Orlando Bloom Interview
In "Der Herr der Ringe" spielt Orlando
Bloom (zu dem Zeitpunkt noch 25, inzwischen
schon ein Jährchen älter – Anm.
v. Marielle) zwar nur die Nebenrolle des Elben
Legolas, aber bei den Fans ist er der große
Star. Besonders Girls stehen auf den verrückten
Typen, der von sich behauptet:
"Ich bin kein Draufgänger" [Anm:
Das hat er bestimmt so gesagt *fg*]
Für Klamotten hat Orlando
Bloom (25 bzw. 26 – Anm. v. Marielle)
seine "Der Herr der Ringe" - Gage
wohl nicht ausgegeben. Zum Interview in Los
Angeles kommt "Legolas" jedenfalls
outfitmäßig ohne jeden Glamour: schwarzer
Rolli drunter, cremefarbenes Hemd drüber
und eine abgetragene schwarze Jacke mit Kapuze
in der Hand. Untenrum wird's noch normaler:
schwarze Jeans, weiße Tennisschuhe. Superstar?
Ja! Schon nach Minuten merkt man: Der Typ hat
was. Bei seinem Lächeln kapiert sogar jeder
Mann, warum Girls in Orlis Nähe weiche
Knie bekommen...
Y: Legolas ist eine romantische und verträumte
Figur – bist du in Wirklichkeit auch so?Orlando
(lacht): Ja, irgendwie schon. Natürlich
habe ich versucht, mich in den Kopf von Legolas
hineinzuversetzen. Aber als wir mit den Dreharbeiten
anfingen, war ich gerade mal 21 – und
er ist ja fast 3000 Jahre alt! Aber ich glaube
schon, dass ich einige Eigenschaften gemeinsam
habe mit dem alten Bogenschützen Legolas.Durch
"Der Herr der Ringe" bist du quasi
über Nacht weltberühmt geworden. Wie
hat sich dein Leben seither verändert?
Orlando: Sehr. Ich kam ja erst kurz vorher von
der Schauspielschule. Anfangs war ich total
überwältigt, mit so hochkarätigen
Kollegen zu arbeiten. Das war ein bisschen so,
als würde man dich als Kid ausgerechnet
am tiefsten Ende ins Schwimmbecken schubsen.
Und natürlich war es auch eine Herausforderung,
18 Monate hintereinander im Ausland zu arbeiten.
Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Was die privaten
Dinge angeht, bemühe ich mich allerdings,
mit Freunden und Familie alles so normal wie
möglich weiterlaufen zu lassen.
Warum bist du Schauspieler geworden?
Orlando: Wegen der Frauen! Nein, im Ernst: Das
kam schon als Kind in mir auf. Ich erinnere
mich, dass ich als zehn- oder elfjähriger
Junge mal zu Weihnachten bei meinem Cousin in
Boston war. Der ist Regisseur von Werbespots
und hat sich natürlich auch beruflich fürs
Kino interessiert. Und damals haben wir uns
über die Feiertage einen Stapel Videos
ausgeliehen. Da habe ich angefangen, mich für
den Film und die Kinostars zu interessieren
– vor allem für Superman. Und als
Teenager hab ich mich dann auf einer Schauspielschule
in London angemeldet.Was treibst du privat?
Hast du zurzeit eine Freundin?
Orlando: Es gibt da eine junge Dame, mit der
ich ein bisschen Zeit verbringe, aber ich habe
keine richtig feste Beziehung im Moment. Meine
letzte ging ja während der Dreharbeiten
zu "Der Herr der Ringe" in die Brüche.
Darüber hinaus interessiere ich mich sehr
für Musik. Ich stehe total auf Ben Harper,
David Gray, aber auch Bob Dylan. In Neuseeland
habe ich während der Dreharbeiten auch
angefangen zu surfen, aber seit ich wieder zurück
bin, hänge ich am liebsten relaxt mit Freunden
ab.
Weißt du, wie viele weibliche Fans du
heute auf der Welt hast?
Orlando: Ich kriege viel Fanpost, und das finde
ich ungeheuer schmeichelhaft. Aber davon abgesehen
verfolge ich das nicht so genau. Meistens macht
meine Mutter irgendwelche Bemerkungen, wenn
sie wieder etwas im Internet über mich
aufgeschnappt hat. Aber da ich mich nicht für
Computer interessiere, stöbere ich auch
nicht im Netz um was über mich zu lesen.
Wahrscheinlich würden dich die meisten
Fans auf der Straße sowieso nicht wieder
erkennen...
Orlando (lacht): Das stimmt. Die blonde Perücke,
die ich im Film trage, verändert mein Aussehen
enorm. Davon profitiere ich heute total und
kann ein halbwegs normales Privatleben führen.
Bist du privat auch so eine Kämpfernatur
wie Legolas?
Orlando: Nicht mit fliegenden Fäusten.
Eher auf spiritueller Ebene. Ich hatte zum Beispiel
vor vier Jahren einen Unfall, bei dem ich mir
den Rücken gebrochen habe. Die Ärzte
sagten mir damals, dass ich nie wieder würde
laufen können – und trotzdem hab
ich’s geschafft. Ich glaube, dazu gehört
viel Disziplin und eine Kämpfernatur, der
Wille, nicht aufzugeben. Es war eine höllische
Zeit, aber andererseits habe ich dadurch gelernt,
manche Dinge mehr zu schätzen. Es gibt
so verdammt viele Sachen, die wir als selbstverständlich
hinnehmen. Aber so ein Erlebnis rückt vieles
in ein ganz anderes Licht, das kannst du mir
wirklich glauben...Was für ein Unfall war
das?
Orlando: Ich bin aus Versehen rückwärts
durch ein offenes Fenster aus dem dritten Stock
eines Hauses gefallen. Seitdem bin ich etwas
vorsichtiger geworden. Ich bin echt kein Draufgänger!
Stimmt es eigentlich, dass du starker Legastheniker
bist? Und wie sehr hat diese Lernschwäche
dein Leben beeinflusst?
Orlando: Das stimmt. Aber Probleme mit dem Lesen
und Schreiben zu haben, hat mich weniger geprägt
als mein Unfall. Ich hab mit gebrochenen Wirbeln
acht Tage bewegungslos auf dem Rücken gelegen.
Ich war total abhängig von vier Krankenschwestern,
konnte nichts alleine machen. In solchen Momenten
ist dir aller Stolz und alle Würde genommen.
Und nichts ist danach so toll, wie aus dem Krankenzimmer
in den Garten geschoben zu werden oder erstmals
wieder selbstständig zu laufen. Diese Zeit
hat mich bescheiden gemacht. Ich glaube, je
mehr Hindernisse man zu überwinden hat,
desto mehr wächst man als Mensch...
Bildunterschriften:
Orli, wie ihn seine Freunde nennen, ist immer
für einen kleinen Scherz zu haben. Doch
er kann auch sehr nachdenklich sein
Als Elbenkrieger Legolas verdreht er Millionen
Girls auf der ganzen Welt den Kopf. Dabei sind
die langen blonden Haare bloß eine Perücke
Stylish: In dem britischen TV-Film "Wilde"
(1997) hatte Orlando seine erste größere
Rolle
In "Black Hawk Down" spielt Orli einen
jungen Soldaten, der aus einem Hubschrauber
stürzt
In "Piraten der Karibik" kämpft
der Jungstar gemeinsam mit Johnny Depp gegen
fiese Piraten
An der Seite von Heath Ledger drehte er gerade
in Australien "The Kelly Gang" ab
Comedy: Als "Calcium Kid" wird Orli
Bloom vom Milchmann zum harten Boxchampion
Yam No. 02/2003
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