Interview mit Elijah Wood
Elijah Wood weiß jetzt schon, daß die
Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ zu den
wichtigen Ereignissen seiner Karriere gehören. Drei
Jahre danach sind die Erinnerungen daran immer noch genauso
lebendig. Wir haben ihn deshalb darum gebeten, sie mit
den Lesern der One zu teilen...
Welche Rolle bevorzugst du in der Trilogie?
Zweifellos die von Gollum. Ich bin von
dieser Rolle regelrecht fasziniert, seit ich „Der
kleine Hobbit“ gelesen habe. Von allen Büchern
von Tolkien ist das sicherlich die Rolle, die mir am besten
gefällt. Vor allem die tragische Seite gefällt
mir gut an ihm. Der Ring hat ihm fast alle Menschlichkeit
genommen, aber selbst wenn ihn das böse verzehrt,
so hat er noch einen guten Kern...
Hattest du bei den Dreharbeiten für drei Filme jemals
Heimweh?
Einmal. Die Dreharbeiten liefen seit
zwei Monaten und Weihnachten stand vor der Tür. Der
Rhythmus war irrsinnig und ich hatte nur einen Gedanken
im Kopf: Weihnachten zu Hause mit einer Mutter im Kreise
meiner Familie zu verbringen. Damals fiel es mir richtig
schwer, aufzustehen und vor der Kamera mein bestes zu
geben. Glücklicherweise konnte ich mich kurze Zeit
danach in den Ferien ein wenig erholen. Das war wirklich
das einzige Mal, daß ich Heimweh hatte...
Hast du häufig zu Hause angerufen und von dir hören
lassen?
Nein, eigentlich nicht. Ich fühlte
mich wirklich gut und hatte nicht das Bedürfnis,
zu Hause anzurufen. Ich habe meine Freiheit sehr genossen.
Zum ersten Mal stand ich auf eigenen Füßen,
das hat mir geholfen, schneller erwachsen zu werden.
Wo hast du während der Dreharbeiten gewohnt?
Ich wohnte in einem Haus am Meer, ganz
in der Nähe eines kleinen Dorfes. Es war ruhig und
schön... dort ging ich gleich in ein kleines Restaurant
namens Matterhorn, wo man die besten die Eier mit Speck
auf der Welt essen kann! Ich habe ein ganz tolles Souvenir
daran.
Und wie war dein Komfort, hattest du alles, was du brauchtest?
Ja, bis auf einige Nahrungsmittel, die
man dort nicht bekommt. Was mich allerdings am meisten
störte, war die Tatsache, daß ich auf Neuerscheinungen
im Kino warten mußte. Filme, die in den USA bereits
im Kino liefen, erschienen dort erst Monate später,
was ziemlich ärgerlich war. Außerdem gehe ich
gerne in Konzerte und dort ergaben sich nicht viele Gelegenheiten
dazu, da die Musikszene in Neuseeland nicht besonders
reich bestückt ist...
Uns ist bekannt, daß du ein großer Musikfan
bist. Wenn du eine Platte auf eine einsame Insel mitnehmen
müßtest, welche wäre das?
Das ist eine gemeine Frage! Ich mag Platten
so sehr, daß ich unfähig wäre, eine auszusuchen...
Aber ich glaube, ich würde mich doch für das
„White Album“ der Beatles entscheiden...
Und deine Lieblingsfilme?
Noch so eine schwierige Frage... Ich
kann mich wirklich nicht entscheiden, es gibt so viele
Filme, die mir gut gefallen... einer meiner Lieblingsfilme
ist „Delikatessen“ von Jean- Pierre Jeunet.
Alls seine Filme gefallen mir gut. „Bottle Rocket“,
„Rushmore“, „Harvey“ und „Der
große Sprung“ der Gebrüder Coen gehören
auch zu meinen Lieblingsfilmen.
Und deine Lieblingsbücher?
Auf alle Fälle „Drakula“
von Bram Stocker. Aber auch „Fahrenheit 451“
und die „Mars- Chroniken“ von Ray Bradbury,
„House of Leavenes“ von Danielwski und „American
Psycho“ von Brett Easton Ellis. Ich mag alle möglichen
Bücher und lese unheimlich gern...
Hast du bereits unangenehme Erfahrungen mit Fans gemacht?
Vor einigen Jahren, als ich so ungefähr
14 Jahre alt war, hat meine Mutter entschieden, daß
wir von Los Angeles in eine Kleinstadt nach Kalifornien
umziehen. Da ich bereits bekannt war, glaubte sie, daß
ich dort ungestörter sei. Das Gegenteil davon ist
allerdings eingetreten. Jeden Abend schliefen Kinder vor
unserem Haus, in der Hoffnung, ein Autogramm zu ergattern.
das war ziemlich nervig. Am schlimmsten war jedoch, daß
uns Nachbarn, die wir nicht einmal kannten, zum Geburtstag
ihrer Kinder eingeladen haben... Das hat das Faß
zum Überlaufen gebracht. Kurz danach sind wir wieder
weggezogen.
Du hast zugegeben, daß du seit der Scheidung deiner
Eltern mit deinem Vater zerstritten warst. Hast du dich
zwischenzeitlich mit ihm versöhnt?
Mehr oder weniger. Das letzte Mal habe
ich ihn vor acht Jahren gesehen, allerdings habe ich seit
Weihnachten 2001 wieder Kontakt zu ihm. Ich brauchte ziemlich
viel Mut, um dich dazu durchzuringen. Wir haben über
die Familie und über „Die Gefährten“
gesprochen, der Film war damals gerade erschienen. Er
sagte mir, daß er stolz auf mich sei und auf das,
was ich im Film gemacht habe. Das hat mich gefreut. Ich
habe es nicht bereut, den ersten Schritt gemacht zu haben.
Ich hoffe, daß unsere Beziehung zukünftig besser
wird...
ONE
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