch beschwert, daß ich zu viel über dich weiß“, schmunzelte Aiko, worauf sie der Elb richtig unglücklich ansah.
„Jetzt bist du richtig gemein zu mir.“
„Wenigstens schaust du mal ein wenig, als ob du Trost nötig hättest. Na, komm her, mein stolzer und tapferer Elbenkrieger.“ Mit diesen Worten nahm sie ihren Mann beim Kragen seines Hemdes und zog ihn zum Bett...
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Aragorn war in den Häusern der Heilung und saß am Bett seiner Frau. Ihr Gesicht war blaß und wirkte eingefallen, doch sie war nicht mehr bewußtlos, sondern sie schlief ruhig. Jetzt kam Herr Elrond herein und setzte sich zu ihm ans Bett.
Der Mensch drehte sich zu ihm: „Es zerreißt mir das Herz, daß ich sie morgen allein lassen muß.“
„Die nächsten Tage wird sie noch die meiste Zeit schlafen und bis es ihr besser geht, wird es noch ein wenig Zeit brauchen. Ich denke sogar, daß sie noch 4 Wochen in diesen Häusern bleiben muß, bevor sie wieder gesund ist.“
„Hauptsache sie wird wieder gesund. Ich gehe nur, weil ich weiß, daß ihr euch bestens um sie kümmern werdet.“
„So gut ich kann.“
„Kümmert euch bitte auch ein wenig um Jojo.“
„Das Mädchen im Nebenzimmer, ja?“
„Richtig.“
„Warum laßt ihr sie eigentlich ständig bewachen?“
„Weil wir fürchten, daß sie mit einem Zauber von Modo belegt worden ist.“
„Und warum ist sie in der Obhut der Heiler?“
„Sie hat einen Gedächtnisverlust erlitten, doch ansonsten ist sie inzwischen wieder gesund. Wir behalten sie nur in den Häusern, weil es hier einfacher ist, sie zu bewachen.“
Herr Elrond schüttelte den Kopf. Anscheinend geschahen hier Dinge, von dem man ihn noch gar nicht unterrichtet hatte.

 

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