Kapitel 8

Sabotage

Aragorn saß wieder einmal in den Häusern der Heilung bei seiner kranken Frau, als ihm gemeldet wurde, daß Prinzessin Sheena und Fürstin Rina in Minas Tirith eingetroffen seien. Erstaunt machte er sich auf den Weg zur Veste, um die beiden Frauen zu begrüßen. Er traf sie noch im Hof mit ihrem Gefolge und etwa 30 Soldaten aus Ithilien. Er runzelte die Stirn - 30 Soldaten, wo noch so viele Orks herum streiften, das war ganz schön leichtsinnig gewesen!
Die Frauen kamen lachend auf ihn zu und begrüßten ihn. Er erwiderte den Gruß höflich, schloß daran jedoch einen Tadel, weil sie hierher gekommen waren.
„Oh, keine Sorge. Wir waren nicht in Gefahr. Der Fürst Faramir und 100 seiner Soldaten haben uns begleitet. Wir haben uns erst am Pelennor von ihm getrennt. Eigentlich bestand ab dort keine Gefahr mehr, dennoch sind zur Sicherheit ein paar Soldaten bei uns geblieben.“
„Nun ja, ich empfinde es trotzdem als ein wenig leichtsinnig. Schließlich dürfte es ja auch keinen wichtigen Grund für diese Reise geben. Man sollte es nicht riskieren, in eine Schlacht zu geraten, nur weil man sich eine Stadt ansehen will.“
„Leider hatten wir einen triftigen Grund hierher zu kommen“, erklärte Rina plötzlich sehr ernst. In ihrer Stimme schwang ein ärgerlicher Unterton mit, der Aragorn sehr verwunderte, denn die Fürstin war wahrlich nur schwer wütend zu machen, die meisten Sachen tat sie mit einem Lachen ab.
„Ist etwas passiert?“ fragte er vorsichtig.
„Oh ja! Es ist eine echte Unverschämtheit. Man hat Sheena in Ithilien nicht gut behandelt. Solange Eowyn oder ich dabei waren, waren natürlich alle freundlich zu ihr, aber wenn man sie alleine traf, dann mußte sie sich Beschimpfungen und böse Worte anhören. Das konnte einfach nicht so weiter gehen. Wir mußten fort.“
Das Gesicht des Königs wurde betrübt: „Das tut mir leid, Prinzessin Sheena. Es macht mich sehr traurig, daß ihr das durchleben mußtet. Hier in Minas Tirith werden solche Dinge bestimmt nicht vorkommen.“
„Hoffentlich“, erklärte Rina energisch, weil ihre Freundin nur leicht den Kopf neigte.
Während die zwei nun mit ihrem Gefolge ihre Zimmer in der Veste bezogen, ließ er den Haus- und Hofmeister zu sich kommen und befahl, daß Sheena besonders bevorzugt werden sollte. Schließlich hatte er einiges an ihr gut zu machen. Etwa eine Stunde später traf er die Frau wieder.
„Ich hoffe, ihr seid zufrieden, Herrin und fühlt euch wohl hier.“
Sheena lächelte: „Oh ja. Die Leute sind hier viel freundlicher zu mir. Und man sorgt sich anscheinend sehr um mein Wohl.“ Bei den letzten Worten schmunzelte sie, denn sie hatte erraten, daß Aragorn dieses befohlen hatte. Dann wechselte sie das Thema: „Gibt es inzwischen irgendwelche Nachrichten, was mit dem Vater eurer Frau passiert ist?“
„Leider nein. Überhaupt scheinen im Moment alle spurlos verschwunden zu sein. Aiko kommt und kommt nicht von dem Besuch bei ihrer Mutter zurück und auch von Legolas hört man nichts. Er wollte eigentlich nicht lange ausbleiben, sondern gleich wieder den Rückweg antreten, sobald er mit den Zwergen gesprochen hatte und bereits vor drei Tagen zurück sein.“
„Das klingt sehr ernst.“
„Ja, das ist es. Es scheint, als hätte der große Kampf mit Modo begonnen.“
Sie schwiegen einen Moment, dann meinte Sheena: „Und wie geht es dem Mädchen? Dieser... Jojo?“
„Ihr Gedächtnis kommt langsam wieder, allerdings sehr langsam. Außerdem langweilt sie sich häufig. Ich habe nicht viel Zeit für sie.“
„Ich könnte mich ein wenig um sie kümmern. Mir würde es Freude machen.“
„Wenn das so ist, dann ist nichts dagegen einzuwenden.“
Er zeigte ihr persönlich den Weg zu den Häusern der Heilung, dann verabschiedete er sich. Sheena beschloß, Jojo sofort zu besuchen und betrat die Häuser. Kurz darauf saß sie bei Jojo und unterhielt sich mit ihr. Die beiden waren sich sehr sympathisch. Jojo konnte sehr lustig erzählen, Sheena mußte einfach lachen ihres eigentlich eher ernstem Wesens zum Trotz. Plötzlich jedoch horchte die Prinzessin auf. Sie hatte einen Laut vernommen, der nicht hierher zu gehören schien. Jetzt hörte sie wieder etwas, es war ein leises Zischen.
„Hörst du das auch, Jojo?“ unterbrach sie die Erzählung des Mädchens.
Diese verstummte und lauschte: „Was mag das sein?“
„Das klingt wie eine Schlange.“
„Was hier???“ meinte Jojo erschrocken. „Ich habe Angst vor Schlangen!“
„Ich hole lieber jemanden“, erwiderte Sheena und eilte aus dem Zimmer zu dem nächsten Heiler, den sie traf.
Dieser schien ihrer Erzählung nicht Recht glauben zu schenken, denn so weit man sich erinnern konnte, hatte es hier noch nie eine Schlange gegeben. Diese Tiere mieden die laute Stadt. Gerade als sie zurück zu Jojos Zimmer kamen, rannte diese mit einem Schrei aus dem Raum.
„Ich habe sie gesehen! Sie war gerade dabei, am Bettpfosten herauf zu kriechen. Ein ekliges Vieh!“
„Du liebe Güte“, murmelte Sheena und schaute durch die geöffnete Tür in den Raum. „Es ist eine Kreuzotter, da bin ich mir ganz sicher. Ziemlich giftig“, erklärte sie.
Der Heiler wurde weiß im Gesicht. Er war ein Meister im Wissen um die Kräuter, aber ein Held war er nicht. Schnell schlug er die Tür zu und meinte: Wir sollten lieber jemanden holen, der sich mit so was auskennt.“
„Gibt es hier denn so jemanden?“
„Ähh... das ist eine gute Frage.“
Schließlich mußte der König bemüht werden, der durch sein früheres Leben natürlich mit derartigen Tieren vertraut war und sie geschickt einfing. In einer kleinen Kiste wurde sie aus der Stadt geschafft, um sie draußen frei zu lassen. Jojo mußte einige Zeit von Aragorn und der Prinzessin zugesprochen werden, bis sie sich endlich wieder in ihr Zimmer begab.
„Wie konntest du mich nur mit diesem Vieh alleine lassen“, schimpfte sie ärgerlich.
Sheena entschuldigte sich: „Es tut mir leid, aber ich habe nicht damit gerechnet, daß eine Kreuzotter hier herum kriecht. Wenn man mal Schlangen in Häusern findet, dann sind es gewöhnlich Blindschleichen, denn Kreuzottern sind sehr scheu.“
„Das haben wir ja gesehen.“
„Es ist ja niemandem etwas passiert“, beschwichtigte Aragorn das aufgebrachte Mädchen.
Es war schon sehr spät in der Nacht als er und die Prinzessin endlich zurück zur Veste gingen.
„Das war eine Aufregung“, meinte der Mann. „Ich brauche dringend ein wenig Ruhe.“
Doch diese sollte er nicht bekommen. Kaum hatte er seine Gemächer betreten, da wurde plötzlich hektisch an seine Tür geklopft.
„Herein.“
Ein völlig verstört wirkender Diener stürzte durch die Tür: „Herr, es brennt! In der Küche!“
„Das ist ja schrecklich! Wir müssen sofort versuchen, es zu löschen.“
„Wir haben bereits Maßnahmen dazu ergriffen. Der Hauptmann der Wache überwacht die Löscharbeiten.“
Aragorn ging schnell mit dem Diener, um zu schauen, wie es aussah. Man hatte eine Löschkette zum Brunnen gebildet und reichte eifrig Eimer hin- und her. Doch das Feuer schien gute Nahrung zu finden und war schwer zu löschen. Immerhin war es entdeckt worden, bevor es richtig schlimm geworden war oder auf andere Teile der Veste übergegriffen hatte. Dies verdankte man allein einem Diener, der nicht hatte schlafen können und ein wenig spazieren gegangen war. Nach einigen Stunden war der Brand endlich unter Kontrolle und gegen Mittag des nächsten Tages war alles völlig gelöscht.
Der König betrachtete sich kurz darauf den Schaden: „Kann man sagen, warum der Brand ausgebrochen ist?“
„Der Küchenjunge hat die Küche zuletzt verlassen, leider ist er nicht ganz zuverlässig“, erklärte der oberste Koch ihm, der bei der Besichtigung anwesend war. „Der Ofen steht auf und er hat anscheinend vergessen, das Feuer darin zu löschen und ein Küchentuch im Inneren liegen lassen, das sich dann entzündet hat. Er hat jedenfalls schon mal einen Lappen im Ofen vergessen, aber da war das Feuer aus, so daß nichts passiert ist.“
„Ist das auch sicher, daß er dafür verantwortlich ist?“
„Nun ja, der Küchenjunge wird das nie zugeben. Er kann sehr überzeugend lügen, wie ich zu meinem Leidwesen schon feststellen mußte. Wir hätten ihn schon vorher raus schmeißen sollen. Er hat sich schon einige derbe Fehler geleistet, aber das ist jetzt wirklich die Krönung.“
Aragorn überlegte noch einen Moment und kam dann zu dem Schluß, daß es sich wirklich um einen Unfall handelte. „Was für ein Glück, daß das Feuer entdeckt wurde, sonst wären viele Leute heute Nacht gestorben.“
„Da habt ihr Recht, Herr.“
„Der Schaden ist jedenfalls nicht so schlimm. In ein paar Tagen dürfte er behoben sein.“
Jetzt kamen Rina und Sheena in die Küche. Sie hatten von der nächtlichen Unruhe nichts mitbekommen und erst jetzt von dem Brand gehört.
Die Fürstin sah sich neugierig um: „Sieht ja toll aus hier. Ein Glück, daß man das Feuer löschen konnte.“
Um Aragorns Mundwinkel erschien ein leises Lächeln: „Nun, glücklicherweise liegen die Schlafgemächer der Damen ja auf der anderen Seite der Veste, wenn der Brand schlimmer geworden wäre, hätte man sie sicher retten können.“
„Aber viele andere wären gestorben.“
Sheena nickte zu den Worten ihrer Freundin. Aber sie dachte an noch etwas anderes. Erst diese Schlange und dann der Brand, konnte das Zufall sein? Nun, man mußte es abwarten. Gab es einen Verräter, dann würde sicher bald wieder etwas passieren. Doch die nächste Woche verging, ohne daß etwas verdächtiges geschah, so daß die Prinzessin sich wieder beruhigte und den Brand doch als Unfall zu sehen begann.
Auch Aragorn, der der Sache ebenfalls nicht so ganz hatte trauen wollen, war beruhigt. Außerdem wurden andere Sorgen immer drängender. Er fürchtete so langsam, daß Gandalf und Elrond tot seien und auch Legolas mußte etwas zugestoßen sein. 3 oder 4 Tage Verspätung hätten vielleicht noch angehen können, wenn sein Freund irgendetwas wichtiges erfuhr und weiter nachforschte, doch mehr war sehr unwahrscheinlich. Ebenso tauchte Aiko immer noch nicht auf, wobei er bei der jungen Frau nicht sicher war, ob sie auch in Schwierigkeiten steckte oder nur etwas länger Urlaub machte. Wenn letzteres der Fall war, dann hatte Aiko sich jedenfalls einen verdammt ungünstigen Zeitpunkt dafür ausgesucht. Auch bei Salim hatte er es ohne Erfolg versucht. Gestern war er bei den Waldelben gewesen, denn Aiko hatte ihm gezeigt, wie ihr Kommunikationssystem funktionierte, so daß er es verwenden konnte, doch Salim meldete sich nicht, da sie ja mit ihrer Schwester und den anderen Magiern gegen Modo ausgezogen war, was der König natürlich nicht wissen konnte. Das einzige, was der König theoretisch hätte tun können, war Soldaten auszuschicken, aber da dieses kaum Erfolg versprach und die Soldaten außerdem alle noch bei der Orkjagd benötigt wurden, waren ihm die Hände gebunden. Dieses zur Untätigkeit verdammt sein, bekam dem ehemaligen Waldläufer überhaupt nicht gut, doch er konnte es nicht ändern.
Rina und Sheena hatten schon lange gemerkt, daß es ihm nicht sonderlich gut ging und versuchten ihn so oft wie möglich abzulenken, doch mit geringem Erfolg.
Aragorn selbst wußte, daß er sich nicht so hängen lassen durfte, doch das sagte sich so einfach. Ein enormer Druck lastete auf ihm. Gedankenverloren setzte er sich auf eine Fensterbank und ließ seinen Blick schweifen, wobei er sich fragte, wie viel ein Mensch aushalten konnte. Erst nach mehreren Minuten bemerkte er, daß Sheena unten auf dem Rande des Beckens unter dem weißen Baum saß. Ein wenig aufmerksamer ließ er seinen Blick weiter schweifen, als der Fürst Faramir den Hof zur Veste betrat. Er war gekommen, um dem König zu berichten, wie die Jagd auf die restlichen verbliebenen Orks von statten ging. Als er Sheena bemerkte, schritt er zu ihr hin, um sie zu begrüßen. Die Prinzessin begrüßte ihn freundlich und er verneigte sich höflich. In diesem Moment kam Aragorn aus der Veste.
„Seid gegrüßt, Faramir.“
„Mein König,“ erwiderte der Mann mit einer Verbeugung.
„Ich hoffe, ihr habt gute Nachrichten für uns, Herr“, meinte Sheena lächelnd.
„Nun ja, wir haben das Problem im Griff, doch es wird noch eine Weile dauern, bis es ganz aus der Welt geschafft ist. Ich befürchte, wenn ihr sehr bald nach Hause wollt, dann wird das kaum möglich sein.“
„Das macht nichts. Ich habe keine Eile. Und ich werde sowieso nicht fortgehen, bevor ich weiß, daß die Königin wieder gesund wird.“
Ein trauriges Lächeln erschien auf Aragorns Gesicht. Aber plötzlich horchte er auf. Er hatte ein leises Knirschen gehört und blickte unwillkürlich hoch. Sie standen direkt unter einem der Fenster nahe des Zugangs zum Hof. Ein Stein aus dem Dauerwerk an der Seite des Fensters schien sich zu bewegen, dann löste er sich plötzlich und stürzte herab. Unglücklicherweise stand Faramir direkt darunter. Der König sprang entsetzt vor und riß den Fürsten zur Seite. Dieser wurde davon völlig überrascht, stolperte und fiel, wobei er Aragorn mit umriß. Der Stein verfehlte sie um Haaresbreite.
Sheena stand wie erstarrt daneben, dann rief sie aus: „Oh mein Gott! Ist euch etwas passiert?“
Die beiden Männer entwirrten sich und standen auf, dann meinte Aragorn: „Es scheint alles in Ordnung zu sein. Ich frage mich nur, wie das passieren konnte.“
„Jedenfalls war es verdammt knapp“, erwiderte Faramir.
„Wir müssen doch einen Verräter in der Veste haben. Es ist nicht der erste seltsame Unfall.“
Der Fürst schüttelte den Kopf: „Das kann ich mir nicht vorstellen, Herr. Wer sollte das sein?“
„Wahrscheinlich jemand von der Dienerschaft, der gekauft worden ist. Mal schauen, ob jemand an diesem Fenster gesehen worden ist.“
„Es muß jemand sein, der sehr kräftig ist“, erklärte Sheena.
Sie hatte recht. Der Stein war ziemlich groß und schwer. Aragorn betrachtete ihn genauer und kam zu dem Schluß, daß er selbst ihn kaum hätte bewegen können. Man mußte nach einem äußerst muskulösen Mann suchen... es sei denn, der Täter war ein Magier beziehungsweise eine Magierin. Der Gedanke war Aragorn sehr unangenehm, denn inzwischen hatte sich herausgestellt, daß Jojo eine Hexe war. Doch das Mädchen lag in den Häusern der Heilung. Gab es eine Möglichkeit für sie, hierher zu kommen, ohne gesehen zu werden? Er wußte ja so wenig von diesen Dingen, also mußte er es zumindest als möglich in Betracht ziehen. Er äußerte seinen Verdacht.
„Und die Schlange hat sie dann auf sich selbst gehetzt?“ fragte die Prinzessin skeptisch.
„Vielleicht sollte die Schlange Arwen beißen, ist jedoch entkommen, bevor das Mädchen eine passende Gelegenheit fand, sie in das Zimmer zu schmuggeln.“
„Für mich klingt das nicht sehr überzeugend“, erklärte der Fürst.
„Für mich auch nicht“, stimmte ihm Sheena zu.
Sie betraten die Veste und unterhielten sich dabei weiter über das Thema, bis sie auf Rina trafen, die bereits merkwürdige Gerüchte vernommen hatte und nun wissen wollte, was eigentlich los war. Erschrocken vernahm sie die Erzählung des Königs.
„Aber das ist ja schrecklich! Was wollt ihr jetzt machen?“
„Ich wüßte nichts, das wir dagegen tun könnten.“
„Ihr könnt doch nicht warten, bis jemand stirbt!“
„Nun beruhigt euch erstmal. Vielleicht traut unser geheimnisvoller Angreifer sich nicht mehr weitere Anschläge zu versuchen, wenn er weiß, daß wir diese nicht mehr für Unfälle halten.“
„Darauf würde ich mich nicht verlassen.“
„Ich werde die Wachen verstärken lassen und den Leuten Wachsamkeit einschärfen. Mehr können wir nicht tun, aber ich denke auch erstmal nicht, daß das nötig sein wird. Wenn alle die Augen offen halten, dürfte es schwer sein, weiter unbemerkt solche Anschläge zu verüben.“
Kurze Zeit später zeigte sich, daß man es anscheinend besonders auf den Fürsten Faramir abgesehen zu haben schien. Er kam plötzlich in Aragorns Arbeitszimmer gestürmt.
„Ist etwas passiert?“ fragte der König erstaunt.
„Stellt euch vor, ich habe Glasscherben in meinem Essen gefunden!“
„Was?“
„Ich habe mir etwas zu Essen kommen lassen. Beinahe hätte ich’s auch gegessen, glücklicherweise fiel mir jedoch auf, daß irgendwelche Klümpchen in der Soße waren und habe mir diese genauer angesehen, da ich durch den Stein mißtrauisch geworden war.“
Einen Moment war der König fassungslos, dann meinte er kopfschüttelnd: „Im Moment scheint sich wirklich alles gegen uns verschworen zu haben. Wir müssen dem üblen Treiben dringend Einhalt gebieten. Aber für euch scheint es hier besonders gefährlich zu sein. Es ist vielleicht besser, wenn ihr Minas Tirith wieder verlaßt.“
„Das würde bedeuten, daß wir uns geschlagen geben. Das gefällt mir nicht.“
„Habt ihr eine Idee, was wir tun könnten?“
Faramir sann eine Weile nach, dann meinte er: „Meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, daß das Mädchen die Häuser der Heilung verlassen kann. Wenn ihr also wirklich glaubt, daß sie dahinter steckt, dann sollten wir versuchen heraus zu finden, ob sie in letzter Zeit von jemandem aus der Dienerschaft besucht wurde.“
„Versuchen können wir’s.“
„Warum laßt ihr eigentlich das Mädchen so völlig unbehelligt?“ fragte Faramir stirnrunzelnd.
Aragorn stand auf und begann unruhig auf und ab zu schreiten. „Weil sie nichts dafür kann“, antwortete er. „Modo ist ein übermächtiger Magier, versteht ihr?“
„Nicht so ganz.“
„Wir haben es bereits erlebt, daß Modo andere Menschen verzaubert hatte, um sie für seine bösen Zwecke zu mißbrauchen. Ihr erinnert euch vielleicht noch daran, wie mein Vetter Rando mich einst nach Eriador gelockt hat.“
„Aber wie wollt ihr dann in Zukunft verhindern, daß weitere Dinge passieren?“
„Wir werden sehen.“
Nach einigem Nachforschen ergab es sich tatsächlich, daß ein Soldat der Veste öfter zu Besuch bei Jojo gewesen war und dieser auch noch ungewöhnlich kräftige Ausmaße hatte.
Man verwies diesen sofort der Stadt und ordnete an, daß niemand außer den Heilern, dem König oder Sheena zu dem Mädchen dürfe.
Jojo freilich trauerte dem Mann hinterher, denn sie langweilte sich oft und die anderen konnten ja nicht ständig bei ihr sein. Laut ihrer Aussage war der Mann aus eigenem Antrieb zu ihr gekommen, nur um ihr ein wenig Gesellschaft zu leisten und sie hätten sich gut verstanden.
Jedenfalls schienen die Maßnahmen Erfolg zu haben, denn ab sofort herrschte Ruhe. Doch Aragorn traute dem Frieden nicht so ganz. Er hatte den Soldaten, den man für die Taten verantwortlich machte, nur verbannt, weil auch er verzaubert sein konnte (für so eine Tätigkeit würde Modo wohl keinen seiner Helfer riskieren), aber er fürchtete, daß der Schwarzmagier längst Verbündete in der Veste hatte. Und nicht nur dort, sondern im ganzen Land.

 

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