Kapitel 5

Eine böse Überraschung

Aiko und Salim hatten sich abgesprochen, so daß sie gleichzeitig den Gang in die andere Welt betraten und zusammen in Lübeck eintrafen. Ihre Mutter freute sich riesig, die beiden zu sehen, da es ein Samstag war, war sie Zuhause. Sie sprang schnell in ihr Auto und besorgte ein paar Croissants zum Frühstück. Aiko deckte in der Zeit den Tisch und machte Rührei, während Salim sich in Aikos altem Zimmer, das noch unverändert war, neugierig den Inhalt der Schränke und Schubladen ansah. Sie hatte ihre Schwester natürlich vorher um Erlaubnis gefragt.
Beim Essen besprachen sie dann, was sie heute unternehmen wollten.
„Ich würde gern Eis essen gehen. Ich wollte schon immer mal wissen, wie das schmeckt“, erklärte Salim.
„Wir könnten doch in die Eisdiele am Kaufhof gehen, es schmeckt dort einfach prima“, schlug Aiko vor.
„Gute Idee“, stimmte Corinna zu, „Und dann fahren wir in die Stadt und machen einen kleinen Einkaufsbummel.“
„Aber wir haben kein eigenes Geld. Du sollst nicht alles bezahlen“ meinte Aiko verlegen. Einst hatte sie für den Führerschein einiges gespart gehabt, doch das Geld hatte sie für eine Flitterwochenreise mit Legolas ausgegeben. Sie hatte ihm ein wenig von dieser Welt zeigen wollen und so waren sie jeweils ein paar Tage an der Nordsee, in Wien, in Paris und in Südfrankreich gewesen.
Corinna lächelte verschmitzt: „Es ist richtig, daß du dein Erspartes verbraucht hast, allerdings gibt es etwas, was du noch nicht weißt. Deine Großmutter hatte ein Sparbuch für dich angelegt, das du erhalten solltest, wenn du ausziehst. Mir hat sie auch erst vor kurzem davon erzählt. Es sind über 6000€ drauf. Das dürfte für ein paar Jahre reichen. Natürlich müßt ihr redlich teilen, da es nur dieses eine Sparbuch gibt, eure Großmutter wußte ja nichts von Salim.“
„Klar teilen wir. Aber verschwenden sollten wir das Geld auch nicht. Vielleicht können wir es später einmal gebrauchen. Mehr als 200€ sollten wir nicht abheben“, erklärte Aiko.
Corinna nickte: „Das Geld liegt inzwischen auf einem Sparkonto. Wir können also Geld am Automaten abheben.“ Sie suchte 2 EC- Karten heraus, dann machten sie sich auf den Weg. In der Bank bestaunte Salim die merkwürdigen Geräte, während Aiko das Geld abhob.
„Du solltest zusehen, damit du später selber mit deiner EC- Karte Geld abheben kannst“, ermahnte diese ihre Schwester.
„Das kapiere ich sowieso nicht.“
„Es ist ganz einfach. Ich zeig dir noch mal, wie’s geht. Aber schau diesmal zu.“
Die Eisdiele lag nur wenige Meter von der Sparkasse entfernt, so daß sie nicht weit zu laufen hatten.
Salim war vom Eis völlig begeistert. „Schade, daß es so was in Mittelerde nicht gibt. Ich glaube, ich werde öfter her kommen, nur um Eis zu essen.“
Corinna und Aiko mußten lachen. Als sie gingen, holte Salim sich noch eine Waffel mit 2 Eiskugeln, trotz des riesigen Bechers, den sie schon verputzt hatte.
„Paß bloß auf, daß dir nicht schlecht wird“, ermahnte Corinna sie.
Jetzt ging es weiter in die Stadt, wo sie sich ins Einkaufsgetümmel stürzten. Zuerst suchten sie nach ein paar Ausgehklamotten für Salim, denn Aiko wollte mit ihr heute Abend in die Disko gehen. Sie wußte, wo sie wann ihre Freunde vorfinden würde, denen sie endlich ihre Schwester vorstellen wollte. Am Samstag traf ihre Clique sich immer in ihrer Stammdisko und die junge Frau glaubte nicht, daß sich das geändert hatte. So lange war sie ja nun auch noch nicht fort, ihre Hochzeit lag erst etwa 5 Monate zurück. Das Einkaufen mit Salim erinnerte die junge Frau stark an ihre Einkaufstour mit Legolas. Wie dieser damals befühlte sie sämtliche Stoffe und wollte alles einmal anprobieren. Nach zwei Stunden hatten sie endlich etwas gefunden und konnten entspannt durch die Fußgängerzone schlendern. Aiko besorgte sich ein paar Pflegeartikel, die es in Mittelerde nicht gab (wie z.B. ein Deo), auf die sie aber auf keinen Fall verzichten wollte. Inzwischen war es früher Nachmittag und die 3 bekamen Hunger.
„Wie wär’s, wenn wir in der Theaterklause essen? Das ist ein nettes kleines Kneipenrestaurant“, erklärte Aiko ihrer Schwester. Die anderen waren einverstanden. Gerade als sie an der Marienkirche abbiegen wollten, blieb Salim plötzlich wie angewurzelt stehen.
„Was ist denn?“ fragte Aiko.
„Leandhra!“ antwortete ihre Schwester.
„Was? Wo?“
„Da vorne. Sie ist es ganz sicher!“ Sie wies in die Richtung.
„Du hast recht. Sie können also wirklich in diese Welt kommen. Wie machen sie das nur?“ meinte Aiko.
„Vielleicht haben sie Johanna doch gefangen“, murmelte Corinna leise.
„Johanna? Etwa Jojo? Sag bloß, du kennst sie???“ fragte Aiko plötzlich sehr aufgeregt.
„Woher hast du den Namen?“ wollte ihre Mutter erstaunt wissen.
„Ein Mädchen dieses Namens liegt gerade in Minas Tirith in den Häusern der Heilung. Der König von Gondor hat sie gefunden, sie war verletzt und leidet an einem Gedächtnisverlust. Ihr Wissen kommt nur sehr langsam wieder. Es dauert noch viel länger als bei dir damals.“
„Du glaubst gar nicht, wie froh ich über diese Nachrichten bin. Wir hatten gefürchtet, sie sei tot.“
„Wir?“
„Ihre Eltern und ich. Jojo habe ich nie gesehen, aber ich und ihre Eltern kennen uns von früher vor eurer Geburt und wir schreiben uns regelmäßig. Du weißt, Arne und Julia.“
„Oh, die beiden. Du hast mir nie erzählt, daß sie eine Tochter haben.“
„Wirklich nicht? Ich glaube doch, aber du hast dich für die beiden ja auch nie wirklich interessiert, da du die Leute nicht kennst.“
„Und ist ein Stern im Besitz der Familie?“
„Ja, der letzte, der noch außer euren existiert. Es ist wenig bekannt, daß es noch ein drittes Armband gibt, doch in unserer Familie weiß man darüber Bescheid. Übrigens war es in Jojos Familie ebenfalls üblich, daß man den Stern mit 25 Jahren erhält, doch nachdem ich Arne schrieb, daß ihr beide mit euren 19 Jahren bereits die anderen Sterne hütet, hat auch er seiner Tochter sein Armband gegeben.“
„Und warum wissen wir nichts von dem Stern?“
„Nun ja, Salim konnte nichts von dem anderen Armband wissen, weil Gandalf keine Ahnung davon hatte und es ihr also nicht erzählen konnte und Aiko war ja noch nicht eingeweiht, da dieses in unserer Familie gewöhnlich nach dem Beenden der Schule geschah. Dann begann auch der Zauberunterricht, der bei uns gewöhnlich ein Jahr lang dauerte. Danach konnte man ganz normal eine Ausbildung anfangen oder studieren, wie alle anderen jungen Leute.“
„Und die Zeit nachdem ich endlich Bescheid wußte? Ich war doch lange genug hier, bevor ich Legolas geheiratet habe!“
„Ich weiß auch nicht. Ich habe zu dieser Zeit einfach nicht daran gedacht, es gab wichtigeres, als sich über ein paar alte Freunde zu unterhalten. Ich habe mir damals wirklich große Sorgen gemacht um meine Freunde in Mittelerde. Eigentlich wollte ich es euch auf Aikos Hochzeit erzählen, doch da habe ich es schlichtweg vergessen.“
Während dieses Gesprächs waren sie Leandhra mit einem gewissen Abstand gefolgt. Zum Glück drehte die Hexe sich nicht um, so daß sie unentdeckt blieben.
Aiko meinte jetzt kopfschüttelnd: „Ich kapiere nicht, wieso Leandhra nach Lübeck gekommen ist. Sie muß doch damit rechnen, daß sie hier jemandem über den Weg laufen könnte, der sie erkennt.“
„Nicht unbedingt. Mutter kennt sie nicht und daß wir ausgerechnet jetzt hier sind, das hat sie wohl nicht vermutet. In Mittelerde ist schließlich im Moment einiges los. Sieh hat wohl erwartet, daß du deinem Freund Aragorn nicht von der Seite weichen wirst, um ihm beizustehen, Schwesterchen.“
Aiko senkte schuldbewußt den Kopf: „Das hier sollte ja nur ein Besuch für 2 oder 3 Tage werden. Aber ich finde es immer noch merkwürdig, daß Leandhra hier ist. Ich meine, wenn es um Waffengeschäfte geht, ist das hier doch wohl nicht so ganz der richtige Ort dafür, oder? Hier gibt’s keine Waffenfabriken, soweit ich weiß.“
Corinna antwortete nachdenklich: „Lena kennt sich in dieser Gegend bestens aus und weiß, wo sie sicher sind, außerdem hat sie hier viele Freunde. Und falls sie Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Skandinavien gekauft haben, ist das hier der ideale Treffpunkt.“
Leandhra stieg jetzt in einen Bus, vorne da sie noch eine Fahrkarte brauchte. Um nicht entdeckt zu werden, mußten sie es riskieren, schwarz zu fahren und stiegen ganz hinten ein. Die Hexe setzte sich glücklicherweise gleich vorne hinter den Fahrer, so daß sie ihre Verfolger auch jetzt nicht bemerkte. An einer Haltestelle namens Rittbrook stiegen sie wieder aus.
„Wir sind jetzt ganz Nahe am Lauerholz, das ist ein Wald hier.“
In diesen ging’s nun hinein. Sie folgten eine Weile einem Weg, der quer durch den Wald verlief. Kurz bevor sie den anderen Waldesrand erreichten, verließ Leandhra dann den Weg und ging jetzt querfeldein. Außer für Salim wurde die Verfolgung nun schwierig. Von Stamm zu Stamm huschten sie, bemüht, möglichst wenig Geräusche zu verursachen, was erschwert wurde durch die Einkaufstüten, die sie dabei hatten. Unvermittelt erreichten sie plötzlich den Waldesrand. Sie lugten vorsichtig unter den Bäumen hervor. Was sie sahen, verschlug ihnen glatt die Sprache. Etliche Panzer standen dort auf einer Wiese und viele Kisten, die Maschinenpistolen enthielten, wie ihnen eine verriet, die geöffnet war und was einer der Diener in der Hand hielt, sah verdächtig nach einer Bazooka aus. Außerdem waren Militärfahrzeuge dabei.
Jetzt erschien plötzlich Modo mit Lena aus dem Nichts. Die mußten aus dem Gang gekommen sein, den der Stern öffnete. Leandhra trat zu ihnen.
„Seid gegrüßt, Herr und Herrin. Ist alles glatt gelaufen?“
„Ja, alles bestens. Und wie sieht’s hier aus?“
„Die restlichen Panzer, Militärfahrzeuge und der Plastiksprengstoff sind inzwischen fast komplett geliefert worden. Es war ja auch nicht mehr viel. Wir warten nur noch auf einen Panzer, der jeden Moment geliefert werden muß.“
Kaum hatte sie das gesagt, kam ein riesiger Lastwagen durch das an die Wiese angrenzende Feld gewalzt. Dieses lag brach und wies bereits viele dieser Spuren auf. Aus diesem Laster wurde der Panzer vorsichtig heraus gelenkt, dann verschwand der LKW wieder. Nun verlud man die Kisten in die Militärfahrzeuge. Die Panzerführer, anscheinend angeworbene Leute aus dieser Welt, machten sich bereit.
„Was sollen wir tun? Wir können sie doch nicht so einfach verschwinden lassen“, flüsterte Salim.
„Wie willst du es verhindern?“ gab ihre Schwester zurück.
Ihre Mutter wußte Rat: „Wir können jetzt nichts tun, doch wenn wir alle Hexen und Hexer zusammenrufen, die wir kontaktieren können und mit ihnen nach Mittelerde gehen, dann können wir Modo aufhalten.“
„Das ist eine gute Idee und wohl auch das einzige, was wir tun können.“
Sie machten sich auf den Rückweg durch den Wald.
„Wo mögen sie die Panzerlenker her haben?“ fragte Salim.
„Kein Problem hierzulande. Hier gibt’s noch die Wehrpflicht. Die meisten gehen zwar zum Zivildienst, aber es werden noch genug an der Waffe ausgebildet. Und ein paar lernen da sicher auch einen Panzer zu fahren. Nach einer bestimmten Zeit ist dann der Militärdienst beendet und die Leute leben ganz normal weiter.“
„Warum ist hier eigentlich alles so kompliziert?“ fragte Salim, die nur die Hälfte verstanden hatte.
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Corinna saß in einem Wohnzimmer. Neben ihr saß ein Mann, der nur wenig jünger war als sie selbst. Es war ihr Bruder Karl und sie waren bei Jojos Eltern in Freiburg zu Besuch. Sie waren einige Stunden mit der Bahn hierher gefahren, denn sie wollten ihren Freunden die gute Nachricht persönlich überbringen. Gerade war Corinna mit ihrem Bericht zu Ende. Die Mutter Julia weinte vor Erleichterung.
„Ich danke euch, daß ihr sofort zu uns gekommen seid“, sagte Arne, Jojos Vater, ebenfalls sehr bewegt. „Wir werden euch natürlich gegen Modo helfen und auch unsere Verwandten zusammen rufen.“
„Danke.“
„Nichts zu danken. Modo ist ein Schwarzmagier, das geht uns alle was an. So einer bringt alle Hexen und Hexer in Verruf. Wir müssen verhindern, daß er noch mehr Unheil anrichten kann.“
„Können wir uns mit euren Verwandten denn mühelos verständigen? Ich kann nur ganz wenig Französisch.“
Julia und Arne waren erst vor ein paar Jahren aus Frankreich nach Deutschland gezogen.
„Aber Englisch kannst du doch?“
„Natürlich. Ich führe in der Firma öfter Korrespondenz mit England.“
„Dann dürfte die Verständigung kein Problem sein.“
Die deutschen Magier oder Zauberer, wie sie sich hier nannten, waren gut organisiert. So dauerte es nur wenige Tage bis sie alle zusammen gekommen waren, ebenso die Helfer aus Frankreich. Keiner hatte abgesagt, bis auf Aikos Großmutter, die mit ihren 71 Jahren für ein solches Abenteuer inzwischen zu alt war, dennoch waren hier gerade mal 31 Leute versammelt. Man brauchte einen guten Plan, um Modo zu stoppen.
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Aragorn ritt mit einer Schar von 50 Soldaten am Gebirge entlang. So ging es schon seit einigen Stunden und bis jetzt war von den Orks, die sie suchten, nichts zu entdecken gewesen. Dennoch mußten hier welche stecken, ein Späher hatte sie beobachtet. Dummer Weise regnete es in Strömen und die Spuren waren längst in kleinen Bächen verschwunden, so daß sie nun die Umgebung der Stelle absuchen mußten, wo der Späher die Uruks gesehen hatte. Mißmutig trotteten die Pferde durch den Schlamm und auch die Menschen waren bei weitem nicht bei der besten Laune. Doch sie konnten auf keinen Fall aufgeben, sie mußten die Orks finden, bevor sie irgendwelche wehrlosen Bauern angriffen. Es gab mehrere Dörfer hier in der Nähe.
Dann ging auf einmal alles sehr schnell: In einem Gebüsch begann es zu knacken und zu rascheln und darauf sprang eine Rotte Orks hervor. Doch anstatt der erwarteten 30 kamen mindestens hundert Uruk- hai auf sie zu. Die Menschen waren davon völlig überrascht, doch die Stimme des Königs rief sie schnell in Verteidigungsposition und so waren sie bereit, als die Orks sie erreichten. Außerdem waren sie trotz der Überzahl der Feinde im Vorteil, weil sie Reittiere hatten. Aragorn trieb sein Pferd mitten durch den wilden Haufen der Angreifer. Sein Schwert arbeitete unentwegt und seine ganze Konzentration war allein auf die Orks gerichtet. Dadurch merkte er nicht, daß er sich immer weiter von seinen Leuten entfernte. Die Uruks nutzten das sofort aus und drängten sich dazwischen, so daß kein Soldat ihn erreichen konnte. Dann stob plötzlich der ganze Haufen mit ohrenbetäubendem Brüllen in alle Richtungen auseinander. Sofort begaben sich die Menschen auf die Verfolgung und so zerstreuten auch sie sich. Der König konnte es nicht verhindern, sein Befehl zusammen zu bleiben ging im Gebrüll der Orks unter.
Nur 2 Soldaten hatten die Richtung eingeschlagen, in der er stand. Wenigstens diese hielt er auf: „Wir müssen die anderen wieder sammeln. Schnell! Reitet ihnen nach!“
Er war nahe dran sich die Haare zu raufen darüber, daß die Leute so dumm gewesen waren, auf diese plumpe List herein zu fallen. Einzeln waren sie leicht zu besiegen, falls noch mehr Orks in der Gegend waren. Und das stand leider zu befürchten. Die 2 Soldaten ritten fort, während Aragorn blieb, um die zurück kehrenden Leute zu sammeln.
Doch kaum waren seine Gefolgsleute ein paar Minuten fort, da tauchten plötzlich neue Orks auf. Erschrocken wich Aragorn zurück, doch auch von hinten kamen Uruks heran. Sie mußten von Anfang an hier versteckt gewesen sein und den vorherigen Kampf beobachtet haben. Warum hatten sie ihren üblen Spießgesellen nicht geholfen? Das ganze mußte alles zu einem perfiden Plan gehören, der sich von Anfang an allein gegen ihn gerichtet hatte und ihn von möglichst vielen Soldaten hatte trennen sollen.
Die Orks waren so zahlreich, daß Aragorn keinerlei Kampftechnik anwenden konnte, er hackte blindlings mit dem Schwert auf die Orks ein, doch diese schlugen ihrerseits nicht nach ihm sondern streckten ihre Arme aus und versuchten ihn vom Pferd zu ziehen. Sie wollten ihn also fangen! Der Mann ließ sein Pferd tänzeln und ständig in Bewegung bleiben, damit sie ihn nicht greifen konnten. Glücklicherweise war es gut dressiert und versuchte von allein den Zugreifenden nicht die bequeme Seite sonder immer die Vorder- oder Hinterhufe zuzuwenden, was allerdings nicht wirklich klappte, da sie völlig eingeschlossen waren und die Feinde eher Hufschläge in Kauf nahmen als zurückzuweichen. Die Orks wurden zunehmend wütender und begannen immer lauter und lauter zu schreien.
Da erhob sich die Stimme ihres Anführers, ein gedrungener Ork mit besonders häßlicher Fratze: „Der Meister hat gesagt, wenn wir ihn so nicht bekommen können, dann sollen wir ihn in die Arme und Beine schießen. Macht also die Bögen bereit.“
Jetzt wurde es also richtig ernst. Aragorn riß plötzlich sein Pferd herum, so daß es eine Wendung von 180 Grad machte und trieb es an; die Orks, die zuvor in seinem Rücken gestanden hatten, ritt er einfach nieder. Was er damit erreichen wollte, wußte er selber nicht so recht, die Uruks waren zu viele, so daß dieses Manöver kaum Erfolg haben konnte, nur der Überraschungseffekt verschaffte ihm wenige Sekunden. Doch glücklicherweise tauchten in diesem Moment mehrere Soldaten auf, die in der Nähe geblieben waren und das Gebrüll der Uruks gehört hatten und darauf schleunigst umgekehrt waren, da sie ahnten, daß ihr König in Gefahr sei. Sie reagierten sofort und schossen auf die Orks. Diese wandten sich irritiert um, um zurück zu schießen und gaben dem König damit die Gelegenheit aus dem Gewühl heraus zu kommen. Schnell trieb er sein Pferd an und gelangte sicher aus der Reichweite der vielen Orkpfeile, die hinter ihm her schwirrten, doch nicht trafen, weil die Schützen viel zu aufgeregt waren. Er war entkommen, doch nur ganz knapp. Aber warum hatte man ihn nicht getötet, sondern nur gefangen nehmen wollen?
Erst gegen Abend und nach vielen Schwierigkeiten hatten sich alle Soldaten wieder gesammelt. 40 blieben an Ort und Stelle, um die Lage zu beobachten, so weit das möglich war, doch sie hatten den Befehl, sich auf keinerlei Kampfhandlungen einlassen, 10 ritten mit Aragorn zurück nach Minas Tirith, um Verstärkung zu holen.
Das erste, was dieser tat, als er zurückkam, war den Stallburschen, der ihm sein Pferd abnahm, zu fragen, ob Gandalf und Herr Elrond endlich eingetroffen seien. Doch leider war das nicht der Fall und auch von Aiko hatte man nichts gehört.

 

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