Der Herr der Ringe Die zwei Türme

Endlich. Das ultimative Abenteuer geht weiter. Mit dem ersten Teil seiner perfekten Verfilmung von Tolkiens Epos führte Peter Jackson das Kino in eine neue Ära. Jetzt öffnet sich zum zweiten Mal das Panoramafenster Richtung Mittelerde. "Was Die zwei Türme von den Gefährten unterscheidet?" beantwortet Jackson die meistgestellte Frage zur Zeit. "Nun - alles ist noch ein bisschen größer, schöner und spannender."
Frodo Beutlin muss im zweiten Teil der bombastischen Fantasy - Trilogie die Zähne ordentlich zusammenbeißen: Während Sarumans Armee von Super- Orks zur Ausrottung der Menschen von Mittelerde losstürmt, versucht er, Saurons Schattengestalten zu entkommen und gleichzeitig der verführerischen Macht des Rings, den er vernichten muss, zu wiederstehen. Vier Oscars, 13 Nominierungen, Box - Office - Rekorde, euphorische Kritiken. Und was noch viel mehr erzählt: viele Millionen wahr gewordener Träume. "Auch der kleinste Hobbit kann den Lauf der Welt verändern", sagte die Elbenkönigin Galadriel - und sollte Recht behalten: Der erste Teil der epischen Heldenreise von Elijah Wood als Hobbit Frodo Beutlin veränderte in der Tat die Welt des Kinos, wie wir sie kennen - und restaurierte den Glauben an die einzige Wahrheit der Leinwand: Nichts ist unmöglich. Tolkiens Roman- Trilogie Der Herr der Ringe galt wegen seiner Komplexität als nahezu unverfilmbar. Der Neuseeländer Peter Jackson bewies, dass seine Fantasie durchaus mit der Vorstellungskraft des legendären Autors mithalten kann. "Es hat sich also doch ausgezahlt, dass ich mich und meine fast 2500 Mitarbeiter fünf Jahre lang durch die Hölle geschleift habe!" grinst der manische Film-Freak. "Aber eines ist sicher: Ich mache dies garantiert nicht noch einmal." Wir allerdings haben den größten Teil des Abenteuers noch vor uns. Die Gefährten, der erste Teil der Trilogie, erzählte, wie der Hobbit Frodo vom Zauberer Gandalf (Ian McKellen) mit der Aufgabe seines Lebens konfrontiert wurde: Er ist auserkoren, den "Einen Ring" zu vernichten, den der finstere Sauron einst geschaffen hatte, um absolute Macht zu erlangen. Das kann nur dort geschehen, wo das unheilvolle Schmuckstück entstanden ist: mitten in Mordor, dem Reich Saurons. Trotz des enormen Erfolgsdruck- versagt er, übernimmt das Böse die Macht der Welt- macht sich Frodo auf den Weg und versammelt eine Truppe von heldenhaften Mitstreitern um sich: die Hobbits Sam Gamdschie (Sean Astin), Merry Brandybock (Dominic Monaghan) und Pippin Tuk (Billy Boyd), den mysteriösen Aragorn (Viggo Mortensen), den Elben Legolas (Orlando Bloom), den Zwerg Gimli (John Rhys-Davies) und den Menschenkrieger Boromir. Aber eine Heldenreise ist bekanntlich kein Spaziergang. Gandalf, der weise Zauberer, stürzte in die endlosen Abgründe der Minen von Moria, und Boromir, geblendet von der Gier nach dem Ring, wurde von Orks getötet. Am Schluss des ersten Teiles ist die kleine Reisegesellschaft versprengt: Frodo, verstört von der zerstörerischen Macht des Rings, machte sich heimlich davon- nur begleitet von Sam, der ihn nicht alleine ziehen lassen wollte. Merry und Pippin wurden von den Orks gefangen genommen - und Aragorn, Gimli und Legolas reiten los, sie zu befreien. Frodo und Sam ziehen also alleine Richtung Mordor weiter - allerdings nicht lange. Erst heimlich, dann immer offensichtlicher verfolgt sie ein seltsames Wesen: Gollum. Für Jahrhunderte war der Ring im besitz Gollums gewesen- und hat ihn zur bloßen Kreatur degradiert, die nur von der Gier nach seinem "Ein und alles", dem Ring, getrieben wird. Gollum bietet Frodo seine Dienste an: Er will ihn durch das schwarze Tor Mordors führen. Währenddessen machen Aragorn, Legolas und Gimli auf der Suche nach den Hobbits eine freudige Entdeckung: Gandalf lebt. Er ist aus dem Jenseits zurückgekommen, strahlend und mächtiger als je zuvor. Seine Macht wird er allerdings auch brauchen: Das Böse hat zwischen zwei Türmen eine Spange über Mittelerde gezogen- zwischen Saurons Barad - Dur in Mordor und Orthanc, der finsteren Residenz des auf der Seite des Bösen übergewechselten Zauberers Saruman (Christopher Lee). Das nächste Ziel der finsteren Mächte ist die Vernichtung der Menschen in Mittelerde: Das Reitervolk von Rohirrim und das uralte Königreich von Gondor sollen fallen. Mit einer Armee von 10.000 Super- Orks, den Uruk- Hai, will Saruman die Rohirrim einfach überrennen. Er hat allerdings nicht mit Gandalfs einzigartiger Motivationstechnik gerechnet... Der Weg ist das Ziel : Das zentrale Thema von Der Herr der Ringe: Die zwei Türme ist die Riese der Gefährtenschaft. Dementsprechend ist alles und jeder ständig in Bewegung. "Die Logistik war bei diesem Film fast schwieriger als die künstliche Umsetzung", meint Peter Jackson. "Ich musste eine Armee von allen möglichen Leuten herumdirigieren: Schauspieler, Techniker, Designer, Programmierer, Waffenschmiede, Steinmetze, Sprachwissenschaftler, Visagisten, Modellbauer - und dazu noch 26.00 Statisten!" Zum logischen Aufwand kam der digitale - 800 Szenen aus Die zwei Türme entstandenen Computer. Fast alle der atemberaubenden Bauten wurden zwar wirklich an Drehorten in Neuseeland errichtet- in Originalgröße oder Maßstabsgetreu verkleinert. Um Tolkiens Fabelwesen zum Leben zu erwecken, lies Jackson aber die preisgekrönten Experten seiner CGI - Company WETA ran: Für die spektakuläre Schlacht von Helms Klamm etwa kam eine revolutionäre neue Software zum Einsatz, die auch bei Massenszenen jedem computergenerierten Wesen eine eigene künstliche Intelligenz verleiht. Und zwar der Wichtigste Der Herr der Ringe- Neueinsteiger entstanden ebenfalls zur Gänze im Computer: Baumbart, ein uralter Baum, der sprechen und gehen kann- und das Wesen Gollum, das auch im letzten Teil der Trilogie Die Rückkehr des Königs (zu sehen Ende 2003) eine zentrale Rolle spielen wird.
Auf der Suche nach den entführten Hobbits treffen Aragorn, Legolas und Gimli den Zauberer wieder. ER wird eine Schlüsselposition in der Verteidigung der Stadt Rohen einnehmen - seine magischen Kräfte sind unverzichtbare Säule im Wiederstand gegen das finstere Bündnis der Türme Orthanc und Barad - Dur.

 

The Good, The Bad & The Ugly
Alle VIPs aus Mittelerde

Frodo Beutlin (Elijah Wood)
Ein kleiner Hobbit muss den Lauf der Welt verändern. Wood: "Im zweiten Teil seiner Reise erkennt Frodo die zerstörerische Macht des Rings - und läuft in Gefahr, ihr zu verfallen." Im richtigen Leben verfiel der Neo- Superstar handfesteren Versuchung: Germanys coolsten Kino- Export Franka Potente.

Gandalf (Ian McKellen)
Als Gandalf der Graue fiel er in Teil 1 in den Abgrund, als Gandalf der Weiße taucht die mächtige Vaterfigur in Teil 2 wieder auf. "Gandalf ist unsterblich. Wie ein Samurai führt er seine Leute in den Kampf gegen das Böse!" Die Magie lässt Ian McKellen nicht los: Nach dem Tod von Richard Harris wurde ihm auch die Rolle als Harry Potters Schuldirektor Dumbledore angeboten.

Aragorn (Viggo Mortensen)
Der fesche Aragorn, nach dem Tod von Boromir einziger Mensch in der Reisegruppe, bricht in Die zwei türme gleich zwei Herzen: Die Elbenprinzessin Arwen und die Kriegerin Eowyn verfallen dem Mittelerde - Macho.

Arwen Undomiel (Liv Tyler)
Im Buch die zwei Türme kommt Arwen eigentlich nicht vor. Im Film dafür die schöne Elbin allerdings für Herzschmerz sorgen. "Aber keine Angst, es wird nicht kitschig", lacht Tyler. "Schließlich gibt es in Mittelerde wichtigere Dinge zu tun, als rumzuschmusen. Wer will schon Liebesschwüre hören, wenn das Gemetzel ruft?"

Legolas (Orlando Bloom)
Der zweite Posterboy der Herr der Ringe- Heldenrunde: Der Brite Orlando Bloom als Elben - Fighter Legolas ist der erklärte Liebling der weiblichen Fans. Besonders, seit bekannt wurde, dass er auch ohne die spitzen Ohren ziemlich süß aussieht.

Saruman (Christopher Lee)
Einst war als weiser Zauberer der Boss von Gandalf, dann wechselte er auf die Seite des Bösen. Von seinem Turmschloss Orthanc aus entwickelte er einen schrecklichen Plan: die Herstellung einer Ork - Armee aus magischen Kreaturen mit Superkräften, den Uruk- Hai.

Éowyn (Miranda Otto)
Die schönste Newcomerin in der Fantasy- Fabel: Die australische Schauspielerin spielt Eowyn, die wehrhafte Tochter des Königs von Rohirrim. Éowyns einzige Schwäche ist Aragorn - mit ihm versucht sie, die Stadt Rohan vor den Uruk - Hai zu retten.

Faramir (David Wenham)
David Wenham, ebenfalls Australier, spielt den Bruder des im ersten teil von den Orks niedergemetzelten Boromir. Faramir ist das schwarze Schaf der Familie und will die Liebe seines Vaters, des Königs von Gondor, erringen, indem er ihm den Ring beschafft.

Grima Schlangenzunge (Brad Dourif)
Horror- Legende Brad Dourif (Chucky, Wise Blood) ergatterte eine der schönsten Schurkenrollen in Die zwei Türme: Grima verhext als von Saruman gelenkter "Berater" König Théoden, um das Königreich Rohan im Sinne des Bösen lenken zu können.

Gollum/Sméagol (grünlichgraue Kreatur)
Vor Jahrhunderten ermordete Sméagol, ein Hobbitähnliches Wesen, seinen eigenen Bruder, um an den Ring zu kommen. Der Besitz des Rings macht unsterblich- aber kein Charakter kann seiner zerstörerischen Macht standhalten, und so wurde aus Sméagol der kriecherische, schleimige Gollum, der alles tun würde, um dem Ring, seinem Ein und Alles, nahe zu sein.

Baubart (Baum mit Gesicht)
Baumbart ist der Führer der Ents - uralte Baumwesen, die sprechen und sich auf riesigen Wurzeln fortbewegen können. Baumbart hat ein dickes Hühnchen mit Saruman zu rupfen, der seinen Wald abholzen lies, im dort seine Ork - Zucht zu errichten.

Uruk- Hai Ork (der mit den spitzen Zähnen)
Die Uruk- Hai sind eine schrecklich "Erfindung" des Zauberers Saruman: In unterirdischen Stollen lässt er eine ganze Armee dieser enorm starken, wiederstandsfähigen, aber strohdummen Kreaturen ausbrüten, um mit ihnen eine vernichtende Schlacht gegen die Menschen zu führen.

 

Peter Jackson -  Herr der Dinge

Er ist ein netter, rundlicher Mann mit Vollbart, und die ganze Welt hat fieberhaft auf das gewartet, was er uns im Dezember beschert. Nein, wir sprechen nicht vom Weihnachtsmann - sondern von Peter Jackson, der für drei Winter Santa Claus die Show gestohlen hat.

Skip: Du hast als Regisseur von No - Budget - Horrorfilmen angefangen, und hetzt stehst du hinter einem der aufwändigsten Projekte der gesamten Filmgeschichte...
Peter Jackson: JA, bei meinen ersten Filmen habe ich nur deshalb selbst mitgespielt, weil ich oft der einzige war, der überhaupt am Set auftauchte (lacht). Und bei Der Herr der Ringe haben bis zu 30.000 Leute nach meiner Pfeife getanzt. Aber ich habe immer versucht, meine Visionen konsequent zu verwirklichen und mir diesen ungeheueren Druck, der da auf mir lastete, nicht bewusst werden zu lassen. Und jetzt ist es genauso, wie du gesagt has: Ich stehe hinter dem Film. Mit ganzem Herzen. Der Herr der Ringe ist riesengroß, klar - aber es ist so eine wundervolle Geschichte.

Skip: Hast du mit einer überwältigenden Reaktion auf der Herr der Ringe: Die Gefährten gerechnet?
Peter Jackson: Nein. Wir haben zwar alle unser bestes gegeben, aber dass wir so den Nerv des Publikums treffen, darauf habe ich nur in meinen kühnsten Träumen gehofft. Wäre es anders gekommen, hätten wir ein kleines Problem gehabt: Dadurch, dass ich ja alle drei Filme auf einmal gedreht habe, hätte ich mich bei einem Misserfolg des ersten Teils nicht still und heimlich von Teil 2 und 3 davonschleichen können.

Skip: Du hast die fünf Jahre an der Film - Trilogie schon des öfteren als "schlimmste Tortur deines Lebens" bezeichnet. Siehst du das jetzt immer noch so?
Peter Jackson: Es war schrecklich (lacht). Aber ich bereue nichts. Allerdings werde ich so etwas auch garantier nie wieder machen. Mein nächstes Projekt ist ein ganz kleiner Film, eine wahre Geschichte, die im 18, Jahrhundert spielt. Etwas in der Art von Heavenly Creatures, nur geht es nicht um einen Mord. Und es wird garantiert keine Computeranimation geben.

Skip: Auf diesem Gebiet bist du ja in Der Herr der Ringe: Die zwei türme weiter gegangen als je zuvor...
Peter Jackson: JA, es gibt zwei vollständige Computer- animierte Hauptdarsteller, Baumbart und Gollum. Anfangs war ich sehr skeptisch: Baumbart etwa ist keine Fantasie Gestalt, sondern ein Baum. So standen wir vor der enormen Aufgabe, einen Baum- etwas, das jeder kennt- mit einem Gesicht zu designen, das nicht lächerlich wirkt.! Aber ich denke, wir haben das sehr gut hingekriegt. Auch mit Gollum, der ja eine sehr wichtige Rolle in Teil 2 und 3 spielt, bin ich sehr zufrieden. Er ist sicher keine Witzfigur wie Jar Jar Binks geworden, wenn ich das mal so überheblich sagen darf.

Skip - Das Kinomagazin Dez. 2002/Jan. 2003

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