Kapitel 14

Zauber und Intrigen

Modo stand aufgerichtet über Aragorn, die Füße an seinen Leib gepreßt. Dieser spürte zunehmend einen starken Schmerz in den Seiten, den Modo ihm mit seinen Schuhen bereitete. Er begann sich zu fragen, ob Modo ihn zerquetschen wolle. Nervös blickte er hoch zu dem Gesicht des Schwarzmagiers, um vielleicht zu erkennen, was dieser vorhatte.
Bis jetzt hatte Modo sich konzentriert, doch nun öffnete er die Augen und senkte seinen kalten Blick in die Augen des Königs. Dabei murmelte er ein fremdartiges Wort. Aragorn hatte das Gefühl zu erstarren. Der Magier sprach leise ein paar weitere Worte in derselben Sprache und der Mann fühlte, wie der Stern auf seiner Brust heiß wurde. Er versuchte den Blick abzuwenden, aber er konnte es nicht, er schaffte es nicht einmal zu blinzeln; wie hypnotisiert mußte er in die Augen des Magiers starren. Ein fürchterlicher Schmerz durchzuckte seinen Körper und dann... dann sah er, zu seinem maßlosen Entsetzen, wie sich die Augen seines Gegenübers veränderten. Die wässrig blauen Augen wurden grau, anschließend begann sich das Gesicht zu wandeln. Mit Grausen sah Aragorn, wie Modo immer mehr sein Aussehen annahm. Der Prozeß ging weiter und begann den Körper zu verändern: Der Magier wurde ein wenig größer, die Schultern wurden breiter, zum Schluß veränderten sich die Füße, die Schuhe begannen zu drücken. Dann war die Verwandlung vollendet. Modo taumelte zum Bett, entledigte sich zunächst der Schuhe und zog die zum Teil aufgeplatzte Kleidung aus, dann nahm er ein paar Anziehsachen vom Bett, die Amarylon vor dem Wecken des Königs gestohlen und in seinem Wams verborgen hatte. Nun war er nicht mehr vom König zu unterscheiden. Seine Erschöpfung ließ nach und er trat zu Aragorn. Er nahm den Stern von der Brust des Mannes, dann sagte er mit einem hämischen Grinsen zu ihm: „Nun, was sagt ihr dazu?“ Er lachte höhnisch und fuhr fort: „Ich denke, ihr seid sicher hocherfreut über euren Zwilling.“
Aragorn funkelte ihn zornig an, was den Magier jedoch nur noch mehr amüsierte. Er wollte fortfahren, den Gefangenen zu verhöhnen, doch in diesem Moment klopfte es an der Tür. Die Stunde war um und die Geschwister kamen wieder herein.
Rina schlug vor Begeisterung die Hände zusammen: „Einfach wunderbar! Was für ein großer Magier ihr doch noch seid!“
„Ich danke euch, für euer Kompliment. Ihr habt mir immer treu gedient. Jetzt werde ich euch den König anvertrauen. Bewacht ihn gut. Ihr wißt, welcher Lohn euch erwarten wird.“
„Ich werde meinen Auftrag natürlich gewissenhaft ausführen. Ich hoffe nur, ihr habt euch Gedanken über den Transport gemacht.“
„Euer Gepäck besteht doch aus mehreren großen Truhen?“
„Ja, es sind 4 Stück.“ Sie zeigte sie Modo.
Dieser nickte befriedigt: „In die Größte müßte er hinein passen. Ihr werdet eure Kleider in die anderen Kisten quetschen müssen, aber dieses Opfer ist nötig.“
Rina lächelte: „Das werde ich gerade noch verschmerzen können.“
Sie trat zu der bezeichneten Truhe und legte ein paar Kleidungsstücke zur Polsterung hinein. Amarylon hatte einen kleinen Bohrer dabei, mit dem er einige unauffällige Löcher bohrte, damit der König nicht erstickte. Mit Modos Hilfe hob er dann den Mann hinein und Rina verschloß die Truhe, den Schlüssel zog sie auf eine filigrane Kette, die um ihren Hals hing und verbarg ihn unter ihrer Kleidung.
„Ich werde ihn gut bewachen. Ihr müßt keinerlei Sorgen haben.“
„Ich weiß, trotzdem will ich euch noch mal ermahnen, daß ihr ihm den Knebel erst aus dem Munde nehmt, wenn ihr weit fort seid und euer Gefolge verlassen habt. So lange muß er eben dursten und hungern.“
„Diese Ermahnung ist überflüssig.“
„Ja, aber ihr dürft es nicht übertreiben. Wenn er stirbt, erlischt der Zauber. Gelingt es ihm doch aus irgendeinem Grund zu fliehen, dann dürft ihr ihn auf keinen Fall töten. Es wäre sehr peinlich für mich, wenn ich mich plötzlich vor aller Augen zurück verwandelte.“
„Alles klar, ich werde nicht versagen. Ich weiß, was ich zu tun habe“, sagte Rina selbstbewußt.
„Das schätze ich an euch. Ihr habt mich noch nie enttäuscht.“
„Und ihr seid ein Schmeichler.“
Modo verbeugte sich mit einem Augenzwinkern.
„Ihr solltet jetzt gehen, König Elessar“, meinte die Fürstin schmunzelnd zu Modo, „es wird nicht mehr lange dauern, bis man sich erhebt.“
„Ganz recht. Wünsche einen guten Morgen.“ Er verschwand.
Die Wache war sehr erstaunt, daß der König erst im Morgengrauen zurückkehrte, doch es verbot sich natürlich Fragen zu stellen.
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Bei Sonnenaufgang schlug die Glocke der Veste einmal und die Menschen erhoben sich. Rina hatte sich noch nicht ganz fertig gemacht, als schon der Bote kam, der die Botschaft brachte, ihr Vater sei krank. Schnell lief sie zu ihrer Freundin.
„ Sheena! Es ist etwas furchtbares passiert. Mein Vater ist schwer erkrankt!“ rief sie schon an der Tür, die Hand auf ihr Herz gepreßt und mit einem rührendem Schluchzen.
„Was?“ fragte die Prinzessin erschrocken und sprang auf.
„Hier ist die Nachricht.“ Sie reichte ihrer Freundin den Brief.
Sheena las ihn und legte dann ihrer Freundin den Arm um die Schultern: „Du Ärmste.“
„Wirst du mich begleiten?“
„Aber natürlich, Rina. Ich gebe meinen Leuten sofort Bescheid und heute Mittag können wir abreisen.“
„Du bist ein Schatz!“ Rina umarmte sie und ging dann zurück in ihr Zimmer, wo Amarylon wartete.
„Kommt Sheena mit uns?“
„Ja, sie ist bereits am packen. Das sollte ich jetzt auch tun. Meine Zofe wird jeden Moment kommen. Sie ist die einzige, die mir helfen darf, da sie eingeweiht ist, allen anderen könnte es als merkwürdig auffallen, daß eine Truhe schon gepackt ist.“
„Ich gehe noch mal zum ‚König‘, um die letzten Details deiner Flucht zu besprechen. Man wird dich natürlich suchen, doch das kümmert uns nicht.“
„Die Zuflucht werden sie nie finden.“
„Keine Chance. Achte nur darauf, daß er gut verwahrt ist“, meinte er mit einer Kopfbewegung zur Truhe hin. „Gib ihm nicht die Gelegenheit zu entfliehen, nur weil du amouröse Ideen im Kopf hast.“
„Mach dir keine Sorgen. Ich weiß, wie wichtig es ist, ihn nicht entkommen zu lassen. Ich werde sowieso nicht darauf hereinfallen, wenn er versucht, mich dadurch zu überlisten, daß er mir Liebe vorgaukelt. Nachdem er erfahren hat, daß ich eine Verräterin bin, wird er mich wohl hassen. Eine längere Zeit in Ketten und mit wenig Nahrung wird ihn zahmer machen. Bis zu unserem endgültigen Sieg soll er den Kerker nicht verlassen.“ Rina wußte genau, daß der, von dem sie sprach, alles hören konnte. Aragorn sollte klar sein, was ihn erwartete und alle Hoffnung verlieren. Tatsächlich war dieser ziemlich verzweifelt. Wenn er doch irgendeine Möglichkeit hätte, jemanden zu warnen! Doch er konnte sich nicht ein Stück rühren und brachte durch den Knebel nur ein Stöhnen zustande, das selbst nicht zu hören war, wenn man direkt neben der Truhe stand. Gegen mittag verließ Rina mit Sheena und ihrem Gefolge die Burg. Amarylon und 20 Soldaten aus Minas Tirith sollten für die Sicherheit der Gruppe sorgen.
Legolas sah der Gruppe nachdenklich hinterher. Es behagte ihm gar nicht, daß der Fürstensohn jetzt schon abreiste. Er hätte ihn lieber noch ein wenig im Auge behalten, um herauszufinden, was dieser junge Mann im Schilde führte. Dann verdrängte er energisch das Thema und ging Aragorn suchen, um sich abzulenken.
Aber der König verhielt sich ungewöhnlich abweisend: „Ich habe jetzt keine Zeit, Legolas, ich muß ein paar dringende Dinge zu erledigen. Komm bitte später wieder. Oder am besten komm morgen wieder. Es tut mir wirklich leid.“
Gekränkt verschwand Legolas wieder. Aragorn hatte ihn noch nie abgewiesen! Für seine Freunde hatte er immer Zeit. Aber dann sagte er sich, daß gerade deshalb die Sachen äußerst wichtig sein mußten. Kein Grund, um beleidigt zu sein. Doch was mochte er zu tun haben, daß es so wichtig war? Gedankenverloren lief er durch die Gänge der Veste und rannte dabei Pippin fast um.
„Paß doch auf!“ rief der Hobbit erschrocken.
„Verzeih bitte. Ich war in Gedanken.“
„Das habe ich gemerkt!“
Der Elb sah ihn unglücklich an. Was war nur los mit ihm? Vielleicht war er schon zu lange bei den Menschen, denn im Moment benahm er sich fast wie einer. Er sollte sehen, daß er und Aiko bald wieder zu ihren Waldelben zurück kehrten.
Den ganzen Tag war Legolas unruhig und nervös, er spürte, daß etwas nicht stimmte, doch da er sich nicht darüber klar werden konnte, was es war, schob er alles auf Amarylons Abreise.
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Es war am späten Vormittag des nächsten Tages, als Amarylon in hektischem Galopp zurück nach Minas Tirith kam. Die Geschichte sprach sich schnell rum und alle erwarteten, daß der König als Freund ihres Vaters sofort Leute zur Suche ausschicken würde, was auch geschah. Kurz darauf wurde dann Legolas zu Aragorn gerufen.
Der Mensch sah sehr betrübt aus: „Du hast sicher schon gehört, was passiert ist?!“
„Fürstin Rina ist verschwunden.“
„Richtig. Es ist eine Katastrophe. Ich schätze ihren Vater sehr und mache mir außerdem selbst große Sorgen um die liebreizende Fürstin. Sie mag ein wenig geschwätzig sein, doch sie verdient so ein böses Schicksal nicht. Aber gewöhnlichen Soldaten traue ich in der Beziehung auf Fährtenlesen nicht viel zu. Am liebsten würde ich selbst nach ihr suchen, aber ich will Arwen auf keinen Fall alleine lassen, bis sie wieder gesund ist. Außerdem habe ich im Moment sehr viel zu tun.“ Er sah wirklich sehr verzweifelt aus.
Dennoch erschien auf dem Gesicht des Elben ein leichtes Lächeln. „Du willst, daß ich nach ihr suche.“
Aragorn nickte ihm zu und meinte fast entschuldigend: „Ja, darum möchte ich dich bitten.“
„Du weißt, daß ich für einen Elben, eher ein durchschnittlicher Fährtenleser bin.“
„Dennoch liest du Spuren wahrscheinlich besser als jeder Mensch in Gondor mit Ausnahme von mir und vielleicht 1 oder 2 Waldläufern aus Ithilien. Doch bis die gefunden sind, ist viel zuviel Zeit vergangen.“
Der Elb nickte: „Ich werde mich nur noch von Aiko verabschieden und dann aufbrechen.“
„Ich danke dir, Legolas. Du mußt sie einfach finden, sonst wird Fürst Dameros mir das nie verzeihen. Wenn er nicht schon an dem Schock stirbt, daß seine geliebte Tochter verschwunden ist. Er ist doch krank! Deshalb waren die Geschwister ja aufgebrochen.“
„Mach dir keine Sorgen. Ich werde sie schon finden.“
Der Elb verabschiedete sich und ging zu seiner Frau.

„Du willst fort? Und weißt nicht wie lange???“ Aiko war überhaupt nicht begeistert.
„Es tut mir leid, aber ich konnte es einfach nicht ablehnen. Aragorn ist doch mein Freund.“
Aiko atmete tief durch und sagte dann: „Ich will dich begleiten!“
Legolas schüttelte den Kopf: „Ich möchte, daß du bleibst. Hier geht nicht alles mit rechten Dingen zu und du mußt ein Auge darauf haben, besonders auf diesen Amarylon, solange er hier ist.“
„Dann bleibe doch lieber selbst hier und paß auf.“
„An dieser Entführung ist ebenfalls etwas merkwürdiges. Ich traue Amarylon nicht. Vielleicht mißbraucht er seine eigene Schwester für irgendwelche dunklen Zwecke. Möglicherweise ist sie auch gar nicht entführt, sondern unter einem Vorwand fort gelockt worden. Die Frage ist nur, warum? Ich muß das dringend untersuchen. Doch ich befürchte, es ist fast aussichtslos, sie zu finden.“
„Und dann willst du mich alleine lassen? Für nichts?“
„Ich muß. Es tut mir leid, Gîlnya.“
„Also gut. Wann willst du fort?“
„Sofort.“
„WIE BITTE???“
Der Elb mußte lachen: „Nun ja, eine Stunde könnte ich noch bleiben.“
Zärtlich begann er seine Frau zu küssen.

Schließlich war es fast 2 Stunden später, als Legolas endlich zu den Ställen ging. Sein Pferd war längst gesattelt und er stieg auf, um fort zu reiten.
Da hörte er eine ärgerliche Stimme: „ELB, du willst doch wohl nicht alleine reiten?!“
„Gimli, was machst du hier?“
Der Zwerg saß auf einem Heuballen direkt neben der Tür des Stalls, doch Legolas war in Gedanken noch bei seiner Frau gewesen, so daß er ihn nicht bemerkt hatte.
„Ich warte hier auf dich. Was hast du eigentlich so lange gemacht? Oder sollte ich besser nicht fragen?“
„Vielleicht nicht“, meinte der Elb schmunzelnd. „Komm steig auf, wir wollen wieder gemeinsam reiten.“
„Ich hoffe, du ziehst diese Verbindung zum Ringkrieg nicht mit Absicht“, meinte Gimli brummelnd, während ihn ein Stallbursche hinter Legolas aufs Pferd setzte. Anstatt eine Antwort zu geben, trieb der Elb das Tier an.
„Na, das kann ja heiter werden“, seufzte der Zwerg.
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Am Abend saßen Modo und Amarylon zusammen bei einem Glas Wein. Die zwei amüsierten sich königlich über das einfache Gelingen ihres Planes.
„Ihr seid wirklich ein großartiger Schauspieler, Herr Aragorn. Alle haben euch eure Rolle abgekauft.“
„Aber ihr seid auch nicht übel, Amarylon. Es war wirklich herzzerreißend, wie ihr das Märchen von der Entführung eurer Schwester erzähltet. Es gibt wohl keinen, der euch nicht geglaubt hat.“
„Seid euch da mal nicht so sicher. Ich denke, dieser Elb ist mir nicht auf den Leim gegangen. Jedenfalls sah er skeptisch aus. Allerdings verdächtigt er ausschließlich mich und nicht Rina.“
„Macht gar nichts, daß dieser Legolas euch mißtraut. Ich habe ihn aus dem Weg geräumt, indem ich ihn auf die Suche nach eurer Schwester geschickt habe. Den Zwerg hat er praktischer Weise mitgenommen, so daß wir den auch gleich los sind.“
„Und diese Magier, die noch hier sind?“
„Dieses Mädchen Jojo und ihre Eltern sind für uns ebensowenig eine Gefahr wie Aiko. Sie kennen den König alle nicht gut genug, um die Maskerade zu durchschauen. Was sollten sie überhaupt dagegen tun?“
„Aber was ist mit den Elben und der Königin? Ich habe gehört, ihr Vater wäre auch der Ziehvater des Königs. Der könnte schnell etwas merken.“
„Da hast du natürlich recht, doch dafür sind bereits Vorkehrungen getroffen. Ihr erinnert euch sicher an den Auftrag für Rina, einem der Heiler aus den Häusern der Heilung zu becircen?! Dieser wird uns helfen, daß wir die Elben aus der Stadt vertreiben können.“
„Und wie?“
„Besagter Heiler wird die Königin noch heute Abend mit einem leicht bekleidetem Mann in ihrem Zimmer erwischen und ich werde diesem Elben daraufhin sagen, daß er mit seiner Tochter so schnell wie möglich verschwinden soll.“
Sein Plan, den er gerade Amarylon auseinander setzte, wurde in diesem Moment in die Tat umgesetzt. Der Heiler, den Rina für sich gewonnen hatte, war wirklich bereit, für die süße Fürstin alles zu tun. Sobald der angebliche Liebhaber im Zimmer verschwunden war, weckte er den Kräutermeister und einen Elben, der immer in den Häusern schlief, um Herrn Elrond holen zu können, falls etwas mit seiner Tochter war. Der Grund, warum er die beiden weckte, war der, daß er Zeugen brauchte. Und die Ausrede, warum er die zwei holte, war leicht gefunden – er hatte merkwürdige Geräusche aus dem Zimmer der Königin gehört. Beim Eintreten in den Raum machte er die Tür möglichst laut auf, während der angebliche Liebhaber vorhin hinein geschlichen war. Jetzt schreckte Arwen aus dem Schlaf hoch und blickte direkt in das Gesicht eines fremden Mannes, der sich über sie beugte. Ihr Blick glitt tiefer und sie erkannte, daß der Mann nur eine Hose trug. An der Tür standen mehrere Leute.
„Was ist hier los?“ fragte sie verwirrt.
Sie bekam keine Antwort. Der Kräutermeister schickte den Heiler sofort zur Veste, um den König zu holen. Dieser kam mit mehreren Wachen, die den vermeintlichen Liebhaber festnahmen. Währenddessen hatte der Elb Herrn Elrond verständigt, der sofort herbei geeilt war. Natürlich glaubte er die Geschichte von der angeblichen Affäre nicht und ließ sich von Arwen die wahren Ereignisse berichten. Dann ging er zu Aragorn, der zutiefst verletzt wirkte, um ihn zu besänftigen, doch dieser wollte nichts hören. Er wies Herrn Elrond stattdessen an, die Stadt am nächsten Tag mit seiner Tochter und allen anderen Elben zu verlassen. „In spätestens drei Tagen müßt ihr die Grenze Gondors überschritten haben.“
Herr Elrond war entsetzt: „Du kannst Arwen nicht so einfach fort schicken. Sie hat ihre Unsterblichkeit für dich aufgegeben, sie liebt dich sehr.“
„Ich will nichts mehr hören!“ erklärte Aragorn bitter und ging.
„Arwen wird die Reise nicht gut tun. Sie ist noch längst nicht wieder gesund“, sagte der Elb verzweifelt zu Glorfindel, der eben zu ihm trat.
Inzwischen war die halbe Veste auf den Beinen und so hörte zufällig Fürst Faramir, der gerade in Minas Tirith zu Besuch war, Elronds Worte. „Ich werde dafür sorgen, daß euch eine Sänfte für eure Tochter zur Verfügung gestellt wird.“ Er hatte Mitleid mit dem Elben und die Königin verehrte er sehr, so daß auch er an diese Liebschaft nicht glauben mochte: „Ihr solltet euch nicht zu viele Sorgen machen, Herr. Sobald der König wieder ruhig nachdenkt, wird er erkennen, daß diese Sache nur eine Intrige sein kann.“

Ähnliches sagte auch Aiko am Morgen zu Arne und Frodo. Es war noch recht früh, kurz vor dem Morgengrauen, doch das unerhörte Ereignis machte, daß alle Bewohner der Veste bereits auf den Beinen waren.
Letzterer nickte: „Ich werde noch mal mit Aragorn reden. Er ist jetzt sehr verletzt, doch wenn sein Kopf wieder klar ist, wird er sich wünschen, sie nie fortgeschickt zu haben.“
Aber Frodo gelang es nicht, zum König vorzudringen und so mußten sie eine Stunde später zusehen, wie die Elben die Stadt verließen. Zwei Pferde trugen zwischen sich die Sänfte, in der Arwen lag.
Modo betrachtete den Abzug triumphierend. Amarylon stand wieder neben ihm: „Großartig, wie ihr das eingefädelt habt.“
„Nicht wahr?“
„Wirklich famos.“
„Höre Amarylon, ich habe einen Auftrag für dich. Bringe den Stern zu meiner Frau. Fühlst du dich munter genug, um gleich aufzubrechen? Ich weiß es ist noch sehr früh.“
„Es war ein langer und anstrengender Tag gestern und ich habe wenig geschlafen, doch so müde bin ich nicht, daß ich nicht gleich los reiten kann. Ich werde heute nachmittag irgendwo ein paar Stunden schlafen.“
„Gut. Aber sieh zu, daß die Elben dich nicht sehen. Umreite sie lieber! Sie könnten dich vielleicht verfolgen und so die Lage unseres Hauptquartiers heraus bekommen. Meine Frau sollte es mit dem Stern überhaupt besser verlassen und in ihr schönes Heim zurückkehren, daß ich ihr in Eriador geschaffen habe. Es ist mir lieber, sie so weit weg wie möglich zu wissen. Wir können uns in nächster Zeit sowieso nicht sehen.“
„Geht klar. Sonst noch was?“
„Schicke Saruman zu mir. Ich kann seinen Rat gut brauchen. Er muß aber gut getarnt kommen. Richte außerdem den Zwillingen aus, daß sie herkommen sollen. Vielleicht kann ich sie noch brauchen.“
In Wirklichkeit fühlte Modo sich unsicher. Nur, wenn er mehrere seiner Leute um sich hatte, war er ruhig.
Der Fürstensohn verabschiedete sich und ritt bald davon.
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Nun hatte Modo alle aus dem Weg, die Aragorn seit langem kannten. Denen, die den König erst im letzten Ringkrieg kennengelernt hatten, traute er keine Entlarvung zu, doch zur Sicherheit kapselte er sich trotzdem soweit wie möglich ab, was ihm nicht schwer fiel, da er den Verlust seiner Frau vorschieben konnte. Nun, wo er sicher war, mußte er sich anderen Dingen zuwenden. Er traute sich zu, die Rolle des Königs von Gondor nötigenfalls monatelang zu spielen, doch das mußte wirklich nicht sein.
Heimlich bereitete er alles vor, die Heerführer durch von ihm vorher angeworbene Leute zu ersetzen und ebenso jeden wichtigen Posten in Minas Tirith mit diesen zu besetzen. Sie sollten nach und nach ihren Einfluß geltend machen und so die Armee und die Bevölkerung auf seine neuen Vorstellungen trimmen. Da die Soldaten gehorchen gewohnt waren, würde man wohl keine größeren Schwierigkeiten haben und wenn doch, dann half man eben mit ein wenig Zauberei nach. Anschließend sollten die Fürsten Gondors gestürzt werden, worauf der Weg frei war, die Armee Gondors endgültig für seine eigenen Zwecke zu benutzen. Das Stürzen der Fürsten würde sich schwieriger gestalten. Er hatte bereits begonnen, ihre Macht ein wenig einzuschränken, damit mußte er fortfahren. Doch sie anschließend zu stürzen, stellte eine wirkliche Herausforderung dar, denn schließlich herrschten die Fürsten hier seit langen Zeiten, aber Modo machte sich keine Sorgen. Wenn er wollte, konnte er äußerst überzeugend sprechen und er würde dem Volk schon klar machen, daß es ohne seine Fürsten besser dran wäre. Dabei vertraute er auch auf die Hilfe Sarumans, der inzwischen angekommen war. Modo hatte ihn angewiesen, in seinen Gemächern zu bleiben, damit er den Hobbits nicht über den Weg lief, die ihn kannten, doch beriet er sich selbst oft mit ihm und schickte ihm auch manch einen, den es zu überzeugen galt, wenn er selbst keine Zeit hatte.
Wenn alles geschafft war, dann konnte er mit Gondors Armee Mittelerde erobern. Niemand würde den Streitkräften etwas entgegensetzen können, falls er es schaffte, heimlich zu agieren, so daß keiner etwas von den Angriffen ahnte. Außerdem wollte er es noch mal mit Waffen aus der anderen Welt versuchen, er hatte sie schon geordert, sie würden bald kommen und dann konnte er die Armee damit ausstatten.
Modo war so mit seinen Plänen beschäftigt, daß er kaum anderen Dingen Aufmerksamkeit schenken konnte. So entging es ihm, daß Frodo ihn aufmerksam beobachtete.

 

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