Vergesst Saddam!

UN- Kontrolleure auf Mission in Mittelerde: Dürfen wir unter SARUMANS ROCK die unmenschlichste Vernichtungswaffe der Welt inspizieren?


Die UNO hat ein Ende des mörderischen Ringkrieges in Mittelerde gefordert. In einer Resolution heißt es: „Einen dritten teil des kinoreifen Gemetzels darf es nicht geben.“ Sauron, böser Herrscher Mordors, wird ultimativ aufgefordert, dem Ringträger Frodo den ungehinderten Zugang zu den Schicksalsklüften des Vulkans Orodruin und damit die Vernichtung des unseligen Ringes zu ermöglichen. Nur so werde ein dauerhafter Frieden in Mittelerde erreicht. Sauron weist dies als „völkerrechtswidrige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Mittelerdes“ zurück. Unterdessen hat die NATO angekündigt, die UN- Resolution notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Amerikanische und britische Elitesoldaten sollen bereits in Mordor operieren.
Ausgerechnet in dieser brisanten Situation erhalten wir den Auftrag, eines der bestgehüteten Geheimnisse Mittelerdes zu lüften: Was trägt eigentlich Saruman, der korrupte Handlanger Saurons, unter seinem albernen Gewand? Schon sitzen wir in einem der „Fliegenden Särge“ der Mittle- Earth- Airlines, der einzigen Fluggesellschaft, die überhaupt noch in das Krisengebiet fliegt, landen nach 33-stündigem Flug (inklusive eines Tankstopps in Transsylvanien) auf Sauron- Airport, dem Zentralflughafen Isengarts.
Kurz darauf steigen wir gespannt wie ein Elben- Flitzebogen die 27 Stufen zum Eingang des lakritzschwarzen Orthanc hinauf, dem Wohnsitz Sarumans. Ein stinkender Ork, der in der Turmlobby gerade ein rohes Pony verschlingt, lässt uns grunzend eintreten. Im Fahrstuhl geht’s rauf in den 121. Stock, wo uns der Laufbursche Sarumans, Gríma Schlangenzunge, empfängt: „Der Chef duscht eben noch. Sie müssen sich einen Moment gedulden.“ Er plaziert uns vor einem Palantir, einem sehenden Stein, über dessen Bildschirm gerade das böseste aller Programme flimmert: eine Talkshow mit Fliege. Dann ist es soweit: Frisch shampooniert, das nasse Haar mit einem flauschigen Badetuch aus Zwergenbartflaum umwickelt, ansonsten aber nackt wie ein Grottenlurch, betritt Saruman den Raum. Hier endlich streift der altersmeise Zauberer sein nachthemdartiges Gewand über und gibt so – ganz nebenbei – sein letztes Geheimnis preis: Ja, es ist wahr. Saruman trägt nichts drunter. Unter seinem Kaftan ist er nackt, wie ihn Gott (bzw. Tolkien) alt, faltig und hängesackig werden ließ.
Erst jetzt nimmt uns der alte Zausel wahr: „Aah, die Presse“, säuselt er, „willkommen im Orthanc.“ Dann schnippt er mit den Fingern. Flugs erscheinen einige Orks, die Friseusen des Bösen, bekannt auch als Fribösen, und machen sich sogleich an dem Greis zu schaffen. Hei, wie sie ihm die langen Zippeln fröhlich kämmen, wie sie ihm den Bart bekraulen, ihn mani- und auch pediküren und ihm zuletzt sogar den Grind aus den Ohren schaben. „Wie sie sehen“, ächzt Saruman unter den Wonnen dieser Anwendungen, ein Leben als Bösewicht ist nicht unbedingt das schlechteste, das man führen kann.“ Es sind seine letzten Worte. Blendgranaten zerfetzen die heimelige Stille, militärische Befehle bellen durch den Frisiersalon, der Rest ist Kugelhagel. In null Komma nichts gleicht Saruman einem immerhin frisch frisierten Sieb. Seine Fribösen aber entpuppen sich als schwer bewaffnete US- Marines, Schlangenzunge enttarnt sich als britischer Elitekämpfer. Einen Turm weiter, in Barad- dûr, erledigen unterdessen amerikanische Special Forces den feueräugigen Sauron. Wir aber melden der Redaktion: „Sauron und Saruman terminiert. Krieg in Mittelerde beigelegt. Die ‚Ringe‘- Trilogie muß wohl neu geschrieben werden.“ Die Redaktion indes kabelt zurück: „Peter Jackson sitzt bereits daran.“

Text: Fritz Tietz

 

zurück

 
     

 

About. Art. Interaktiv. Argolas.