Viggo Mortensen

Obwohl Viggo Mortensen in der Episode „Die Rückkehr des Königs“ eine Schlüsselrolle spielt, hat er nichts von seiner Natürlichkeit verloren. Nach dem enormen Erfolg der Trilogie ist er jetzt bereit, sich in neue Abenteuer zu stürzen, will das bisher Erlebte dabei aber keinesfalls verdrängen. Hier mehr dazu.

Dein Sohn hat dich überredet, die Rolle von Aragorn anzunehmen. Dankst Du ihm dafür heute noch?

Ja, denn wenn ich es nicht tue, erinnert er mich daran! (Lachen)


Welchen Einfluß hatte der Erfolg der Trilogie auf Deine Karriere?

Ich habe gerade einen Film mit dem Namen „Hidalgo“ gedreht, den man mir wahrscheinlich nicht angeboten hätte, wenn die Trilogie nicht ein so großer Erfolg gewesen wäre. In vieler Hinsicht gibt es Parallelen zwischen „Hidalgo“ und „Der Herr der Ringe“, auch wenn die Orte, die Epoche und die Protagonisten sehr unterschiedlich sind. Ich spiele die Rolle von Frank Hopkins, einem Reiter, dem eine Wette angeboten wird: er soll an einem sehr gefährlichen Rennen teilnehmen. Es gibt eine ähnliche Szene wie die, in der Aragorn am Rat von Elrond teilnimmt, als Frank entscheiden muß eine ganze Reihe an Hindernissen aus dem Weg räumen. In „Hidalgo“ und in der Trilogie ist das eigentlich Wichtige nicht der Sieg der Protagonisten, sondern die Art und Weise, wie sie die Hindernisse überwinden.


Wirst Du, seitdem Du Aragorn gespielt hast, öfter von Unbekannten angesprochen?

Ja, viel öfter. Allerdings stehe ich nicht so sehr auf Partys wie andere Filmkollegen. So kommt es nur selten vor, daß ich von riesigen Fanhorden bedrängt werde, höchstens mal bei Filmpremieren, wo das Publikum manchmal etwas hysterisch ist.


Sind die Reaktionen in allen Ländern gleich?

Ja, die Reaktionen des Publikums sind überall gleich. Ich bin mit dem Filmteam in Mexiko und Brasilien gewesen, wo es sehr angenehm war. Danach war ich allein nach Argentinien weiter gereist, wo ich bis zu meinem 11. Lebensjahr gelebt habe. Als ich mit den anderen Schauspielern reiste, haben wir alle gemeinsam das Hotel verlassen und danach erst haben sich unsere Wege getrennt, die Fans haben sich dann in alle Richtungen verteilt. In Argentinien war ich allein und hunderte von Fans warteten mitten in der Nacht im Regen auf mich. Einige waren von weit her angereist, um mich zu sehen und es war einfach unglaublich, wie sehr der Film den Menschen in allen Teilen der Welt nahe gegangen ist. Als ich einige Zeit später in Japan war, war die Reaktion der Menschen dort ähnlich.


Wie lebst Du mit Deinem Status als Sexsymbol?

Alle erfolgreichen Filme machen einen zum Sexsymbol, das ist nichts neues. Das stört mich nicht. Die Fans geben mir sogar ihre Telefonnummern, aber ich behalte sie nicht. Ich gebe sie dann an Billy (Boyd), Dominic (Monaghan) oder Orlando (Bloom) weiter, die sind daran wesentlich mehr interessiert als ich... (Lachen)


Du bist dafür bekannt, Deine Rolle sehr ernst zu nehmen und Dich damit zu identifizieren. Hast Du Schwierigkeiten damit, die Rolle nach Abschluß des Films wieder abzulegen?

Viele Schauspieler klagen darüber, daß sie vier Wochen oder sogar Monate brauchen, um die Rollen wieder loszuwerden. Einige Regisseure wiederum beschweren sich, daß sie gerne ein Projekt vergessen würden, das viel Zeit und Energie in Anspruch genommen hat... Ich teile nicht unbedingt ihre Ansicht in diesem Punkt. Wir werden alle älter und sterben eines Tages. Wenn man ein hohes Alter erreicht, dann vergißt man vieles wieder. Ich meinerseits bin nicht bereit, etwas so schnell zu vergessen, bei dem ich so viel gelernt habe. Ich werde so schnell keinen Schlußstrich unter einen Film ziehen, dem ich so viel zu verdanken habe.


Wie hast Du dich auf die Szenen vorbereitet, bei denen Spezialeffekte eingesetzt wurden und die Schauspieler spielen mußten, ohne ihr Gegenüber zu sehen?

Das war einfacher, nachdem ich den ersten Teil der Trilogie gesehen habe. Nicht weil ich kein Vertrauen zu Peter Jackson hatte, sondern weil ich endlich den Beweis hatte, daß alles, was man uns gesagt hatte, auch tatsächlich auf der Leinwand zu sehen war. Vor der Kamera hatte man uns gesagt: „Keine Sorge, ihr werdet nicht lächerlich aussehen, auch wenn ihr jetzt mit einer imaginären Person sprecht. Glaubt mir, wenn der Film fertig ist, werdet ihr mit dem Resultat zufrieden sein“. Und er hatte recht. Als Peter mich anrief, um neue Szenen für „Die Rückkehr des Königs“ zu drehen, mußte ich mit einer Geisterarmee sprechen und mit imaginären Gegnern kämpfen. Ich habe ihm vertraut. Das war nicht einfach aber interessant.


Denken die anderen Schauspieler das gleiche?

Ich glaube schon. Besonders die jüngeren wie Orlando Bloom, für den die Trilogie eine regelrechte Filmschule war. Peter hat uns jeden Tag erneut dazu aufgefordert, an den Film zu glauben, ob er Erfolg haben würde oder nicht, auf alle Fälle handelte es sich um ein faszinierendes Erlebnis. Peter hat uns jeden Tag dazu gebracht, die Grenzen des Vorstellbaren erneut zu überschreiten. Das war sehr schwierig, vor allem für die Schauspieler mit wenig Erfahrung. Heutzutage können auch sie, dank dieser Erfahrung, jeden anderen Film in Angriff nehmen. Keiner von ihnen wird vor einer Kamera sagen: „Das ist zu schwer oder braucht zuviel Zeit“, denn kein anderer Film kann nur annähernd so schwierig sein wie die Dreharbeiten zur Trilogie.

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