Unverfrorenheit der Jugend

Der schönste Kinojüngling spielt den schönsten Helden der Antike: Orlando Bloom über seine Paris- Rolle und die Fans

Focus: Sie drehen gerade in Marokko, dort, wo es Warner Bros. bei „Troja“ zu gefährlich war. Sie sind noch nicht so weit holywoodisiert, daß Sie Angst davor haben?

Bloom: Im Gegenteil, das ist eigentlich ein Teil des Jobs, den ich echt genieße. Das hat mir immer schon Spaß gemacht, neue Kulturen und unterschiedliche Länder zu erleben. Man kann doch nicht in Angst verharren - man muß doch voranschreiten.


Focus: „Troja“ ist ein antiker Kriegsfilm. Mußten Sie da auch ihre Muskeln spielen lassen, oder haben Sie ihre Kraft mehr im Schlafgemach bewiesen?

Bloom: Man kann schon sagen, daß ich im Bett aktiver bin. Für mich war das sehr viel weniger Action als etwa in „Fluch der Karibik“ oder in „Herr der Ringe“ - was ich auch reizvoll fand. Paris ist ja der jüngste Bruder von Hektor, und Hektor ist der unumstrittene Führer und Thronerbe. Also ist Paris im Schatten und unter dem Schutz der königlichen Familie groß geworden, ist grundsätzlich mehr an den Verlockungen des Fleisches und Vergnügungen des Lebens interessiert. Oder anders gesagt: Er ist ein Liebhaber und kein Kämpfer. Als ich das erste mal Brat Pitt und Eric Bana traf, diese zwei Männer mit einer unglaublichen Präsenz und Imposanz...


Focus: Sie meinen körperlich?

Bloom: Ja, beide hatten sich ja ziemliche Muskelpakete antrainiert, was für die Rollen auch Voraussetzung war. Als ich also mit den beiden rumstand und mich ziemlich klein und unbedeutend fühlte, wurde mir auf einmal richtig klar, worin mein Charakter besteht und wer Paris war. Er konkurriert nicht mit seinem Bruder, er kann es gar nicht - und er will es nicht. Aber als Prinz von Troja ist er vom luxuriösen Leben verwöhnt, und das hat ihn wohl auch gern zu Hause bei den Frauen bleiben lassen, wenn die Männer loszogen, um sich um die Geschäfte zu kümmern. Und so wurde er wohl auch zu einer sensibleren Natur, entdeckte mit den Frauen mehr seine feminine Seite, etwas, das er wirklich liebt.


Focus: Deshalb kann er auch im Handumdrehen Helena verführen?

Bloom: Genau. Obwohl ich schon ziemliche Schwierigkeiten hatte, das für mich und meinen Charakter zu rechtfertigen.


Focus: Weil im Original bei Homer Moral keine Rolle spielt. Es sind Heroen, Halbgötter, da ist es nicht von Belang, ob das, was Paris tut, zu rechtfertigen ist oder nicht. Wie hat der Film dieses Problem gelöst?

Bloom: Das war eine der Hürden, die es für mich zu bewältigen galt: zu versuchen, die Taten dieser Figur zu rechtfertigen. Es ist wirklich die Unverfrorenheit der Jugend. Jede Handlung provoziert eine Reaktion - nur lebte Paris bisher ein Leben, das es ihm nicht ermöglichte, das zu begreifen. Innerhalb einer Gesellschaft gibt es ein universales Gesetz, was richtig und was falsch ist. Wenn man zu weit gegangen ist, muß man schauen, wie man wieder zurück kommt. Es ist wie ein Pendel.


Focus: Und wann schlägt es zurück?

Bloom: Gegen Ende des Films kommt ein Moment - der absolute Tiefpunkt und eine der erniedrigsten Situationen, die einem Charakter widerfahren können. Das ist der Moment, als ich hinausgehe, um gegen Menelaos zu kämpfen...


Focus: ... Helenas Mann, dem Sie Hörner aufgesetzt haben.

Bloom: Genau. Vor den Augen von Helena, der Frau, die ich liebe und die ich diesem Mann gestohlen habe, vor meinem Vater, meinem Bruder und der ganzen Stadt Troja werde ich auf dem Boden getreten und geschlagen. Und dann darf ich nach der Erniedrigung dieses Kampfes nicht mal einen ehrenhaften Tod sterben, sondern kauere mich an die Füße meines Bruders. Ich hatte wirkliche Albträume, weil ich nicht wußte, wie ich das spielen sollte. Wissen Sie, man muß der Figur ja irgendwie noch einen Hauch von Würde lassen, damit die Zuschauer noch ein klein bißchen an einen glauben. Denn es geht ja dann weiter, und mein Weg führt wieder etwas nach oben, als ich die Konsequenzen meines Handelns langsam verstehe.


Focus: Sehen Sie in den Kino- Heldensagen Bezüge zur Welt nach dem 11. September?

Bloom: Ja, ich denke, der Fall von Troja ist ein Triumph der menschlichen Schwäche, und das ist auch heute relevant. Man bekommt den Krieg in seiner deutlichsten und grausamsten Art zu sehen, und die Botschaft dabei ist, daß das Ganze sehr viel lächerlicher ist, als man es sich vorstellen kann, daß dieser Mißbrauch der Macht so falsch ist...


Focus: Dann läßt sich der Film wohl nicht als Kriegspropaganda mißverstehen?

Bloom: Absolut nicht. Die Geschichte ist so menschlich, so tiefgründig, daß man das einfach akzeptieren muß. Jeder kann sich vorstellen, sich in die Frau des Nachbarn zu verlieben, man kennt diese Geschichte über Verbrechen aus Leidenschaft. Gut, nur Achilles will, daß sein Vermächtnis immer weiter lebt. Er ist im Film zwar kein Gott, aber so gottgleich, wie ein Mensch es halt sein kann. Und der einzige Weg, sein Erbe für immer fortleben zu lassen, ist, für eine Sache zu sterben.


Focus: Sie sind ja selber auf dem Weg, ein Kino- Gott zu werden. Wie gehen Sie mit dem irrsinnigen Starrummel und Fan- Hype um?

Bloom: Das kriege ich schon noch hin. Ich hab ja mit Brad Pitt und Johnny Depp gearbeitet und aus erster Hand erfahren, wie die das meistern. Wenn ich daheim in London bin, fühle ich mich sehr wohl und habe kein Problem damit. Am Set kann das anders sein. Unlängst in Spanien, als die Leute wußten, daß wir da drehen, war es etwas beängstigend. Man erwartet einfach, uns zu sehen. Ein Freund hat es mir wieder klar gemacht: „Es braucht immer ein neues Mädel, das gerade super- heiß ist, oder einen Jungen, weil es dafür immer ein Publikum geben wird - junge Leute heften ihre Hoffnungen und Träume nun mal an jemandem fest.“ Aber das bin nicht ich, sondern nur das Image, die Charaktere, die ich spiele. Mach dir das klar, dann kommst du auch zurecht. Aber es ist schon ein verrückter Trip.

 

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