Ian McKellen

Seit einigen Jahren versucht Ian McKellen immer wieder unter Beweis zu stellen, daß sich sein schauspielerisches Talent nicht auf dramatische Rollen beschränkt. Durch die Rolle von Gandalf konnte er endlich den Beweis liefern, daß er auch bei Action- Szenen eine gute Figur macht. Im Anschluß an die Trilogie hat er sogar in einer Episode von den „Simpsons“ mitgespielt! Hier ein Interview mit einem Schauspieler, der über ein äußerst facettenreiches Talent verfügt.

In die „Rückkehr des Königs“ gehen sie geradezu meisterhaft mit dem Schwert um. Haben Sie sich im Vorfeld der Dreharbeiten darauf vorbereitet?

Nicht wirklich. Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, mit einem Schwert umzugehen. Am Theater war ich daran gewöhnt, Soldaten zu spielen. Als Shakespeare- Darsteller habe ich Jago, Coriolanus und Richard III gespielt, alles Männer, die hervorragend mit Waffen umzugehen wissen. In „Peter Pan“ spielte ich die Rolle von Kapitän Hook, auch er geht ausgezeichnet mit einem Schwert um. Bei den Dreharbeiten zur Trilogie hat mir technische Leiter der Stunts ein Schwert in die Hand gedrückt – das Weitere war kein Problem für mich und sehr hilfreich, um Gandalfs kämpferische Seite betonen zu können.


Haben Ihnen Fans nach der Trilogie besondere Komplimente gemacht?

Eine junge Frau hat mir gesagt, daß sie Gandalf sehr sexy findet. Ich war überrascht, denn ich habe bisher nicht gerade viel auf mein Sex- Appeal gegeben. Man machte mir bislang eher Komplimente für meine schauspielerischen Leistungen als für mein Aussehen! (Lachen)


Was gefällt Ihnen am besten an der Geschichte „Die Rückkehr des Königs“?

Die Tatsache, daß alle Beteiligten auf Probe gestellt werden. Gandalf und die anderen machen extrem harte Zeiten durch, die aber gleichzeitig ihre positiven Eigenschaften hervorheben. Werden sie überleben? Werden sie ihrer Verantwortung gerecht werden? Der Film gibt Antworten auf all diese Fragen und regt den Zuschauer an, darüber nachzudenken, wie er an der Stelle der Filmprotagonisten agiert hätte.


„Die Rückkehr des Königs“ enthält brutalere Szenen als die ersten beiden Filme. Befürchten Sie nicht, daß durch die Kampfszenen die Werte in den Hintergrund geraten, die die Trilogie verteidigen will?

Nein, denn über diesen großen Schlachten hinaus geht es in der Geschichte um Mut und Freundschaft und darum, Wege und Mittel zu finden, die Kräfte des Bösen und der Einfalt zu besiegen. Ich glaube, daß die Geschichte auch weiterhin ein breites Publikum anspricht, dabei ist nicht nur das Thema wichtig, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Geschichte nahe gebracht wird. Peter ist ein genialer Geschichtenerzähler. Deshalb sind seine Filme genauso populär wie die Bücher es heute noch sind.


Einige sehen in „Der Herr der Ringe“ ein zutiefst politisches Werk. Was denken sie darüber?

Ich bin sicherlich nicht der einzige meiner Generation -ich wurde 1939 geboren- der denkt, daß es sich um eine Anspielung auf die politischen Verhältnisse zu Tolkiens Zeiten handelt. Er war bereits im ersten Weltkrieg Soldat und schrieb „Der Herr der Ringe“ während des zweiten Weltkriegs, als sein Sohn in Nordfrankreich an der Front war. Ich glaube nicht, daß es heutzutage viele Saurons gibt, 1939 aber gab es einen. Er versuchte, wie eine Spinne die Welt von Mitteleuropa aus zu kontrollieren. Seine Gegner haben sich aber dann allerdings zu einer mächtigen Koalition zusammengeschlossen und ihn besiegt. Auf die gleiche Weise stürzt Sauron in „Die Rückkehr des Königs“, als sich alle Kräfte aus Mittelerde unter der Führung von Aragorn, Theoden und Gandalf zu einer mächtigen Koalition zusammenschließen.


Wie und wo haben Sie sich für Gandalfs Rolle inspiriert?

Ich vermute an den gleichen literarischen Figuren wie Tolkien, z. B. an dem berühmten Zauberer Merlin („König Arthur und die Ritter der Tafelrunde“) oder auch an Prospero, eine der Hauptfiguren in Shakespeares „Sturm“. Aber trotzdem ist Gandalf einzigartig.


Allerdings könnte man in der Trilogie fast von zwei verschiedenen Gandalfs sprechen...

Bei der Interpretation dieser Rolle habe ich in der Tat zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten gespielt: Gandalf der Graue und Gandalf der Weiße. Ich bevorzuge Gandalf den Grauen, da er der menschlichere der beiden ist. Er raucht gerne Pfeife und verbringt seine Zeit mit seinen Freunden, den Hobbits. Er spannte gerne aus und ist immer zu einem Späßchen aufgelegt. In der Episode „Die Gefährten“ ist er wie ein Vagabund angezogen. Man merkt, daß er zuviel Zeit damit verbracht hat, im Wald zu faulenzen (Lachen). Gandalf der Weiße geht völlig in seiner Mission auf. Er will seine Aufgabe erfüllen und sie nicht für eine Sekunde aus den Augen lassen. In „Die Rückkehr des Königs“ koordinierte er die Verteidigung von Minas Tirith. Die Schlacht ist ausschlaggebend, denn von ihrem Ausgang hängt die Zukunft von Mittelerde ab...


In einer Episode der „Simpsons“ haben sie ihre Stimme ausgeliehen...

Ja, es handelt sich um eine Episode, in der die Simpsons sich nach England begeben und dort die königliche Familie, den Premierminister und einen Theaterschauspieler treffen. Es hat mir gut gefallen, mich über mich lustig zu machen und die snobistische Seite einiger Schauspieler zu parodieren.

 

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