Kapitel 15

Die Zuflucht

Legolas hielt mißmutig sein Pferd an. Er und Gimli waren seit einer Woche unterwegs und beide hatten keine besonders gute Laune. Gimli hatte während der letzten Stunden immer wieder ärgerlich Worte in der Zwergensprache in seinen Bart gebrummelt, jetzt wandte er sich an seinen Freund: „Wir sollten zurück nach Minas Tirith reiten. Das ganze hier hat doch keinen Zweck. Alles völliger Unsinn!“
Der Elb drehte sich zu ihm um: „Unser Freund Aragorn hat mich darum gebeten, für ihn zu suchen, weil er bei Arwen bleiben wollte und ich habe es ihm versprochen. Ich kann nicht so einfach aufgeben.“
„Da es keine Fährte zu lesen gibt, haben die Soldaten aus Gondor viel mehr Chancen sie zu finden, da sie sich hier besser auskennen als wir. Oder hast du Gondor inzwischen so gut erforscht?“
„Nein und das weißt du genauso gut wie ich. Aber Rina ist eine nette Frau, wenn sie auch ein paar kleine Fehler hat. Außerdem ist ihr Vater Aragorns Freund und ein Fürst von Gondor. Es wäre eine Beleidigung, wenn er nicht angemessen nach der Fürstin suchen lassen würde.“
„Aber es sind noch genug andere am Suchen! Schon viel zu viele, wenn du mich fragst. Die werden wahrscheinlich halb Gondor doppelt und dreifach absuchen. Wir werden da echt nicht auch noch gebraucht. Oder was meinst du?“
„Ich hab’s nun mal versprochen. Du hättest mich nicht zu begleiten brauchen“, erinnerte der Elb ihn ungeduldig. „Wenn du willst, kannst du absteigen und zurück nach Minas Tirith gehen.“
„Kommt gar nicht in Frage. Ich lasse dich nicht allein. Wer weiß, was du sonst für Unsinn machst,“ knurrte der Zwerg.
„Ich mache nie Unsinn!“ erwiderte Legolas pikiert.
„Ach nein.“
„Jetzt hör mal: Wenn du bei mir bleiben willst, dann hör auf zu meckern! Verstanden?“
„Es regt mich nur auf, wie sinnlos das ist, was wir hier machen.“
„Damit hast du nicht unrecht“, erklärte der Elb. Er war eigentlich derselben Ansicht wie Gimli, ja, er hatte das schon gedacht, als sie Minas Tirith verließen, aber er hatte dem Freund die Bitte einfach nicht abschlagen können. Ärgerlich blickte er hoch zum Himmel. Bis vor kurzem war es noch warm gewesen, doch seit drei Tagen merkte man, daß es Spätherbst war. Der Himmel war mit dunklen Wolken bedeckt und es würde jeden Moment anfangen zu regnen. Legolas wußte, daß es sobald nicht mehr aufhören würde. Und es würde binnen kurzem noch viel viel kälter werden.
„Es dauert jetzt nicht mehr lange, bis es Winter wird.“
„Na prima! Und wir sitzen hier in der Wildnis bei übelstem Wetter ohne jegliche Aussicht auf Erfolg.“
„Du meckerst ja schon wieder! Erinnerst du dich noch daran, was ich dir eben gesagt habe?“
„Also gut! Das Wetter ist prima und die Landschaft toll, außerdem werden wir ganz bestimmt Erfolg haben. Besser?“ maulte der Zwerg.
Legolas lächelte schwach, dann erklärte er seufzend: „Wir sollten weiter reiten.“
„Und wohin?“
„Ich weiß nicht. Irgendwo hin.“
„Sollen wir losen?“ fragte Gimli mit einem ein wenig gequält wirkenden Grinsen.
Jetzt mußte Legolas doch lachen: „Das wäre eine Idee.“
Als er sich wieder beruhigt hatte, doch immer noch keine Antwort gab, sondern nur nachdenklich vor sich hinschaute, wurde der Zwerg so langsam ungeduldig: „Also wohin?“
„Wir reiten einfach mal aufs Gebirge zu. Dort gibt’s die besten Möglichkeiten, sich zu verstecken.“
„Na, wenn du meinst. Ich würde eher annehmen, daß sie Gondor längst verlassen haben, wer immer ‚sie‘ sein mögen, doch was soll’s. Ist sowieso alles egal“, behauptete Gimli resigniert.
„Das ist es nicht. Man sollte nie die Hoffnung aufgeben, sonst hat man überhaupt keine Aussichten auf Erfolg.“
„Die haben wir ja auch nicht. Aber bitte, wenn du meinst, dann hoffe eben.“
Sie ritten weiter.
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Eine Woche zuvor waren Leandhra und Rina auf dem Weg zur Zuflucht. Sie mußten sehr vorsichtig sein, da sie niemand sehen durfte. Deshalb ritten sie nur des Nachts und mußten regelmäßig anhalten, damit Leandhra die verräterischen Hufabdrücke auslöschen konnte. Dann ging es hinauf ins Gebirge, wo sie nach einem Tag endlich die gefährlichen Straßen des gondorischen Volkes verließen. Hinter einer Wand aus scheinbar undurchdringlichem Gebüsch befand sich der Zugang zu einen kleinen Pfad, der niemandem außer ihnen bekannt war. Die Vorsicht, die sie hatten walten lassen müssen, hatte zur Folge, daß sie bisher fast eine Woche gebraucht hatten, wo es eigentlich nur 2 Tagesritte waren, aber nun konnten sie endlich unbeschwerter reiten und vor allem tagsüber. Es waren allerdings trotzdem noch drei bis vier Tagesritte bis zum Ziel, da sie mit dem vielen Gepäck dennoch nicht allzu viel schneller reiten konnten als im Dunkel der Nacht. Die Pferde mußten einfach zuviel schleppen. Aragorn hatte die ganze Zeit gefesselt in der Truhe gelegen. Ohne Bewegung und mit wenig Luft war schon der bisherige Weg eine Qual gewesen, doch nun wurde es durch das Geschüttel auf dem steilen und unebenen Pfad und die stetig weiter zunehmende Kälte beinahe unerträglich. Hinzu kam, daß das Pferd, das ihn trug, schlecht war und sein Gang holprig.
Endlich hielt die Gruppe an. Ein Diener ritt an das Pferd und öffnete die Truhe. Das plötzliche Licht blendete Aragorn, so daß er schmerzlich die Augen schließen mußte.
„Alles in Ordnung“, verkündete der Mann. Er zog eine Wasserflasche heraus und nahm Aragorn den Knebel aus dem Mund, dann gab er ihm zu trinken und etwas Brot zu essen. Anschließend wurde ihm der Knebel wieder in den Mund geschoben. Aragorn litt inzwischen alles ohne sich zu wehren, denn es hätte natürlich keinen Sinn gehabt. Jetzt schloß sich der Deckel und den König umfing wieder Dunkelheit. Am Abend dann hielt die Gruppe an zur nächtlichen Rast und die Truhe wurde abgeladen. Rina befahl einem Diener, dem Gefangenen Essen und Trinken zu geben. Während der Reise sollte er nicht hungern, damit er die Strapazen gut überstand und so gab ihm der Diener (seit sie fort waren von Sheena und den anderen) drei mal am Tag etwas zu Essen. Dabei mußte dieser ihn natürlich füttern, was zusätzlich dadurch erschwert wurde, daß Aragorn die Truhe nicht verlassen und den Kopf nicht höher als den Rand der Truhe heben durfte.
„In drei Tagen sind wir da“, sagte der Diener, wie um ihn zu trösten, doch er erreichte eher das Gegenteil: Aragorn hatte gespürt, wie sie ins Gebirge aufstiegen und das schon seit zwei Tagen. Daher hatte er gehofft, daß sie fast am Ziel waren und er morgen die Truhe endlich würde verlassen können. Wo wollte diese verdammte Rina nur mit ihm hin? Mitten im Gebirge gab es nur wenige Pfade.
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Die ‚Zuflucht‘ war ein kleines Schlößchen mitten in einem scheinbar unzugänglichen Tal. Das Geheimnis dabei war, daß der Eingang zu dem verborgenen Ort hinter der nächsten Bergkette lag. Von dort führte ein unterirdischer Gang durch das Gestein und mündete in den Hof. Dieser Hof war in den Berg hinein geschlagen worden. Dabei hatte man das äußerste Gestein stehen lassen, so daß eine natürliche Wand das Schloß umgab, die das dahinter Liegende nicht vermuten ließ. Auf der Hofseite war sie glatt wie eine Mauer bearbeitet, außerdem hatte man einen Wehrgang und unauffällige Schießscharten hinein geschlagen, so daß man sich, falls doch irgendjemand diese Zuflucht finden sollte, wehren konnte. Modo hatte die Festung außerdem zusätzlich geschützt, indem er den, bisher nur durch Pflanzen verborgenen, Eingang des unterirdischen Ganges mit einem Felsen verschlossen hatte, der sich nur öffnete, wenn ein bestimmtes Paßwort gesagt wurde. Leandhra hatte ihn auf diese Idee gebracht, als sie eines Tages in einer Debatte, an der damals alle Hexen und Zauberer teilnahmen, über Bräuche in der anderen Welt das Märchen von Ali Baba erzählt hatte.
Das Schloß war das vollkommene Gegenteil zu der gewaltigen Masse der Berge ringsum. Es erstrahlte so weiß, daß es schon fast blendete. Die Architektur konnte nur als zierlich bezeichnet werden, man hatte beim Bau alle Ecken vermieden und stattdessen rundliche Übergänge gestaltet, was dem Ganzen ein sehr leichtes Aussehen gab, fast schwerelos. Die Fenster hatten goldene Rahmen und waren selbst mit Goldarbeiten verziert, ebenso das silberne Eingangsportal und die Türen im Inneren. Die Ausstattung war eher einfach, bis auf in den Räumen, die Rina für sich als Wohnung bestimmt hatte, falls sie die Zuflucht einmal brauchen sollte. Wenn man von den Möbeln und den Gebrauchsgegenständen absah, war noch alles so, wie es einst von den Numenorern gebaut worden war. Das war kurz nach ihrer Rückkehr nach Mittelerde gewesen, als man solche Festungen dringend benötigte zum Schutz gegen Sauron. Als jedoch vor etwa 500 Jahren den Eorlingern ein Teil des Reiches abgetreten und Rohan gegründet wurde, lag der Ort plötzlich im Grenzland; hier in der oft unzugänglichen Wildnis verlief die Grenze nicht ganz klar und so wußte man nicht genau, ob das Tal zu Gondor oder zu Rohan gehörte. Außerdem hielt man den Ort, nachdem die Besiegung Saurons schon 2500 Jahre zurück lag, für unnötig und daher war er nach und nach verlassen worden.
Die Familie, die als letztes ging, war in den Lebennin gezogen und wohnte zufällig in derselben kleinen Stadt wie damals Rinas Familie, die damals noch Edelleute waren. Das Wissen um den Ort im Gebirge hatte die Familie als einzige gehütet und von Generation zu Generation weiter gegeben. Rina fiel auf, daß der Großvater regelmäßig mit dem ältesten Enkel verschwand. Sie bandelte mit dem Jüngling an, der etwa in ihrem Alter war. Schnell wußte sie, was sie wissen wollte. Obwohl sie damals noch nicht für Modo arbeitete, hatte sie bereits große Pläne und da diese geheime Stelle im Gebirge ihr eines Tages vielleicht sehr nützlich sein konnte, wollte sie das Geheimnis ganz für sich allein besitzen. Der Weg dorthin machte ihr keine Sorgen. Die gesamte Familie starb kurz darauf an einer Pilzvergiftung.

Das Gebäude hatte drei Stockwerke und einen Keller. In diesem waren die Vorratslager, die Modos Leute gut gefüllt hatten und die Verließe. In ein solches wurde Aragorn gebracht. Doch da Rina es für eine Fürstin unschicklich hielt, in den schmutzigen Kerker herab zu steigen, ließ sie einen fensterlosen Raum im obersten Stockwerk zur Zelle auszubauen. Außerdem war ein Entkommen von dort noch schwieriger als aus dem Verließ, denn man mußte durch das ganze Haus schleichen, während der Kellereingang, der auch zum Kerker führte, außerhalb der Hauses lag. Nach 2 Tagen war es soweit, daß der König in sein neues Gefängnis gebracht werden konnte. Dieses war eine wesentliche Verbesserung zu dem Vorherigen, denn es war trocken und es gab keine Ratten, man hatte sogar ein weiches Bett hinein gestellt, wo er doch vorher auf nassem Stroh gelegen hatte. Dennoch wußte Aragorn, daß der schlimmste Teil seiner Gefangenschaft jetzt erst beginnen würde, denn ab nun würde Rina ihn nicht mehr schonen, dessen war er gewiß. Das Dunkel im Zimmer (er hatte keine Lampe) drückte sein Gemüt immer stärker nieder und er sah seine Situation im schlimmsten Lichte. Er fragte sich, ob er wohl jemals wieder frei sein würde. Das Gelingen von Modos Plänen, schien ihm jedenfalls zum greifen nah. Er konnte nur hoffen, daß Aiko ihren Verwandten vielleicht irgendwie aufhalten konnte. Ob überhaupt jemand einen Unterschied bemerken würde? Dieser Schwarzmagier mußte ein guter Schauspieler sein, sonst hätte er diese Maskerade gar nicht erst riskiert.
Aragorn prüfte durch Tasten die Ketten. Sie waren stabil, ebenso das Mauerwerk, in das sie eingelassen waren. Die Wände waren nicht weniger dick als in den Verließen. So leicht das Gebäude auch wirkte, es war doch massiv gebaut. Ein paar stunden später kam Rina das erste Mal zu Besuch. An der Tür stand ein Stuhl, außer dem Bett einzige Gegenstand in dem Zimmer. Diesen stellte sie gerade soweit vom Bett entfernt auf, daß Aragorn ihn nicht erreichen konnte, die Ketten erlaubten ihm nur, ein wenig vor dem Bett auf und ab zu schreiten.
Die Fürstin hielt ihre Laterne hoch, um Aragorn genau zu betrachten. Der Mann bemerkte die begehrlichen Blicke. Zuerst hüllte er sich in stolzes Schweigen, doch nach ein paar Minuten wurde es ihm zuviel: „Wie lange wollt ihr mich noch anstarren?“
„Ist es nicht angenehm, sich wieder einmal mit einer netten und wunderschönen Frau zu unterhalten?“
„Darauf kann ich verzichten, wenn ihr es seid.“
„Warum seid ihr so unfreundlich zu mir? Ich bin eine Fürstin von Gondor!“ sagte sie mit gespielter Betroffenheit und einem spöttischem Lachen in den Augen.
„Eine Fürstin von Gondor, ja. Eine Fürstin, die ihr Land verraten hat und mit dem Feind gemeinsame Sache macht! Ihr habt meine Frau vergiftet und nicht Jojo, richtig?“
Rina lachte: „Da habt ihr Recht. Und es war so unheimlich einfach, wie übrigens auch die Sabotagen, die ihr dem Mädchen so schnell zuschriebt. Im Fall der Vergiftung war es besonders leicht, den Verdacht auf sie zu lenken. Ich brauchte nur dieses Mädchen in die Nähe eurer Gemächer führen, schon habt ihr sie verdächtigt und niemand ist auf mich gekommen. Das Mädchen war ja so weggetreten, daß sie nichts gemerkt hat. Und die Pralinen zu besorgen war sowieso kein Problem. Das hat ein Küchenjunge für mich erledigt. Der, der später fälschlicherweise wegen des Feuers entlassen wurde.“
„Dieser Junge hat also geholfen, seine Königin zu vergiften. Unglaublich!“ meinte der König kopfschüttelnd. Er hatte den Jungen zwar für dumm aber nicht für bösartig gehalten.
„Davon wußte er nichts. Auch nach dem Vorfall nicht, da ihr das mit den Pralinen in der Öffentlichkeit nicht verlauten lassen habt. Allerdings selbst wenn bezweifle ich, daß er diese Pralinen mit meinen in Zusammenhang bringen würde. Ich habe dem jungen Mann darum gebeten, mir Pralinen mit einem angeblichen Likör zu füllen und er hat mit alles geglaubt, was ich ihm gesagt habe.“
„Dummer Junge“, murmelte Aragorn betroffen.
„Mir widersteht eben kaum ein Mann. Aber eigentlich ist das alles gleich, denn diese Elbin hat ja überlebt. Um so eine Königin wäre es wahrlich nicht schade gewesen. Elbenhure!“
Das war zuviel. Aragorn sprang auf und kämpfte gegen die Ketten an, natürlich ohne Erfolg. Die Frau beobachtete es mit Genugtuung. Es war klar, womit sie Den König treffen konnte und sie würde das später sicher benutzen. Endlich sah der Mann ein, daß er sich mit seinem sinnlosen Kampf höchstens lächerlich machte, daher versuchte er sich zu beruhigen und setzte sich schließlich wieder aufs Bett. Dann fragte er mit mühsam beherrschter Stimme: „Warum seid ihr ohne eure liebe Freundin hierher gegangen? Wollt ihr die Belohnung allein einheimsen?“
Rina mußte wieder lachen: „Sheena? Die gehört nicht zu Modos Leuten. Aber sie war sehr praktisch. In ihrer Begleitung konnte ich alle Fürstentümer bereisen, ohne daß es auffiel. Ich habe Anhänger in jeder Fürstenburg gesammelt. Natürlich war das nicht einfach. Ein paar mal habe ich falsche Leute angesprochen, die uns gefährlich werden konnten und die ich daher beseitigen mußte. Ihr seht, das Gift, das ich eurer Frau gab, war also gut erprobt. Sie ist die Einzige, die es überlebt hat. Bei den Menschen dachte man, sie seien eines natürlichen Todes gestorben, die Symptome der Vergiftung gleichen der einer Grippe. Aber eure Frau kann natürlich nicht krank werden. Dennoch war ich überrascht, daß man es geschafft hat, sie zu retten.“
Aragorn sah sie angewidert an. Diese Frau sprach vom Morden, als handle es sich um etwas ganz Nichtiges. „Abscheulich!“
„Nur weil ich eine Frau bin, die für die Verwirklichung ihrer Ziele kämpft? Dürfen das nur Männer?“
„Einen Mann an eurer Stelle würde ich genauso verachten. Ihr seid wie eine Schlange: kalt und gefühllos!“
Rina lehnte sich lässig zurück und nickte: „Das betrachte ich als Kompliment. Ihr könnt ruhig noch weiter gehen und sagen, ich sei eine giftige Schlange, denn damit habt ihr völlig Recht. Das Gift ist meine Waffe, wie die eure das Schwert ist.“
„Gift ist nicht mit einer Waffe zu vergleichen, sondern niederträchtige Hinterlist.“
„Es ist eine Waffe von Frauen. Wir sind nicht so stark, daher müssen wir zu anderen Mitteln greifen“, behauptete Rina.
„Dann fragt mal Aiko. Sie ist eine Meisterin im Schwertkampf.“
Die Fürstin nickte nachdenklich: „Diese Aiko ist wirklich eine merkwürdige Person. Man muß sie für ihre Stärke einfach bewundern. Und dann bietet sich ihr die Welt auf einem silbernen Tablett und was macht sie? Sie lehnt ab! Wirklich unfaßbar!“ Während dieser Worte war Rina aufgestanden. „Das Gespräch mit euch hat mir gefallen, doch nun muß ich gehen. Ich werde sicher bald wieder kommen.“
„Ich begehre kein weiteres Gespräch mit euch!“
„Schade. Aber wartet nur ein paar Wochen, dann werdet ihr euch nach Gesellschaft sehnen und auch die Meinige nicht verschmähen.“
„Das werden wir ja sehen.“
„Das werden wir!“ sagte Rina schmunzelnd. Das Gespräch hatte ihr gefallen, während Aragorn vor Wut kochte.
Nun ordnete die Fürstin an, daß der Gefangene zwar ausreichend Wasser, doch nur einmal am Tag zu Essen bekommen sollte. Außerdem verfügte sie, daß Leandhra ihm das Essen aus Sicherheitsgründen bringen sollte. Diese ärgerte sich sehr über die überhebliche Fürstin, die es wagte, sie herum zu kommandieren. Als Hexe hatte sie eigentlich genauso viel zu sagen wie die Fürstin. Sie machte nichts dagegen, da sie doch nichts würde ändern können, denn die Diener waren Rina sowieso absolut ergeben und würden auf jeden Fall der Fürstin und nicht ihr gehorchen, aber der Ärger schwelte in ihr und Aragorn merkte das bei ihren täglichen Besuchen, auch wenn sie versuchte, sich möglichst freundlich mit ihm zu unterhalten, während der Mann aß. Sie kam immer am Abend, damit sie Rina nicht über den Weg laufen mußte, die im Nachbarzimmer wohnte und jeden Tag zeitig zu Bett ging, weil sie glaubte, daß ihre Schönheit dadurch noch strahlender wurde, während Leandhra es nur albern fand. Die Fürstin merkte nichts von dem Unmut der Hexe. Sie nahm genaugenommen selten wahr, was die Leute um sie herum fühlten (sofern es nicht in sie verliebte Männer waren), denn für sie zählte nur sie selbst und sie sah sich auch als absoluter Mittelpunkt der Zuflucht.
So ließ sie sich bedienen und genoß das Leben in vollen Zügen, was sie ihrer Meinung auch verdient hatte, wo sie so gute Arbeit in Minas Tirith geleistet hatte.

 

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