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Kapitel 20
Turbulente Weihnachten
„Sind wir bald da?“ brummte Gimli
ärgerlich, als es langsam zu dunkeln begann.
„Bist du müde?“ gab Legolas sofort zurück.
„Ich müde??? Spinnst du? So was, als ob ich...“
Bei den letzten Worten wurde der Zwerg immer leiser und schließlich
war er gar nicht mehr zu verstehen, sondern brummelte nur noch
schlecht gelaunt in seinen Bart.
Aiko erbarmte sich: „Nur noch ein paar Minuten, Gimli.
Sieh nur, dort sind die Baumhäuser der Elben.“
Sie deutete nach rechts, wo nur ein wenig entfernt von der Straße
viele Häuser in den Baumkronen zu sehen waren. Gesang und
Gelächter waren zu hören.
„Wird aber auch Zeit... Ich habe nämlich einen Bärenhunger“,
meinte der Zwerg schnell, bevor sein Freund wieder eine Bemerkung
machen konnte. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen.
„Wo ist denn der Weg geblieben?“ fragte er perplex
und starrte auf die Wiese direkt vor sich. Verwirrt blickte
er ein paar Meter zurück, wo ein kleiner Pfad abzweigte.
„Sind wir zu weit gegangen?“
„Nein, nein, das dahinten ist nur der Weg zu der Weide.
In unserem Garten gibt es keine Wege. Komm nur, Gimli, wir sind
da.“
Aiko und Legolas schritten weiter auf die Wiese und der Zwerg
folgte ihnen, wobei er kopfschüttelnd meinte: „Ihr
spinnt ja total! Keine Wege, so was blödes!“ Er hatte
ziemlich zu kämpfen in dem hohen Schnee.
Sie gingen zwischen den Blumenbeeten hindurch zu dem weißen
Häuschen. Immerhin besserte sich Gimlis Laune jetzt ein
wenig, besonders als ein Elb heraus kam und erklärte, man
habe bereits etwas zu essen aufgetragen.
„Alle Achtung, das war aber schnelle Arbeit. Elben können
zwar weit sehen, aber...“
„Du hast wohl vergessen, daß wir unsere Pferde voraus
geschickt haben, um zu Fuß zu gehen?!“
„Stimmt. War eigentlich eine blöde Idee bei dem Schnee.
Ich könnte einen Becher heißen Wein vertragen.“
„Keine Sorge“, erwiderte der Elb, der sie begrüßt
hatte, lachend, „es gibt heißen Wein und auch Kakao.“
„Was ist das Kako?“
„Das habe ich von zu Hause mitgebracht“, erklärte
Aiko. „Du mußt es mal probieren, es schmeckt wirklich
gut.“
Kurz darauf speisten die drei ganz ausgezeichnet.
„Euer Koch ist wirklich hervorragend“, erklärte
Gimli gönnerhaft, durch seinen vollen Magen besänftigt.
„Ich werd’s ihm ausrichten“, erklärte
Aiko.
Nach dem Essen kamen viele Elben in den Garten, um ihr Königspaar
zu begrüßen. Es gab ein lustiges Fest, während
es wieder zu schneien begann. Die Kälte machte dabei keinem
etwas aus, denn es gab Glühwein in Menge, nur Aiko hielt
sich damit zurück, denn sie wollte sich nicht betrinken.
Elben und Zwerge vertrugen ja vielmehr als Menschen.
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Die vier Helfer, die bei Modo in Minas Tirith gewesen waren,
waren tatsächlich auf die Weise geflohen, wie Arne vermutet
hatte. Bis zur Grenze hielten sie einträchtig zusammen,
doch dann brach Streit aus. Saruman wollte sich in Düsterwald
verstecken, da er glaubte, daß Lenas Versteck bald gefunden
würde. Doch die Diener wollte er gerne bei sich behalten
und versuchte, sie zu überzeugen, bei ihm zu bleiben.
Die Diener waren aber als zumindest ein wenig magisch begabte
Menschen immun gegen seine Stimme.
„Wir müssen zu unserer Herrin zurück und ihr
berichten, was passiert ist“, sagte einer von ihnen.
„Und wer bezahlt euch?“ fragte Saruman gehässig.
„Modo ist tot und von dieser Lena nicht viel zu erwarten.“
„Wir müssen zumindest die Nachricht zu unserer Herrin
bringen.“
„Na gut, wenn ihr euch durch Rohan oder das Nebelgebirge
nach Eriador schleichen wollt in der Gefahr, daß sie euch
erwischen, dann müssen wir uns jetzt trennen.“
Dies geschah. Die drei Diener eilten nach Eriador, um Lenas
Versteck zu erreichen. Diese brach bei der Nachricht völlig
zusammen. Nach langen Tagen völliger Teilnahmslosigkeit
schickte sie alle Diener fort. Ihr Geld verteilte sie unter
ihnen, dann machte sie sich auf und wanderte allein durch Mittelerde,
ohne Ziel und als wäre sie betäubt. Doch tief in ihrem
Inneren gärte Haß und der Wunsch nach Rache wuchs
schnell, um bald hervor zu brechen.
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Währenddessen wußten die drei magischen Diener, die
Modo und Lena am meisten verbunden gewesen waren, nicht, was
sie mit sich anfangen sollten. Sie konnten sich nicht vorstellen,
etwas anderes zu tun, als diesen beiden zu dienen.
„Wir müssen uns an Aiko rächen oder es zumindest
versuchen“, sagte einer von ihnen.
Die anderen stimmten zu.
„Aber wie stellen wir das an?“
„Ja, das wird nicht einfach. Wir sollten nach Ithilien
gehen und schauen, was wir ausrichten können.“
Man nahm den Vorschlag an, auch wenn ihnen wegen den Elben nicht
ganz wohl war.
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Es war der vierte Advent und bald würde Weihnachten sein.
Corinna hatte Urlaub genommen und war erst gestern von ihrer
Tochter hierher geholt worden. Gerade waren sie dabei, Kekse
zu backen, egal was die Elben dazu sagten. Aber die regten sich
sowieso kaum darüber auf, denn sie hatten sich inzwischen
daran gewöhnt, daß ihre Königin anders war als
andere Königinnen.
„Kommt Salim eigentlich?“ fragte ihre Mutter, während
sie ein Blech Plätzchen in den Ofen schob.
„Ja und Jojo habe ich auch eingeladen. Aber ich weiß
nicht, ob sie kommen kann, sie ist noch so schwach. Mehr als
ein paar Tage kann sie die Häuser der Heilung auf keinen
Fall verlassen. Sie kann einem wirklich leid tun. Was sie alles
durchgemacht hat!“
„Was ist denn mit ihren Eltern?“
„Du hast recht. Ich sollte mal hin und sie fragen, ob
sie herkommen wollen. Zu blöd, daß ich daran nicht
gedacht habe, als ich dich holte.“
„Ich hätte noch viel eher daran denken sollen, sie
sind schließlich alte Freunde von mir. Weißt du
was, leih mir einfach den Stern und ich gehe morgen zu ihnen.“
„Oh oh“, grinste Aiko, „eigentlich darf ich
den Stern nicht an andere Hände geben, das solltest du
doch wissen.“
„Meinst du, ich stell was damit an?“ erwiderte ihre
Mutter genauso amüsiert.
„Ach was. Mir ist es doch egal. Aber der Verwandtschaft
vielleicht nicht.“
„Ach, es wird schon keiner meckern, sofern es deine Großmutter
nicht erfährt.“
„Ich werd’s ihr bestimmt nicht verraten. Aber vielleicht
gehst du besser erst am dreiundzwanzigsten Dezember, denn sie
arbeiten doch beide. Ich erwarte euch dann am heiligen Abend.
Ich hoffe, die beiden können kommen.“
„Hast recht“, erklärte Corinna und steckte
sich schnell etwas Teig in den Mund, während Aiko den Ofen
geöffnet hatte und nach den Plätzchen schaute.
Trotzdem hatte sie etwas mitbekommen, denn sie meinte vorwurfsvoll:
„He, du naschst!“
Ihre Mutter mußte lachen: „Macht doch nichts. Wir
haben sowieso viel zu viel Teig. Die ganzen Plätzchen werden
wir nie aufessen können.“
„Oh, wir haben hier doch genug Elben, die uns zur Not
helfen können.“
Plötzlich klirrte es laut und Glassplitter regneten durch
die Küche und ein dunkler Gegenstand verfehlte Aiko nur
knapp. Aiko und ihre Mutter rissen erschrocken die Arme hoch,
um ihre Gesichter zu schützen.
„Da hat jemand einen Stein durchs Fenster geworfen!“
rief die junge Frau fassungslos.
Corinna lief erschrocken zu ihr: „Bist du verletzt, Aiko?“
„Nicht mehr als du. Kleine Schnitte von den Glasscherben,
aber glücklicherweise nichts ernstes.“
„Aber du wärest fast getroffen worden. Das hätte
übel ausgehen können. Ob man dich wirklich treffen
wollte? Oder was es nur Zufall?“
„Ich denke, eher das zweite. Aber wir sollten nachsehen.
Er muß erst die Treppe hinunter und dann in den Wald.
Vielleicht haben wir Glück und derjenige ist noch nicht
im Wald verschwunden.“
Sie rannten hinaus. An der Rückseite des Hauses lief eine
Treppe direkt zur Küche im ersten Stock, damit die Diener
nicht immer durch die Vorhalle in die Küche laufen mußten.
Ein Fenster blickte direkt auf diese Treppe und durch dieses
hatte der Übeltäter den Stein geworfen. Jetzt war
nichts mehr von ihm zu sehen. Er mußte schnell reagiert
und die kurze Erstarrung der Frauen ausgenutzt haben, um zu
verschwinden. Auf der Rückseite des Hauses war der Garten
leider nicht so breit wie auf der anderen Seite und derjenige
hatte nach der Treppe keine zwanzig Meter zurücklegen müssen.
„Vielleicht ein Kind. Es ist nur eine halbe Stunde bis
zum nächsten Dorf“, sagte Aiko unsicher, während
sie von ihrem erhöhten Platz mit den Augen den nahen Waldrand
absuchte.
„Die wagen es, den Elben Streiche zu spielen?“
„Bisher noch nicht, aber irgendwann ist immer das erste
mal. Kinder sind doch oft leichtsinnig und denken nicht über
die Folgen ihrer Taten nach.“
Elben kamen heran gelaufen, weil sie den Krach gehört hatten.
Die beiden Frauen stiegen zu ihnen die Treppe hinab.
„Ist euch etwas passiert?“ rief einer der Elben
entsetzt.
„Nein, nein, keine Sorge. Aber seht zu, ob ihr den Übeltäter
erwischt. Falls es ein Kind war, dann schimpft es tüchtig
aus und laßt es dann laufen. Ein Erwachsener soll uns
zumindest den Schaden ersetzen.“
Ein paar der Elben machten sich auf die Suche nach den Übeltätern,
die anderen begannen, die Küche aufzuräumen. Aiko
wollte helfen, doch das ließen sie nicht zu. Also beschlossen
sie und ihre Mutter, ein wenig spazieren zu gehen. Plätzchen
backen war sowieso erstmal gelaufen, denn den restlichen Teig
konnten sie natürlich nicht mehr verwenden und die Eier
waren ausgegangen, weswegen sie gezwungen waren, bis morgen
zu warten, um weitermachen zu können.
Im winterlichen Wald trafen sie auf Gimli.
„Nanu, ein Zwerg, der im Wald spazieren geht?!“
„Was soll ich denn machen? Hier gibt’s ja nichts
anderes. Aber ab und zu gehe ich auch mal ganz gerne unter den
Bäumen spazieren, weil mich das ein wenig an Lorien und
die Frau Galadriel erinnert... Wohlgemerkt ab und zu!“
fügte er noch schnell hinzu.
Zu dritt spazierten sie weiter. Es war ein kalter aber klarer
Tag und die Sonne schien, daher wanderten sie eine ganze Strecke
fort. So kamen sie in die Nähe des Gebirges Ithiliens Emyn
Armen.
„Wir sollten umkehren“, erklärte Aiko schließlich.
„Wir werden kaum bis zur Dunkelheit zurück sein.“
Gimli drehte sich gerade zu ihr, um zuzustimmen, da sah er,
wie sich auf dem kleinen Abhang neben ihnen ein Fels löste.
Er rutschte hinab, Schnee und andere Steine mit sich reißend.“
„PASS AUF!“ schrie er und riß Aiko fort. Gerade
noch rechtzeitig!
„Man, das war knapp“, meinte Corinna, die schneeweiß
geworden war.
Aiko und der Zwerg waren übereinander gefallen und rappelten
sich jetzt wieder mühsam hoch.
„Was für ein Tag!“ murrte Aiko. „Heute
habe ich wirklich Pech. Aber danke Gimli, du hast mir wahrscheinlich
das Leben gerettet, auch wenn die Lawine nicht groß war.“
„Ach, schon gut. Laßt uns wieder zurück gehen.
irgendwie ist es nicht geheuer hier. Es ist ja so viel Schnee
gefallen, vielleicht lösen sich weitere Lawinen.
Die Frauen stimmten zu und sie machten sich auf den Rückweg.
Kaum hatten sie wieder den Garten betreten,
da kam ein Elb auf sie zu und erklärte, daß man die
Übeltäter, die für den Steinwurf verantwortlich
waren, nicht erwischt hatte. Sie hatten zwar Spuren gefunden
und waren denen gefolgt, aber sie führten zur Straße
nach Osgiliath, die soviel genutzt wurde, daß man dort
im Schneematsch unmöglich noch etwas unterscheiden konnte.
„Es müssen zwei erwachsene Menschen gewesen sein.
Anscheinend sind uns doch nicht alle Gondorer so freundlich
gesinnt, wie wir dachten.“
„Das ist schade“, erwiderte Aiko betrübt.
„Ach, mach dir doch keine Gedanken wegen zwei Idioten.
Das sind bestimmt Ausnahmen“, erklärte Gimli.
„Vielleicht hast du recht.“
Plötzlich drehte sich der Elb, der eben mit ihnen gesprochen
hatte, um und musterte den Wald aufmerksam. „Merkwürdig,
ich hatte eben das Gefühl, das uns ein Mensch beobachtet.
Aber jetzt ist nichts mehr zu merken. Vielleicht habe ich mich
geirrt. Ich schau mal nach.“
Als er unter die Bäume trat, hörte er in der Ferne
ein brechen, als würden Äste abgeknickt. Ein Blick
auf den Boden zeigte ihm, daß hier jemand gestanden hatte
und fortgelaufen war.
„Vielleicht war es einer von denen, die wir verfolgt haben“,
meinte er unsicher, als er zurück kam. „Die Fußgröße
könnte hinkommen und es ist jedenfalls die selbe Sohle.“
„Was können die nur gegen uns haben?“
Wirklich ernst nahm die Sache jedoch keiner von ihnen, da sie
nicht erwarteten, daß sich Leute von Lena hierher nach
Ithilien wagen würden. Erwischte man sie, drohte ihnen
nichts gutes, das wußten diese schließlich
In Wirklichkeit war der fortgelaufene Mensch der dritte Diener.
Er war nicht dabei gewesen, als die beiden anderen den Stein
geschmissen hatten, sondern hatte sich auf der anderen Seite
des Hauses an der Straße versteckt gehalten und gewartet,
daher hatten die Elben seine Spuren nicht finden können.
Als er nun sah, wie Aiko und ihre Mutter sich entfernten, war
er sofort hinterher gegangen. Nachdem der Anschlag mit der Lawine
fehlgeschlagen war, hatte er sie wieder nach Hause verfolgt,
um eine neue Gelegenheit auszumachen. Als er merkte, daß
die Frauen schon kurz hinter dem Ende des Waldes stehen blieben
und mit einem Elben sprachen, wurde er nervös. Ob man seine
Freunde erwischt hatte? Er beobachtete sie nervös, doch
der Elb wurde ihm zum Verhängnis und so mußte auch
er machen, daß er davon kam. So schnell er konnte, rannte
er zur Straße nach Osgiliath. Dort hatten sie an einer
bestimmten Stelle einen Treffpunkt ausgemacht, die leicht wieder
zu erkennen war. Zu seiner Erleichterung traf er dort die anderen.
Sie berichteten sich gegenseitig von ihren Mißerfolgen.
Einer der beiden, die den Stein geworfen hatten, war auf der
Flucht gefallen und hatte sich das Fußgelenk gezerrt.
Daher beschlossen sie, ein paar Tage mit einem erneuten Versuch
zu warten, denn sie mußten schließlich vielleicht
wieder schnell fliehen. Außerdem sie fanden alle drei,
daß sie auf jeden Fall eine Pause gebrauchen konnten.
Sie waren alle nicht sonderlich gut trainiert. Und schließlich
hatten sie ja alle Zeit der Welt, wo niemand mehr wartete, daß
sie ihren Auftrag erfüllten.
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Am Heiligen Abend sollte es gleich drei Ankünfte geben.
Zuerst kam Salim und zwar schon früh morgens. Sie war sehr
aufgeregt, weil sie noch nie ein Weihnachtsfest erlebt hatte
und Aiko doch soviel davon erzählt hatte, aber sie weckte
ihre Schwester und deren Mann nicht, sondern ging über
die hintere Treppe durch die offene Küchentür ins
Haus und ließ sich von den Elben, die dort fast lautlos
beschäftigt waren, einen Becher heißen Tee geben.
Die Elben boten ihr auch schon ein Frühstück an, doch
sie wollte lieber mit ihrer Schwester essen und setzte sich
solange an das Küchenfeuer.
Legolas stand als erster auf. Als er hörte, daß Salim
schon da war, begrüßte er sie herzlich und weckte
anschließend seine Frau.
Dann, als sie beim Frühstück saßen, kamen Aragorn
und Arwen zusammen mit Jojo, die in einer Sänfte ruhte
und noch so schwach war, daß der Mann sie stützen
mußte, als sie ins Haus gingen.
„Hallo, schön daß ihr hier seid. Wollt ihr
auch mit uns feiern?“
„Wenn ihr nichts dagegen habt. Meine Frau würde furchtbar
gerne ein paar Tage bei den Elben verbringen.“
„Wir freuen uns darüber.“
„Nur mit dem Platz wird es knapp“, sagte ein Elb,
der gerade hinter ihnen herein kam. „Wir wollten gerade
für unsere weiteren Gäste Baumhäuser fertig machen
und mußten entdecken, daß es so kalt ist, daß
die Häuser von innen ganz naß sind. Dort kann im
Moment niemand wohnen.“
„Sind die Häuser denn undicht?“ fragte Legolas
erschrocken.
„Undicht nicht, aber wir hätten sie wohl heizen müssen.
Wir versuchen sie jetzt mit einem Kaminfeuer trocken zu kriegen,
doch ich befürchte, das wird jetzt nicht mehr viel bringen.“
„Was machen wir denn jetzt?“ meinte Legolas ratlos.
„Ach, wir können doch hier im Haus wohnen“,
meinte Arwen. „Stellt einfach ein paar Betten im Wohnzimmer
oder im Ballsaal auf. Für ein paar Tage geht das schon.“
Ihr Mann nickte: „Das macht uns sicher nichts. Aber jetzt
sollten wir sehen, daß Jojo sich hinlegen kann.“
Legolas faßte mit an und sie trugen das Mädchen die
Treppe hinauf ins Wohnzimmer. Dort stand schon der Weihnachtsbaum
fertig geschmückt und mit Kerzen bestückt. Jojo wurde
auf die Coach gebettet.
„Wir haben für dich ein Bett in mein Arbeitszimmer
gestellt“, erklärte Aiko. „Du kannst natürlich
auf keinen Fall in einem Baumhaus schlafen. Wir kümmern
uns über die Weihnachtstage um dich.“
„Danke“, sagte Jojo müde, aber mit einem Leuchten
in den Augen. Auch sie freute sich auf das Fest. In letzter
Zeit hatte sie ja wenig zu lachen gehabt. Die größte
Überraschung für sie gab es aber zur Abenddämmerung.
Da kamen nämlich Arne und Julia, die Corinna geholt hatte,
außerdem wurden sie von Jojos Cousin und Cousine begleitet,
zweieiige Zwillinge, die 8 Jahre alt waren.
„Meine Schwester hat sich gewünscht, mal ein ruhiges
Weihnachten zu verbringen“, erklärte Arne. „Das
sind Dominik und Marie.“
„Ich hoffe, sie können Deutsch sprechen. Deine Schwester
wohnt doch in Paris.“
„Keine Sorge. Meine Schwester hat sie genauso zweisprachig
erzogen, wie wir es wurden. Meine Mutter war Deutsche, deshalb
habe ich auch einen Deutschen Namen. Mein Vater hat sich dagegen
immer als Franzose gesehen, obwohl unser Vorfahr ja einst aus
Mittelerde kam.“
„Was ist eigentlich mit Julias Familie?“
„Arnes Familie ist auch meine. Bis auf eine Tante von
mir lebt niemand mehr. Ich komme übrigens aus Köln.
Ich habe Arne durch meine Tante kennen gelernt. Sie ist jeden
Sommer nach Paris gereist. Ich verstehe mich gut mit den Leuten
dort, auch wenn ich nicht gut französisch spreche und in
Arnes Familie niemand außer Arne und seiner Schwester
Deutsch.“
Gimli kam nun von seinem Baumhaus herüber. Sie waren nun
also vollzählig und es war jetzt auch dunkel genug, um
die Kerzen anzuzünden. Der Zwerg betrachtete alles mit
versteckter Neugier. Aragorn und Arwen hatten sehr gute Laune,
sie freuten sich wirklich sehr auf ein paar Tage bei den Elben.
Heute wurde allerdings nur im engsten Kreis gefeiert. Morgen
sollte es draußen ein fest mit allen Elben geben, ein
Winterfest, da Aiko den Elben ihre Traditionen nicht aufdrängen
wollte.
Der Heilige Abend wurde schnell sehr gemütlich. Aiko konnte
sich über viel Lob für ihren Bratapfelkuchen freuen,
den es zum Weihnachtstee gab.
Dann wurde Bescherung gemacht, weil die beiden Kinder es nicht
mehr abwarten konnten. Jeder bekam ein kleines Geschenk, bis
auf Aragorn und Arwen, weil ja niemand damit gerechnet hatte,
daß sie kamen, aber die beiden hatten auch nichts anderes
erwartet und störten sich nicht daran. Die Kinder wurden
mit den meisten Geschenken bedacht, aber auch Jojo wurde reich
beschenkt, vor allem von Aragorn und Arwen, die großen
Anteil an ihrem Schicksal nahmen und außerdem ein wenig
auch zur Entschädigung, weil sie sie ja unschuldig verdächtigt
hatten, Arwen vergiftet zu haben.
Aiko bekam von ihrem Mann ein von ihm selbst gemaltes Gemälde.
Sie küßte ihn strahlend. So ein Geschenk war ihr
lieber als ein Schmuckstück oder ähnliches. „Also
deshalb warst du in den letzten Tagen so oft nicht zu finden!“
erklärte sie verschmitzt. Für ihren Mann hatte sie
ein Kaleidoskop besorgt, genau das richtige Geschenk für
ihn, denn es faszinierte den Elben sehr. „Das ist wirklich
großartig, wie die Farben ineinander fließen!“
meinte er und war kaum von dem Gerät wegzubringen. Als
sie dieses doch endlich geschafft hatten, gab es Abendbrot.
Jojo kam auch mit an den Tisch im Eßzimmer, das glücklicherweise
gleich neben dem Wohnzimmer lag. Es gab Ente mit Rotkohl und
Kartoffelpüree (auf Wunsch der Kinder hatte man die Kartoffeln
schnell noch gestampft). Zum Schluß gab es noch grüne
Götterspeise, die allerdings den Elben und Aragorn nicht
recht zusagte. „Merkwürdig“, murmelte Legolas
nur und ließ die Nachspeise mit dem ungewohnten Geschmack
fast unberührt stehen, ähnlich Aragorn und Arwen.
Doch wegwerfen brauchte man die Götterspeise der drei doch
nicht, denn als die Kinder merkten, daß diese Portionen
nicht aufgegessen wurden, baten sie darum, sie zu bekommen.
„Wie kann einem das nur schmecken?“ fragte Legolas
verständnislos.
Aber dann wurde er durch Jojo abgelenkt, die sich kaum noch
auf ihrem Stuhl halten konnte, so erschöpft war sie. Schnell
brachte der Elb sie zusammen mit Aragorn zu Bett.
Als sie zurückkamen, meinte der König schmunzelnd:
„Das nennst du ein Arbeitszimmer, Aiko? Sehr gemütlich,
wirklich. So sollte mein Arbeitszimmer auch aussehen.“
Die Frau hatte sich ja in ihrem Zimmer eine Leseecke eingerichtet
und zwar so gemütlich, daß ihr Mann und sie dort
öfter saßen als in ihrem Wohnzimmer.
„Neidisch?“ fragte Aiko grinsend.
„Und wie!“ meinte Aragorn lachend, aber dann wurde
er wieder ernst: „Bei der Feier morgen kann sie auf keinen
Fall dabei sein.“
Niemand brauchte zu fragen, wer „sie“ war.
„Das war zu erwarten. Aber es ist schade“, sagte
Aiko. Dann fiel ihr etwas ein: „Wir könnten das Fest
unter den Fenstern von meinem Arbeitszimmern machen. Das Fensterbrett
ist zur Sitzbank ausgebaut. Wenn wir es ihr dort bequem machen,
kann sie dort wenigstens ein bißchen teilhaben.“
Sie saßen noch ein paar Stunden zusammen. Die Kinder schliefen
irgendwann unter dem Weihnachtsbaum ein und wurden ins Bett
getragen. Gegen ein Uhr nachts verabschiedeten sich Gimli und
Corinna schließlich, um ihre Baumhäuser aufzusuchen,
und die anderen gingen zu Bett, bis auf Legolas, der seinen
Freund noch zu seinem Baumhaus begleitete. Alle waren sich einig,
daß es ein wunderschöner Abend gewesen war.
Legolas blieb ein wenig länger fort
als gedacht, denn es war eine wunderschöne Vollmondnacht
und so spazierte er mit seinem Freund noch ein wenig länger
durch den Winterwald, sich lustig mit ihm unterhaltend. Gimli
war wie er bester Laune und so konnten sie kaum ein Ende finden.
Erst als der Himmel sich mit neuen Schneewolken bezog, machten
sie kehrt und gegen vier Uhr schlich Legolas sich endlich
zurück ins Haus. „Hoffentlich hat Aiko nicht auf
mich gewartet“, dachte er schuldbewußt, während
er durch das Wohnzimmer huschte, wo Arne, Julia und die Kinder
schliefen. Den Eßtisch hatte man jetzt in die Küche
getragen und im leer geräumten Eßzimmer nebenan
schliefen dafür Aragorn und Arwen.
Seine Frau schlief glücklicherweise und er legte sich
ebenfalls schnell ins Bett.
Er hatte noch nicht lange geschlafen, als ihn ein Geräusch
weckte.
Es war ein leises Knacken unten im Haus gewesen. Dort unten
lagen nur die Eingangshalle, das Empfangszimmer und der Ballsaal,
wo um diese Uhrzeit niemand etwas verloren hatte. Auch ihre
Gäste nicht, denn die waren ja alle oben einquartiert
(wer hätte auch gerne in dem ungemütlichen Ballsaal
schlafen wollen?) und würden sicher nicht nach unten
gehen, schließlich gab es dort nichts. Seltsam! Was
konnte das sein? Ein ungutes Gefühl trieb ihn aus dem
Bett und hinunter. Dort öffnete er vorsichtig die Tür
zum Ballsaal. Zu seinem Erstaunen sah er, wie drei Menschen
sich dort bewegten und eine übelriechende Flüssigkeit
vergossen. Eine der großen Fenstertüren hatten
sie aufgebrochen. Jetzt riß der Elb die Tür ganz
auf. Die Menschen fuhren erschrocken herum. Einer von ihnen
wollte den Elben angreifen, doch dieser stieß einen
schnellen Warnruf aus, um die anderen zu wecken, und so machten
die drei lieber, daß sie fort kamen.
Legolas setzte ihnen nach, doch einer schleuderte über
die Schulter einen Feuerball, der ihn belehrte, daß
er die Verfolgung doch lieber lassen sollte, auch wenn die
Feuerkugel recht mickrig ausgefallen war. Als er zurück
kam, war Aragorn schon die Treppe hinunter und in den Ballsaal
gekommen, obwohl seit dem Warnruf gerade mal eine Minute vergangen
war. Die Anderen folgten kurz darauf mit Ausnahme von Jojo,
sogar die Kinder kamen erschrocken herbei gelaufen.
„Was ist das für ein fürchterlicher Gestank?“,
fragte Arwen.
„Das ist Öl! Erdöl“, rief Aiko nach
einem kurzen Blick in den Raum. Mein Gott, die wollten das
Haus anzünden! Erdöl brennt sehr gut.“
Legolas erzählte nun von seiner kurzen Verfolgung.
„Es waren drei? Das können nur die magischen Diener
Modos oder besser Lenas sein“, erklärte Aiko. „Die
müssen wir unbedingt erwischen.“
„Hoffnungslos. Es hat wieder zu schneien begonnen und
so stark, daß die Spur zugeschneit ist, bevor wir den
Schlitten klar gemacht haben. Außerdem bräuchten
wir sehr viel Licht, da die Schneeflocken die Nacht noch dunkler
machen.“
„Wir brauchen sie nicht zu verfolgen. Die werden schon
wieder kommen. Wir sollten nur gut wachen lassen, damit wir
ihre Rückkehr mitkriegen.“
Legolas lief los, um ein paar Elben zu holen, während
die anderen wieder zu Bett gingen.
Zuvor fragte Julia noch: „Wo mögen sie das Erdöl
her gehabt haben?“
„Ach, das ist nicht so schwer. Es gibt Erdöl auch
hier in Mittelerde, aber die Leute beachten es nicht wegen
einem üblen Geruch. Es gibt natürlich auch nicht
viele Quellen, die an die Oberfläche treten.“ Als
sie mit ihrem Mann wieder im Schlafzimmer war, fragte sie
verschmitzt: „Na Schatz, wann bist du zurück gekommen?“
„Ehrlich gesagt, erst vor einer halben Stunde“,
gestand der Elb. „Bist du deswegen böse.“
„Blödsinn. Warum sollte ich das sein? Du bist doch
erwachsen und kannst tun, was du willst. Ich war sowieso zu
müde, um noch irgendwas zu machen, du verstehst schon,
was ich meine. Solange du die Nacht nicht bei einer anderen
Frau verbracht hast...“
Legolas zog sie scherzhaft an den Haaren: „So was darfst
du nicht mal denken.“
Aber Aiko blinzelte schalkhaft und meinte: „Oder hast
du was mit Gimli?“
Einen Moment sah der Elb sie völlig fassungslos an. „Mit
einem Zwerg? Und dann auch noch einem Mann? Oh Aiko, du bist
ja so gemein zu mir! Leg dich bloß schlafen.“
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Am nächsten Morgen schlief Aiko ungewöhnlich lang.
Die Aufregung letzte Nacht hatte sie lange nicht schlafen
lassen, so daß sie erst am Morgen in sanften Schlummer
fiel und Legolas schlich sich fort, ohne ihren Schlaf zu stören.
Erst gegen elf Uhr weckte er sie mit einer Tasse Tee und einer
Kleinigkeit zu essen.
„Oh, danke Schatz. Das ist aber lieb. Uaaah, bin ich
noch müde. Wie spät ist es eigentlich?“
„Die fünfte Stunde oder elf Uhr. Du wirst gleich
aufstehen müssen, denn das Festbankett beginnt gleich.“
„So spät schon? Du hättest mich früher
wecken sollen!“
„Ach was. Du konntest ruhig mal ausschlafen Gîlnya“,
erwiderte ihr Mann und küßte sie zärtlich.
Als Aiko eine Stunde später nach unten kam, begann gerade
die Feier. Man hatte einen großen Teil des Gartens vom
Schnee befreit und dort Tafeln aufgestellt. Über einem
Feuer hing ein riesiger Kessel mit Wein und man war gerade
dabei, das Essen aufzutragen. Im übrigen fand das Fest
nicht nur draußen statt, man hatte den Ballsaal noch
letzte Nacht gereinigt und auch dort einen Tisch aufgestellt,
wo die Menschen Platz nahmen. Sie griff die Kälte schließlich
mehr an. Bei ihnen saßen natürlich Arwen und Legolas
und außerdem ein paar ausgewählte Waldelben. Zum
Essen kam auch Jojo hinunter, doch sie genoß nur wenig
und wollte bald wieder nach oben gebracht werden.
Kurz nach dem Ende des Mahles kam dann einer der Wachtposten,
der meldete, er habe drei Männer kommen sehen.
„Wir sind wohl genug Magier, um sie zu fangen“,
meinte Salim.
„Problem ist nur, daß wir nicht wissen, was sie
vorhaben.“
„Werden wir aber bald!“ meinte Aiko und bat den
Elben, sie zu führen.
Doch als sie ankamen, stellten sie fest, daß sie nicht
mehr gebraucht wurden. Ein tollkühner junger Elb war
einfach ohne Erlaubnis auf die Magier losgegangen und die
anderen hatten ihm nicht anders zu helfen gewußt, als
sie zu erschießen.
„Was soll’s“, meinte einer der Elben. „Was
hätten wir mit ihnen anfangen sollen, wenn wir sie gefangen
hätten?! Ich bezweifle, daß man sie hätte
bessern können.“
„Damit sind auch diese Diener für Lena verloren“,
sagte Arne. „Jetzt hat sie niemanden mehr mit magischen
Fähigkeiten. Sie steht nun ganz allein.“
„Hoffen wir, daß wir niemals mehr von ihr hören.“
„Kommt, laßt uns zurück zu den anderen gehen“,
meinte Legolas. Ihm war eigentlich gar nicht mehr nach Feiern
zu Mute, aber sie konnten die Elben nicht enttäuschen,
indem sie fortblieben.
zurück
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