Die neue FF aus meiner Feder… Es geht hier um den Ringkrieg, oder besser um die zeit vor der grossen Schlacht aus der Sicht eines einfachen Kriegers aus Faramirs Garde. Lang wird sie nicht, höchstens 6 Kapitel…
wie immer: was tolkien gehört, gehört ihm, der rest © mein krankes hirn
viel spass!

Tod eines Kriegers

Teil I – „Das Luftholen vor dem grossen Sprung“

Während ich das dunkle Brot ass, beobachtete sie mich. Jede meiner Bewegungen schien sie sich genau einzuprägen, als wären diese so besonders wichtig, dass sie sie in ihrem Kopf für lange Zeit behalten müsste.
Ich legte die schon etwas trockene Brotscheibe auf den Tisch und schaute auf. Sie lächelte ein wenig, und fragte unvermittelt:
„Bleibst du jetzt da?“
Ich legte den Kopf auf die Seite, wiegte die Antwort ab, und fand mich zu einem Kompromiss:
„Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht, wie die Befehle lauten.“
„Bleib, bitte bleib. Melde dich für die Wache an. Geh nicht nochmal nach draussen, in diese verfluchte Stadt.“
Ich stand auf und ging in den Stall. Mein Pferd stand mit hängendem Kopf da, und schaute nur müde auf, als ich den Stall betrat. Fundo hiess er, er war ein gutes Pferd. Doch nach dem wilden Ritt von Osgiliath hierher war er erschöpft und verängstigt. Ich ging hin zu ihm und strich ihm über seine weichen Nüstern. Er schnaubte leise.
„Wollen wir hoffen dass du nicht noch einmal einen solchen Einsatz zeigen musst.“
Nur knapp waren wir heute dem Tod entgangen. Nur durch Fundos Schnilligkeit waren wir den Klauen der Bestie entgangen.
Doch ich wollte nicht mehr daran denken und wandte den Kopf zur Seite, schloss die Augen. Wie wenn ich dadurch die Realität verdrängen konnte. Lisha fürchtete nicht umsonst. Der Krieg hatte erst begonnen, es war erst der Anfang. Und auch ich verspürte Furcht, sie nagte in mir, und zog mir von Zeit zu Zeit, einfach so, die Magengegend zusammen. Doch wer verspürte schon keine Furcht? Jeder noch so tapfere Krieger fürchtete sich vor den schwarzen Mauern im Osten, vor dem unausweichlichen Krieg. Doch diese Furcht gab Antrieb, aus dieser Furcht entwickelte sich der verzweifelte Mut, dieser grosse, unschlagbare Mut, der nur aus der blanken Angst entstehen kann. Und mit dieser Angst, diesem Todesmut mussten wir die Feinde schlagen. An ein Versagen wagte niemand zu denken, denn diese Gedanken raubten sogar den Todesmut.
Ich dachte an Lisha, meine kleine Lisha. Sie war so naiv, und doch so weise. Sie dachte, in diesen Mauern wäre ich geschützter, als auf dem freien Feld. Doch die Todeschancen standen überall gleich. Gleich hoch. Dass es ein Wunder wäre, wenn ich unverletzt zurückkehren würde, dies wusste sie, tief in ihrem Innern, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie es absichtlich vermied, viel Zeit mit mir zu verbringen. Wie wenn sie sich jetzt schon von mir abgewöhnen würde, damit es nicht so schwer würde, wenn ich nicht mehr wäre.
Aber was dachte ich. Diese Gedanken sind verboten, für einen Krieger.
Fundo senkte den Kopf und begann Stroh zu fressen. Eine Weile lauschte ich seinen malmenden Kiefern, dann ging ich hinaus, trat auf die Strasse. Ich blickte mich um, und sog die laue Abendluft ein. Dann beschloss ich, einen kleinen Spaziergang zu machen, durch den dritten Ring, den Ring der Handwerker. Ich mochte den dritten Ring. Die Atmossphäre zwischen den Handwerken war so friedlich, und abends so ausgelassen. Im vierten Ring, wo ich mit Lisha wohnte, war dies anders. Da wohnten viele Krieger, und das Ambiente war meistens etwas angespannt. Natürlich aber nicht, wenn ein Sieg errungen worden war. Da wurde sogar ausgelassener als bei den Handwerkern gefeiert.
Doch zu dieser abendlichen Stunde war es sogar im dritten Ring bedrückend. Alles war so ruhig und irgendwie bedrohlich. Die Handwerker arbeiteten nicht, alle fähigen Männer waren zum Kriegsdienst einberufen worden.
Ich ging langsam durch die verlassen Gassen. Die Fenster waren dunkel, nur hinter einzelnen war der schwache Schein einer Kerze zu erkennen. Dort wurde hefitg diskutiert, flüsternd, als ob schon jetzt Spione in der Stadt wären.
Ihre Probleme waren nun andere. Nicht mehr das Gesindel des ersten Rings das manchmal Brot klaute, nein, die Gefahren waren grösser. Und manch einer der Bürger konnte es sich nicht vorstellen, es war zu gross, zu mächtig, zu kompliziert. Die Bürger waren überfordert mit der Situation.
Ich war zu Anfang auch überfordert gewesen. Ich hatte es mir nicht vorstellen können, was hinter den mächtigen schwarzen Mauern im Osten vor sich ging. Doch mit dem Dienste unter Faramir, den Streifzügen durch das trügerisch schöne Ithilien und die Verteidigung von Osgiliath, hatte ich eine Ahnung von dem ganzen Ausmass des Krieges bekommen. Und nun, nach diesem mörderischen Ritt über den Pelennor, und die knappe Rettung durch den weissen Zauberer, wusste ich plötzlich Bescheid über die Gefahr, die von den meisten als geringer eingeschätzt wurde. Und nicht zuletzt wusste ich, dass dieser Krieg durch die Einnahme Osgiliaths erst richtig begonnen hatte.
Mir schauderte, es wurde kühl. Und plötzlich zog sich wieder mein Magen zusammen.
Ich drehte um und stieg wieder in den vierten Ring. Ich ging schneller, und hastete nach Hause. Als ich vor der Haustüre angekommen war, war ich ganz ausser Atem. Ich blieb stehen, horchte in mich hinein, aber das Ziehen in der Magengegend war noch da.

© 2004 by nadja

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