Prolog

Auszug aus einem Zauberbuch aus dem Jahre 2941 des dritten Zeitalters:


" DIE KUNDE VON DEN STERNEN"

Dieses Kapitel beschäftigt sich nicht mit der Astronomie, wie Unkundige vermuten würden, sondern handelt von den mächtigsten magischen Gegenständen, die je ein Zauberer erschaffen hat. Doch auch den Magiern ist häufig nicht mehr bekannt, als daß die Sterne einen Gang in die Welt öffnen, die in der Sprache der Magier als ‚Edea‘ bezeichnet wird. Daher gebe ich hier zunächst ein paar Erklärungen, die Aussehen und Benutzung betreffen.
Die Sterne sind goldene Armbänder, die folgendermaßen gestaltet sind: Vier Schlangen halten einen großen sternförmigen Rubin. Diese Schlangen haben Augen, die aus je 5 Smaragden in Form von Blütenblättern bestehen. Je zwei Schlangenköpfe sind auf einer Seite des Sterns angebracht, es sieht aus, als würden sie in die Spitzen der Zacken des Sterns beißen, die Leiber der beiden Schlangen winden sich umeinander. Ein richtiger Verschluß ist nicht zu erkennen, man legt einfach die beiden Enden übereinander und die vier Schlangen verbinden sich. So passt sich das Armband der Größe des Arms des Trägers an.
In den Blütenaugen der Schlangenköpfe soll der mysteriöse Zauber eingebettet sein, der Rubin konzentriert die Magie und gibt diese Kraft auf Befehl seines Hüters ab. Dabei wird berichtet, daß es nicht unbedingt notwendig ist, den Stern am Arm zu tragen, um den Zauber zu rufen, doch ist nicht bekannt, auf welche Weise die Hüter den Stern aktivieren. Auch kann nicht jede Hexe oder jeder Hexer die Sterne gebrauchen, weil nur wenige Auserwählte die Kraft dazu haben; ganz selten kommt es vor, daß ein sehr mächtiger Magier, der nicht mit dieser Kraft ausgestattet ist, sie dennoch zumindest bedingt benutzen kann.
Geschaffen wurden die Sterne von dem berühmtesten Magier aller Zeiten, der hier Thalaind genannt wurde, in Edea aber Merlin hieß. Thalaind ist Sindarin und bedeutet ‚starker Geist‘, ein äußerst passender Name, denn nie hat es einen mächtigeren Zauberer gegeben (in Edea spricht man von Zauberern, während bei uns der Ausdruck seit dem Auftauchen der Istari auf diese bezogen und nicht mehr für uns Magier verwendet wird). Thalaind war der Einzigste, der je die Macht hatte, sich ohne magische Hilfsmittel zwischen den Welten zu bewegen und so kam er als erster aus Edea zu uns, um hier zum Guten zu wirken. Er wurde wesentlich älter als gewöhnliche Menschen, doch auch seine Lebenszeit war nicht unbegrenzt. Als er das Alter, das sein Aussehen schon lange zeigte, auch zu spüren begann, da schuf er die Sterne, damit die Verbindung zwischen den beiden Welten ewig bestehen bleibe. Insgesamt waren es fünf Armbänder. Zwei davon wurden in seiner Familie weitervererbt, 3 schenkte er in Mittelerde seinen treuesten Helfern, die sich im Kampf gegen das Böse bewährt hatten und die er für vertrauenswürdig hielt. In diese pflanzte er auch die Begabung, die Sterne benutzen zu können. Wie es möglich ist, daß sich diese Gabe immer weiter vererbt, darüber können wir geringeren Geister nur spekulieren. Ich persönlich mag mich zu einem solch unsicheren Thema nicht äußern, wer näheres darüber erfahren will, dem empfehle ich das Werk ‚Übersinnliche Magie‘.
Leider sind die Armbänder Mittelerdes allesamt vernichtet, es existieren nur noch die Sterne, die in Thalainds Familie weitergegeben werden. Sie waren in Edea nicht ganz so vielen Wirren ausgesetzt, schon allein aufgrund der Tatsache, daß die nicht- magischen Menschen in Edea nichts von der Existenz der Magie wissen. Das war allerdings nicht immer so, es gab viele Kriege und sogar Hexenverfolgungen dort, eine Grausamkeit, die wir von unseren Mitmenschen glücklicherweise nie erfahren haben. Aber die Merkmale, die man den Magiern zuschrieb waren so grundfalsch, daß man nur selten eine echte Hexe – es waren hauptsächlich Frauen, die verfolgt wurden – hinrichtete. So überlebten dort die meisten Magier, auch in den Kriegen, aus denen sie sich so gut wie möglich heraus hielten. Hier jedoch, wo die meisten von uns einst in Wilderland wohnten, das vor ein paar hundert Jahren ständig von Orks unsicher gemacht wurde, bis die dortigen Bewohner flohen, verschwanden die Armbänder, da sie, wenn sie diesen widerlichen Kreaturen in die Hände fielen, von diesen als magische Gegenstände erkannt und daher gefürchtet wurden. Unkundig darüber, wie wertvoll diese Kleinode für den dunklen Herrscher hätten sein können, der doch nur geschwächt und nicht besiegt ist, was die meisten anderen Wesen in Mittelerde leider nicht wahrnehmen wollen, zerstörten sie sie. Erst in jüngster Zeit sind wieder erste Menschen nach Wilderland gekommen, Magier bisher noch nicht, denn die Familien von uns, die damals dort wohnten, sind allesamt vernichtet, wie ihre 3 Sterne. Für die Gerüchte, daß eins der Armbänder der Vernichtung auf irgendeine Weise entgangen sei, konnte ich keinerlei Beweise finden, es gibt nicht den kleinsten Hinweis für die Existenz eines Sterns in Mittelerde. Daher denke ich, mit gutem Gewissen behaupten zu können, daß nur noch die zwei Armbänder aus Edea vorhanden sind...“

WIRKLICH?
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Lange Zeit zuvor im Jahre 2720:

Es war Nacht geworden. Glora lag in ihrem Bett und betrachtete die Decke. Aus irgendeinem Grund hatte sie das Gefühl von heraufziehendem Unheil. Nervös stand sie auf und ging zu ihrem Schrank, um aus einem Geheimfach den Stern zu nehmen und ihn zu betrachten. Sie war erst seit wenigen Tagen Hüterin und mit ihrer Aufgabe noch nicht richtig vertraut. Wahrscheinlich löste diese Tatsache die unguten Gefühle in ihr aus. Sie sollte wieder schlafen gehen! Sie legte das Armband zurück in sein Versteck und schloß es wieder. Falls sie überfallen werden würden, würde es hier niemand finden, denn das Fach umgab ein Verschleierungszauber, der nur auf sie und ihre Familienmitglieder nicht wirkte. Plötzlich hörte Glora draußen Lärm. Erschrocken lief sie zu ihrer Zimmertür und öffnete diese. Direkt vor ihr erblickte sie die schreckliche Fratze eines Orks. Vor Entsetzen war sie unfähig, sich zu bewegen...

Thana, der jüngste Bruder Gloras, kam zurück vom Angeln. Die ganze Nacht war er am Anduin gewesen, nun lief er in der Morgendämmerung mit reicher Beute heim. Gut gelaunt und leise singend näherte er sich seinem Heimatdorf, doch dann erstarrte er – das Dorf existierte nicht mehr! Es war komplett bis auf die Grundmauern niedergebrannt und keine Spur von einem Lebewesen war zu erkennen. Wie betäubt schritt Thana durch die Überreste dessen, was ihm lieb und teuer gewesen war. Auf einmal bemerkte er ein Blinken in der Asche. Er ging hin und fand den Stern, der das Feuer unversehrt überstanden hatte. Endlich begann er zu begreifen, was passiert war: „Sie sind alle tot!“ Lange stand er dort von Trauer und Gram gebeugt, dann ging er in den, das ehemalige Dorf umgebenden, Wald und warf sich auf ein Lager aus Farn, wo er tagelang einfach nur dalag. Nur zweimal wachte er aus seiner Lethargie auf und trank etwas Wasser im nahe gelegenen Bach.
Nach einer Woche schreckte er aus einem besonders tiefen Schlaf hoch. Zum ersten Mal spürte er die herbstliche Kälte in seinen Gliedern und den Hunger. Er setzte sich auf und beobachtete die dahin ziehenden Wolken, während sein Magen vernehmlich knurrte. So konnte es nicht weiter gehen! Doch wo sollte er hin?
Nach einigem Überlegen beschloß er, Mittelerde zu verlassen, denn hier würde ihn alles an seine verlorene Familie erinnern. In Europa wurde er durch seine großen Kenntnisse über Kräuter ein angesehener Arzt. Bald wohnte er in Paris, wo er heiratete und einen Sohn bekam, der den Stern erbte.

300 Jahre später ging der Stern wieder einmal auf einen neuen Hüter über...

 

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